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Erstelldatum: 25.10.2010

Fabriken, industrielle und Denkfabriken

Was unterscheidet eigentlich Fabriken vom Handwerk? In Fabriken wird Massenproduktion betrieben. Grundlage sind erkannte Bedarfe in der Bevölkerung oder der Industrie, im Inland wie im Ausland. Also gilt es, entsprechende Produkte in einer Massenfertigung herzustellen, dabei möglichst preiswert zu sein, um Konkurrenten unterbieten zu können. Das wiederum bedingt einen Maschinenpark, mit dem ein hoher Ausstoß der entsprechenden Produkte bei möglichst guter Qualität gesichert werden soll. Die frühere Beteiligung menschlicher Arbeitskraft an den einzelnen Maschinen wurde inzwischen weitgehend von Computern und Robotern übernommen, was einerseits den Vorteil hat, dass monotone Arbeiten heute vollautomatisch durch Maschinen oder Roboter erledigt werden, auf der anderen Seite aber die eigentliche Ursache für eine ständig wachsende Zunahme der Arbeitslosigkeit ist. Denn obwohl die arbeitende Zunft einen großen Anteil an der Industriealisierung hat, wird ihre Beteiligung am Erfolg in zunehmendem Maße abgebaut.

Das Handwerk steht für die individuelle, auf spezifische Anforderung ausgerichtete Arbeit. Eine Verbindung zu den Fabriken besteht dabei zumeist bei der Verwendung der Materialien. Beispiel: Der Fliesenleger muss individuell, abgestimmt auf den Kundenwunsch und die räumlichen Gegebenheiten seine Arbeit machen. Die Fliesen hingegen stammen aus der maschinellen Produktion, aus welcher sich der Auftraggeber je nach Geschmack die unterschiedlichen Modelle aussucht. Dabei kann es sein, dass der Auftraggeber sich die Fliesen in einem beliebigen Baumarkt beschafft, oder aber beim Fliesenleger selbst bestellt, sofern dieser auch zusätzlich mit diesen Produkten handelt. Diese übliche Kombination aus Handel und Handwerk ist vor allem in technischen Handwerksberufen weit verbreitet.

Andere Handwerksberufe, wie z. B. der Bäcker, werden immer stärker von der industriellen Produktion der Backwaren verdrängt. Selbst in der weit verbreiteten Kombination des Bäcker- und Konditoren-Handwerks wird die individuelle und vom Können des einzelnen Bäckers und Konditors abhängige Einzelfertigung von der industriell gefertigten Massenproduktion verdrängt. Das ist eigentlich traurig, denn in der Massenproduktion ersetzen oft Zusatzstoffe mit zweifelhaften Eigenschaften die Raffinesse und das Können des Bäckers und Konditors und haben den Verzicht von "Geschmackserlebnissen" bei den Konsumenten zur Folge. Eine wenig beachtete, aber äußerst bedenkliche Folge ist dabei die "Entsorgung" nicht verkaufter Ware, weil gerade bei bestimmten Gebäckformen (z. B. Puddingbrezel oder Sahnetorten) die Verwendbarkeit im Verkauf schnell verloren geht.

Selbst die "backende Hausfrau" gehört inzwischen oft der Vergangenheit an, weil in den Verkaufsregalen der Supermärkte die mit viel Werbung unterstützten Backmischungen die individuelle Zusammenstellung der Zutaten ablösen. Auch hier lesen die Verbraucher nur selten die Zutatenliste der verwendeten Zusatzstoffe.

Inzwischen hat sich eine weitere Industrie gebildet, die Denkindustrie. So genannte Think Tanks oder auf Deutsch "Denkfabriken" schießen wie Pilze aus dem Boden. Ihre Aufgabe ist eigentlich die Gleiche, wie man sie zuvor in der Nahrungsmittelindustrie so erfolgreich etabliert hat. Es gilt, den individuellen Denkprozess durch eine Form von vorgefertigten Denkmodellen zu gesellschaftlichen Themen zu ersetzen. Auch hier finden "Zusatzstoffe" ihre Anwendung und für diese Zusatzstoffe gibt es keinerlei Beschränkungen. Sie bestehen aus der Verwendung von Euphemismen, also dem Einsatz positiv belegter Begriffe für die Denkprozesse, in welche der "Konsument" geführt werden soll, oder Dysphemismen, also negativ besetzte Begriffe, wenn man etwas verunglimpfen will. Auch hier findet intensive Werbung statt, die allerdings nicht als solche ausgewiesen wird, sondern durch unterschwellige Propaganda, neudeutsch auch Public Relation genannt, den unwissenden "Konsumenten" sozusagen an die Leine nimmt, ihn führt und ihm vorgaukelt, der Konsum dieser vorgefertigten Denkmodelle sei seinem eigenen Wissen und seinem eigenen Denken zu verdanken.

