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Erstelldatum: 03.07.2009

Von Einsicht geplagt

Es muss am Wetter liegen, das mich veranlasst hat, in mich zu gehen (nehmen Sie das bitte symbolisch, nicht wörtlich). Bisher hegte ich die sozialromantische Vorstellung, wie ein Gewitter an einem heißen und schwülen Tag Abkühlung und reinigende Frische in so manche verstaubte Hirnwindung zu bringen.

Doch nun habe ich erkannt, es ist zu mühsam, ständig gegen den Strom zu schwimmen und bei zunehmender Strömung auch völlig zwecklos. Warum also soll ich mich nicht dem allgemeinen Trend anschließen, wie die meisten anderen jammern: "Es ist eine verkommene Welt. Jeder denkt nur an sich und nur ich denke an mich." Es war wohl die französische Revolution, die einigen wenigen die Flausen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in den Kopf gesetzt hat. Freiheit, welch theatralischer Gedanke! Wer will schon Freiheit? Das käme doch der Verpflichtung gleich, für jede seiner Handlungen auch die Verantwortung zu übernehmen. Haben nicht die glücklichen Sklaven als erste erkannt, dass der Gedanke an Freiheit bekämpft werden muss? Gleichheit! Zeigt uns die Jugend nicht, dass Gleichheit ungewollt ist, indem sie sich mit Metall und Steinchen piercen und die Haut mit Tattoos verschandeln lässt? Sie will nicht gleich, sondern anders sein. Und stellen Sie sich vor, Politiker und Geldadel müssten ihr Geld mit wirklicher Arbeit verdienen. Würde dann nicht die Zahl der Unqualifizierten rapide steigen? Brüderlichkeit? Das ist doch auch nur so ein patriarchalischer Egoismus, der völlig im Gegensatz zu Gender und Feminismus steht. Dazu sollte man erst mal Claudia Roth befragen. Und möchten Sie der Bruder von dem Habenichts dort hinten sein?

Natürlich gibt es noch vereinzelt Leute, die noch nicht, wie ich, von der Einsicht geplagt wurden, dass man zur allgemeinen Glückseligkeit eben nur das Leben eines Zombies führen muss, um alle Zweifel an den Handlungen "derer da oben" zu verlieren und glücklich im allgemeinen Stumpfsinn zu versinken. Lassen Sie sich nicht täuschen. Zombies sind nicht so, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Sie sehen aus wie du und ich. Du kannst sie allenfalls an ihrem Verhalten vor dem Fernseher erkennen. Nicht etwa an der Chipmarke oder dem Sechserpack Bier, sondern am eingeschalteten Programm. Schauen sie sich DSDS, Deutschlands nächstes Topmodell, die 10 größten Blitzkarrieren oder ähnliche "Bildungsprogramme" an und haben dabei einen Gesichtsausdruck absoluter Faszination, dann siehst Du einen Zombie. Aber manche Leute sind davon noch meilenweit entfernt (zum Glück nur eine Minderheit).

Da schreibt z. B. doch das Bündnis für Zukunft tatsächlich einen offenen Brief an die Abgeordneten mit der Forderung, statt einen Blankoschecks über 500 Milliarden an die Banken auszustellen und damit den Straftatbestand der Insolvenzverschleppung zu begehen, sollten sie lieber dem Betrugssystem ein Ende bereiten. Was denken sich diese Leute? Wie anders sollen die Risiko-Anleger denn sonst zumindest ihren Einsatz zurück bekommen? Welchen Sinn soll Volk ansonsten haben, wenn man es nicht einmal für die Fehler "der dort oben" zumindest haftbar machen kann. Auch die kritisierten Bad Banks müssen schnell eingerichtet werden, damit der Geldfluss von unten nach oben nicht zulange unterbrochen wird. Nun ja, die vom Bündnis für Zukunft sind offenbar noch nicht so weit wie ich und noch nicht bereit, die Metamorphose zum glücklichen und hirnlosen Zombie zu vollziehen.