Anders als in der Lebensmittelindustrie, die quasi das Endprodukt fertig auf die Teller der Verbraucher zaubert, die nur noch mittels Mikrowelle aufgewärmt werden müssen und die mit ihren Geschmacksverstärkern den Geschmackssinn der Verbraucher damit relativ schnell abtöten, muss die Denkindustrie die Zutaten einzeln vorbereiten. Dazu dienen die Medien, ob nun Presse oder TV, spielt weniger eine Rolle. Man muss Negativbeispiele finden und sie so präsentieren, dass es für Aufregung wegen vermeintlicher Ungerechtigkeit gegenüber anderen sorgt. Ein praktisches Beispiel war Florida Rolf, der mit täglichen Berichten und halbseitigen Schlagzeilen in der BILD die Erregung der Gemüter immer stärker erhitzte, obwohl sich dieser Mann durchaus auf rechtlicher Grundlage bewegte. Aber dieses, übrigens nur in Einzelfällen überhaupt frequentierte Recht, verankert im Bundessozialhilfegesetz (BSHG) sollte politisch maßgeblich geändert werden. Dabei gingen Politik, Medien und Think Tanks ausgesprochen weitsichtig vor, denn es galt nicht nur, dass Sozialhilfegesetz massiv zu verändern, sondern war bereits die Vorbereitung für die spätere Zusammenlegung mit der Arbeitslosenhilfe zu den Hartz-Gesetzen. Als die Volksseele genug in Wallung gebracht war, wurde das BSGH geändert und brachte den Sozialhilfeempfängern tiefe Einschnitte in ihr ohnehin nicht generöses Leben. Natürlich war Florida Rolf nicht das einzige präsentierte Objekt. Vor allem das Fernsehen, und hier tat sich vor allem der NDR hervor, präsentierte andere Objekte, in entsprechenden Dysphemismen als Sozialschmarotzer dargestellt, die sich ständig unredlich bereicherten, sei es nun durch ständig neue vom Amt finanzierte Fernseher oder sonstige Anschaffungen, oder durch neben der Sozialhilfe getätigte Schwarzarbeit. Dass zur gleichen Zeit in der Presse die völlig unseriösen Berichte über Schwarzarbeit in einer Größenordnung von mehr als 300 Milliarden pro Jahr gebracht wurden, war eine weitere Zutat, mit welcher das Hirn der Masse gestopft wurde und sie ernsthaft glaubten, dass die politischen Änderungen bei der Sozialhilfe und später bei Hartz gut für dieses Land wären. Die wahren Ursachen für die zunehmende Arbeitslosigkeit oder die Gründe des Empfangs von Sozialhilfe waren völlig ausgeblendet. Das vorgefertigte Denkmodell über das "Schmarotzertum" der Sozialhilfe- und Arbeitslosenhilfe-Empfänger war in breiten Teilen der Gesellschaft angenommen worden, auch durch entsprechende Aussagen von Politikern wie Schröder, Clement, Müntefering. CDU-Politiker glänzten mit Ideen, wie man alle Arbeitslosen zur Zwangsarbeit verpflichten könnte, ohne allerdings Hinweise zu geben, wo denn die Arbeit für diese Zwangsarbeit herkommen sollte.

Dass nahezu zeitgleich in der Presse fast täglich Berichte über Massenentlassungen zu lesen waren, wurde mit entsprechen Euphemismen, wie z. B. um auf dem "globalisierten Markt die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten", begleitet und damit eine zwingende Notwendigkeit dargelegt, die nicht wirklich bestand. Aber die indoktrinierte Masse vermochte die bestehenden Zusammenhänge nicht mehr zu erkennen.

Momentan sind wieder diverse Aktivitäten in dieser Richtung zugange. Im letzten Jahr ist Ursula von der Leyen noch mit ihrem "Kinderporno-Stoppschild" abgeschmettert worden. Auch Schäuble hatte mit seiner Vorratsdatenspeicherung nicht den gewünschten Erfolg. Aber das Internet wird mehr und mehr zur Gefahr für die so genannten Eliten, weil es, anders als die Presse oder das Fernsehen, die Machenschaften dieser Eliten entblößt und die politischen Täuschungen schonungslos aufdeckt. Man will also Kontrolle im Internet, weiß jedoch, dass es dabei zu geballtem Protest kommen wird. Die bisherigen Versuche waren einfach zu plump gewesen. Also sind wieder die Think Tanks, also Denkfabriken gefragt. Einer dieser Think Tanks ist die Bertelsmann-Stiftung und, oh Wunder, verfügt gleichzeitig mit RTL und RTL II über Fernsehsender, kontrolliert zahlreiche Presseorgane (über Gruner und Jahr), also doch wahrhaft geeignet, der Allgemeinheit schmackhaft zu machen, dass man Kontrolle im Internet dringend benötigt. Folglich setzt man eine bekannte Barbie-Puppe ein, pardon, natürlich eine sehr angesehene Adelige, die sich, zusammen mit einigen ach so besorgten Prominenten und dem Schmuddelsender RTL II zusammentun und eine Sendung "Tatort Internet" konzipieren. Obwohl eigentlich hinreichend nachgewiesen ist, dass Pädophilie vor allem im Umfeld von Familien, Verwandtschaft und Freunden, sowie Vereinen und Kirchen zu finden ist, konstruiert man nun Fälle im Internet über entsprechende Chaträume. Zwar könnte man die Präsentation einer scheinbar freizügigen Minderjährigen in diesen offenen Chats schon als Verleitung zu einer Straftat nach dem StGB ansehen, weil sie genau zu diesem Zweck zielgerichtet dargestellt werden, man könnte vielleicht auch einwenden, dass die Verführung Minderjähriger auch nicht unbedingt die alleinige Domäne der Männer ist, weil es auch, allerdings weniger bekannt, Muttis, Tanten oder Freundinnen gibt, die ab und wann gerne mal mit minderjährigen, aber sexuell neugierigen Jungen "spielen", doch das weiß die Masse ja bereits. Man muss ihr eintrichtern, dass eine exponentiell steigende Gefahr aus dem Internet droht, damit man dort den Fuß in die Türe bekommt. Es genügen schon ein paar Fälle, in denen man erfolgreich war, um Bedenken zu erwecken. Allerdings ist die Internetgemeinde inzwischen schwerer zu überzeugen, denn sie ist es gewohnt, sich auch alternativ zu informieren. Das wird in Presseartikeln zur Sendung deutlich, wenn man die Leserkommentare zu den Artikeln liest. Aber auch das haben die Macher bedacht und natürlich werden auch scheinbar begeisterte Zustimmungen laut, mit einer mitunter geradezu hanebüchenen Argumentation. Ein paar Schreiberlinge daran zu setzen, diese Sendung in den Kommentarforen positiv zu kommentieren, ist nun wirklich kein Problem.

Noch ist nicht erkennbar, ob das Konzept von Bertelsmann aufgeht. Eines ist aber sicher, nicht die Sorge um die Kinder treibt die Macher an, sondern der Einstieg in Kontrollmechanismen für das Internet. Ginge es um Kinder, bzw. Minderjährige, dann würde nicht ein Quoten jagender Schmuddelsender wie RTL II und eine offenbar inzwischen mediengeile Ministergattin mit adeliger Herkunft aufgestellt, sondern Aufklärung über mögliche Gefahren im Internet sowohl gegenüber der Jugend als auch der mit der Aufsichtspflicht betrauten Eltern betrieben. Denn eines ist sicher, mehr Sicherheit bringt diese Aktion für die Jugend nicht.

Auch auf dem Arbeitsmarkt werden derzeit bestimmte Denkfabriken wieder aktiv. Ein Artikel bei MMnews über eine geforderte Wochenarbeitszeit von 45 Std. Es äußern sich der Präsident des DIW (Think Tank = Deutsches Institut für Wirtschaft), der Präsident des IWH (Think Tank = Instituts für Wirtschaftsforschung Halle) Ulrich Blum und der Direktor des IW (Think Tank = Institut der deutschen Wirtschaft in Köln) Michael Hüther.

Halten wir mal fest, Klaus Zimmermann ist nicht nur Präsident des DIW, sondern auch Direktor des IZA (Think Tank = Institut zur Zukunft der Arbeit), dessen Präsident der Steuerhinterzieher Zumwinkel ist.

Zu den Reformvorschlägen des IZA für den deutschen Arbeitsmarkt zählen das Workfare-Konzept als Alternative zum Kombilohn-Modell, die Ablehnung der flächendeckenden Einführung von Mindestlöhnen, flexiblere (längere) Arbeitszeiten, die Lockerung des Kündigungsschutzes sowie die Anhebung des Renteneintrittsalters. Darüber hinaus fordert das IZA eine stärkere Berücksichtigung ökonomischer Aspekte im Zuwanderungsgesetz. Laut einer Meldung des Magazins Focus präsentierte der IZA-Direktor für Arbeitsmarktpolitik Hilmar Schneider auf einer Tagung den Vorschlag einer

"Arbeitslosen-Auktion", bei der Unternehmen Arbeitskraft ersteigern können. Sozusagen ein neuzeitlicher Sklavenmarkt.