Aber ich habe es eingesehen, ich muss mein Verhalten ändern, wie alle vernünftigen Menschen mein Bestreben darauf ausrichten, auch ein glücklicher Zombie zu werden. Bei den Wahlen in diesem Jahr könnte ich damit beginnen. Aber damit kommt natürlich auch wieder der Zwang, eine eigene Entscheidung zu treffen. Moment mal, ich kann diesem Zwang doch entgehen, wenn ich einfach nicht wählen gehe, dann muss ich mich auch nicht entscheiden. Ich überlasse damit die Entscheidung anderen. Aber so ganz habe ich mich von meiner bisherigen Vorstellung wohl doch noch nicht gelöst, denn schon kommen mir wieder Zweifel. Was, wenn die anderen meinen schnellen Weg zum glücklichen Zombie verbauen und die Linke wählen? Nein, besser, ich verschwende meine Stimme nicht und gehe doch zur Wahl. Aber wen wähle ich? Die CDU? Sie betont derzeit so stark, dass sie die Mehrwertsteuer nicht erhöht, dass man vermuten darf, dass die Erhöhung dann wirklich erst frühestens im Juli 2010 kommt, denn 9 Monate Vorlauf wird man schon benötigen, den Menschen klar zu machen, dass sich niemand davor drücken darf, die Banken zu retten, mitzuhelfen, dass sie wieder ins alte Fahrwasser geschleppt werden können, sozusagen als indirekte Antwort auf das Schreiben des Bündnis Zukunft.

Wie ein richtiger CDU-Mann handelt, hat ja der Finanzminister von NRW mit der LEG (Landesentwicklungsgesellschaft) bereits gezeigt. Er hat die hoch verschuldeten 93.000 Wohnungen der LEG (Taxwert 3,4 Milliarden) an die Goldman-Sachs-Tochter "Whitehall" für 787,1 Millionen verkauft. Jetzt wirft ihm die Opposition vor, er habe die LEG an Heuschrecken verkauft, was natürlich Unsinn ist und er als gestandener CDU-Minister auch gut zu begründen weiß. Er habe die LEG an die "Whitehall Real Estate Funds" verkauft und so viel englisch müssten seine Oppositionskollegen ja auch haben, um zu wissen, dass sich dahinter eine Mehrzahl von Fonds verberge. Zwar legt das englische Wörterbuch das ein wenig anders aus, aber mit solchen Kleinigkeiten muss man sich ja nicht aufhalten. Statt glücklich zu sein, dass der umsichtige Finanzminister wieder ein Stück Land ans Ausland verkaufen konnte, regt sich nun die Opposition darüber auf, er habe Land und Wohnungen an "Heuschrecken" verkauft. Aber sind die Heuschrecken nicht eine Plage Gottes und als solche eigentlich anbetungswürdig? Sind die modernen Heuschrecken, wie in diesem Fall die eigentlichen Käufer, die vier Erwerbergesellschaften: die Frankfurter Lancaster GmbH & Co. KG, die in Düsseldorf eingetragene "Kronen tausend230 GmbH & Co. Vorrats KG", die in Amsterdam residierende Restio B.V und die in Luxemburg ansässige Peery LuxCo S.a.r nicht auch nur die uns gesandte Plage der modernen Götter (Dollar, Euro, Yen)? Außerdem sind es reine Zweckgesellschaften der "Whitehall", die mit solchen Zweckgesellschaften, die kaum Eigenkapital haben, bei solchen Deals Steuern sparen helfen. Ist es nicht nachgerade die Pflicht eines Finanzministers in einer Finanzkrise, zu verhindern, dass "Investoren" in solch profane Forderungen wie das Zahlen von Steuern zu verwickeln? Und ist nicht ein Erlös von 8.433 für eine Wohnung geradezu fürstlich zu nennen? Wenn er geschickt war, dann hat er nur die Wohnungen, nicht aber die darauf lastenden Schulden verkauft. Ein wenig muss ja auch für die Steuerzahler übrig bleiben und sei es auch nur auf der Sollseite. Und was ein aufrechter Politiker ist, der aus einer der Parteien mit dem "c" kommt, der fühlt sich wie immer zuerst den Göttern verpflichtet, wer immer auch dort momentan das Sagen hat.