Ulrich Blum, geboren am 19.05.1953 in Pullach, ist ein evangelischer wirtschaftsfaschistischer Sprechblasenklopfer mit Professorentitel, so beschreibt ihn "mein Parteibuch.de". Zu seinen Aussprüchen gehört die "Einführung einer Ethiksteuer" für alle, die aus der Kirche ausgetreten sind. Er meint, wer keine Kirchensteuer zahlt, hinterzieht Steuern. Ansonsten sind seine Forderungen ziemlich deckungsgleich mit denen von Zimmermann.

Michel Hüther ist einer der meist frequentieren "Experten" in den öffentlich rechtlichen Sendern bei diversen Polit-Talks. Verschwiegen wird stets, dass er ein Botschafter der INSM ist, wie auch das IW (Institut der deutschen Wirtschaft) das für die INSM arbeitende Wirtschaftsinstitut. Die INSM (Initiative neue soziale Marktwirtschaft) ist vor allem mit zahlreichen Versuchen unterschwelliger Verunsicherung der Bevölkerung zu den Themen Arbeit, Rente und Krankenversicherung aufgefallen. Zur INSM gehören zahlreiche weitere Prominente, nicht nur Professoren, sondern auch Politiker, wie z. B. die EU-Abgeordnete der FDP Silvana Koch-Mehrin, oder auch der Professor, der sich gerne als Rentenexperte ausgibt, Bernd Raffelhüschen.

Alle drei in diesem Artikel sich äußernden Personen sind Mietmäuler der Unternehmerverbände mit Professur. Hätte ich eine Professur, würde ich diese aus Scham zurückgeben, denn das, was heute Professoren leisten, ist bei den meisten von Politik und Medien befragten mehr als beschämend. Sie bezeichnen sich als Wissenschaftler, aber Wissenschaft ist Wahrheitsfindung und nicht die Erfindung immer neuer Lügen.

Dieser Artikel und die Aussagen "dieser Experten" decken auch die politischen Lügen über den Arbeitsmarkt auf. Man will Arbeitslose nicht mehr arbeiten lassen, ausgenommen in prekären Beschäftigungen wie Ein Euro-Jobs, Leiharbeit oder Zeitarbeit mit geringer Entlohnung. Das sollten sich mal alle hinter die Ohren schreiben, die das politische Geschwafel über "Anreize zur Arbeit" für bare Münze nehmen. Bei dieser Form der Agitation der Think Tanks wird als zweites Gleis die immer wieder produzierte Aussage über die mangelnde Qualifikation der Arbeitslosen gefahren. Als drittes Gleis wird der so häufig dargestellte "fehlende Wille, wieder eine reguläre Arbeit aufzunehmen" angeführt.

Think Tanks produzieren Gedankenkonstrukte in mehreren kleinen Portionen. Zusammengeführt ergeben die Konstrukte eine diffamierende Diskriminierung bestimmter Gesellschaftsschichten, um politische Entscheidungsprozesse zu begünstigen, die dem eigentlich einer Gesellschaft zugrunde liegende Solidaritätsgedanken zuwider laufen. Es ist nicht nur der Gesellschaft als Ganzes abträglich, sondern infiltriert auf eine infame Art die Gesellschaft mit einem faschistischen Gedankengut, weit effektiver und subtiler, als es vergangene Propagandamechanismen jemals konnten. Dazu gehören auch als Ablenkung die Aufmärsche von Neonazis und die Gegendemonstranten merken dabei nicht, dass sie sich längst den faschistoiden Grundzügen dieser vergangen geglaubten Ideologie schon wieder sehr weit genähert haben.

Denken als Fabrikgut, es führt die Gesellschaft in eine Falle, die wie vor nunmehr fast 80 Jahren wieder den gleichen Verführern in die Hände spielt. So viele vertrauen darauf, dass die Leute mit entsprechenden Titeln ja studierte Leute sind, die es einfach besser wissen und besser können als der normale Bürger. Aber ob es jemals in der Geschichte so viel Intellektuelle gegeben, die sich an den Meistbietenden verkaufen, wie das heute der Fall ist, ist sehr zweifelhaft. Und haben sie sich verkauft, lügen sie, dass sich selbst Stahlträger biegen müssten.

Das diese Demokratie immer mehr zur Diktatur wurde, ist vor allem dem Umstand zuzuschreiben, dass ein jeder glaubt, für einen meist nur kurzfristigen persönlichen Nutzen Dinge akzeptierten zu müssen, die er im Grunde seines Herzens ablehnt. Würde sich jeder bemühen, jegliche Information erst einmal selbst gründlich zu durchdenken und auch den persönlichen Nutzen nicht auf Basis eines kurzfristigen Vorteils, sondern auf Basis einer langzeitlichen Betrachtung überdenken, dann hätten Think Tanks keine Chance, Wenn aber Denken auch zum fabrizierten Produkt verkommt, dann geht die Gesellschaft unter. Der Mensch wird mehr als ein Sklave, er wird zum Zombie.