Der Name "LEG", also Landesentwicklungsgesellschaft hat mich dann aber wieder ein wenig ins alte Fahrwasser zurück gebracht. Ein schöner Name und so symptomatisch. Wie mag der Ablauf sein? Zuerst baut man mit Steuermitteln eine Siedlung. Mit den Mieteinnahmen finanziert man dann möglichst prestigeträchtige, aber sinnlose Projekte und lässt dabei die den Wohnungsbestand verludern. Sind Reparaturen aber unabwendbar, finanziert man sie nicht aus den Einnahmen, sondern über Kredite. Sind die Wohnungen vergammelt genug und die Schulden genügend angewachsen, verkauft man die Siedlungen an Heuschrecken und hilft dabei, dass diese Transaktion möglichst ohne Steuern für die Käufer vonstatten geht. Die extra zu diesem Zweck eingerichteten Zweckgesellschaften können mangels Eigenkapital die erforderlichen Zahlungen nicht mehr leisten und melden Insolvenz an. Neu gegründete Zweckgesellschaften übernehmen dann die Konkursmasse (nochmals billiger) und sind von den eingegangenen Verpflichtungen der vorherigen Eigentümer befreit. Dann kann man richtig zur Tat schreiten, die alten Mieter rausschmeißen, die Objekte sanieren und für teures Geld wieder vermieten oder verkaufen. Ich glaube, jetzt habe ich begriffen, wie man "ein Land entwickelt".

Sehe ich mir das an, dann muss ich die Wirtschaftskompetenz der CDU anerkennen und sollte meine Kreuze vielleicht bei der CDU machen. Aber da haben wir ja auch noch die FDP. Da ist ja gerade rechtzeitig zur Wahl ein Geist wieder fast lebendig geworden. Möllemann hat, bevor er vom Himmel gefallen ist, Noch für gefüllte Parteikassen gesorgt, natürlich ein wenig anders, als das üblich ist. Zu dumm, aufgeflogen ist das, eben weil er vom Himmel gefallen ist und damit die Polizei ihre Nase in Angelegenheit gesteckt hat, die sie eigentlich nichts angehen. Sollte wirklich, wie so manche Verschwörungstheorie behauptet, jemand ein wenig nachgeholfen haben, war das wohl ein taktischer Fehler. Doch wenn ich mir den Guido so ansehe, macht der doch einen recht zuversichtlichen Eindruck, zumindest die Wahl betreffend. Das kann er auch, denn weil seine Partei absolut keine neuen Ideen in den Wahlkampf eingebracht hat, lieben ihn die Wähler, werten sie das doch als Beständigkeit und nicht als bloßen Mangel an Phantasie. Oder muss man die Ideen der Berliner FDP-Mitglieder, Arbeitslose Ratten jagen zu lassen (für ein Euro das Stück) oder wie jetzt die Äußerungen des Berliner FDP-Bundestagsabgeordneten Martin Linder, man solle Arbeitslosen die Regelsätze grundsätzlich um 30% kürzen, als neue Ideen der FDP werten? Nein, ich glaube nicht. Allerdings stimmt mich skeptisch, wenn ich darüber nachdenke, Arbeitslose könnten wirklich beginnen, Ratten zu jagen, wo sie doch sicherlich ein völlig anderes Verständnis in der Frage haben, was Ratten sind und wo man sie finden kann.
Meine Überlegungen, dass ich schnell ein glücklicher Zombie werden will, der sich bald mit leerem Blick in die Schlange der Wartenden vor der Tafel einreihen will, bereit, statt normalem Essen auf Analog-Food umzusteigen, lässt die FDP zur Verwirklichung als gute Alternative erscheinen.

Oder soll ich doch besser die Grünen wählen? Schließlich war es der gute Joschka, der die Idee von einer EU-Verfassung wiederbelebt hat und damit auch die indirekte Ursache des Vertrages von Lissabon ist. Und die Grünen sind ja auch mit die eifrigsten Verfechter des Gender Mainstreaming, eine der Grundbedingungen für die Entwicklung zum geschlechtslosen Neutrum, eine wichtige Entwicklungsstufe hin zum vollkommenen Zombie. Andererseits haben sie eine Eigenschaft, die auch die SPD hat. Sie verhalten sich wie der Wetterhahn auf der Kirchspitze, drehen sich, woher der Wind auch immer bläst. Was passiert also, wenn ich sie wähle und der Wind plötzlich dreht?

Auch bei der SPD bin ich unsicher. Gewiss, sie hat den Weg zum perfekten Zombie vorbereitet. Aber so ein wenig kommen mir die SPD-Politiker wie die Verteidiger eines Vereins auf einem Fußballplatz vor, die am laufenden Band Eigentore schießen und hinterher behaupten, es sei ein gutes Spiel gewesen, schließlich hätten sie die meisten Tore geschossen. Nein, für einen schnellen Weg zum glücklichen Zombie scheint mir die SPD zwar durchaus geeignet, ist mir aber zu umständlich. Da ist mir der direkte Weg mit FDP und/oder CDU doch lieber.

Der Weg zum Lissabonvertrag wurde ja nun freigemacht, doch das ist ein anderes eigenständiges Thema. Aber er ebnet den Weg zum europäischen Einheitsmenschen, einem standardisierten Zombie, Marke EU-Standard, der nur noch mit dem US-Standard verschmolzen werden muss. Doch da können wir uns voll auf die Amerikaner verlassen, weil diese ja die erforderliche Erfahrung haben. Aber ich suche den schnelleren und problemloseren Weg, schon frühzeitig den Status des Zombies zu erreichen. Ich glaube, das ist nur mit der CDU machbar. Überwachen sie nicht unsere Handlungen und sind ernsthaft bemüht, nicht nur bei der reinen Überwachung zu bleiben sondern auch Stoppschilder aufzuzeigen, wenn wir vom rechten Weg abweichen (wie sie "Rechter Weg" interpretieren, überlasse ich ihrer Phantasie, es sei denn, sie haben keine mehr und schon erreicht, was ich noch anstrebe). Macht uns nicht Jung immer wieder klar, dass dort am Hindukusch kein Krieg stattfindet, sondern die Freiheit und Sicherheit verteidigt wird und man es den gefallenen Soldaten schuldig ist, weiter zu machen wie bisher (ob ihm die Leichenfeiern so gefallen?). Schließlich ist die Freiheit und Sicherheit, wie sie im Irak erreicht wurde, in Afghanistan noch nicht erreicht. Und hat nicht Schäuble mit dem ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning einen Spitzenmann, wenn es um die totale Überwachung von Terrorismusverdächtigen geht (und sind wir nicht alle verdächtig??), der sich nun allerdings sorgt, dass Jungs Mission für "Frieden und Freiheit" am Hindukusch leicht zu Terroranschlägen noch vor den Wahlen in Deutschland führen könnten. Wie war das noch bei Bush? Kam Osama nicht genau zum richtigen Zeitpunkt, als er ihn zur Verwirklichung seiner Ziele brauchte. Was, wenn Osama auch bei uns ein kleines Feuerwerk veranstalten würde, damit die Zombies im Lande sich nach Überwachung a la Schäuble geradezu sehnen? Und Geister wie Osama scheinen ja sehr mächtig zu sein.

Ja, ich werde von der Erkenntnis geplagt, wie zwecklos es ist, gegen den Strom schwimmen zu wollen. Aber vielleicht warte ich ja mit meinem Entschluss, mich bei den glücklichen Zombies einzureihen, noch bis nach der Wahl. Ist auch besser so, denn sonst müsste ich mir sofort wieder einen Fernseher zulegen, denn das tägliche Programm der Privaten ist schließlich Pflichtprogramm für alle schon existenten und alle zukünftigen Zombies. Noch ist die Gentechnik und auch die modulare Neurologie nicht so weit, mit absoluter Sicherheit Gehirnerweichung bei jedermann erzeugen zu können und so lange muss die tägliche Gehirnwäsche eben noch übers Fernsehen erfolgen. Also lasse ich seufzend den Felsen der Erkenntnis los und schwimme weiter, stromaufwärtz natürlich. Ich habe in meinem Leben bereits so viele sinnlose Handlungen begangen, da kommt es auf diese eine auch nicht mehr an. Also werden CDU, FDP, SPD und Grüne auch dieses Mal noch auf meine Stimme verzichten müssen, aber das werden sie verkraften, steigt doch die Zahl der Zombies offenbar weiter an.