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Erstelldatum: 25.10.2008

Dissonanzen

Presse, Politik und bestimmte Interessegruppen versuchen immer wieder, einen Keil zwischen die Generationen zu treiben. Speziell junge Menschen sollten dabei weniger die Aussagen betrachten, sondern nach dem "Warum" fragen.

Alter ist ein unvermeidbarer Zustand, solange man nicht durch Leichtsinn oder unvorhersehbare Umstände davon abgehalten wird, diesen Zustand zu erreichen. Als Kind sind Opa und Oma in der Regel gern gesehene Gäste, haben sie doch immer etwas für mich, besonders eine oft größere Toleranz für meine kleinen Frechheiten. Nicht selten übernehmen sie teilweise die Betreuungspflichten, wenn die Eltern aus unterschiedlichen Gründen dazu nicht in der Lage sind.

Als Jugendlicher entwickle ich eine oppositionelle Haltung, stelle die gerne und stets geäußerten "Erfahrungswerte" der Alten in Frage (auch die der Eltern) und verweise gerne darauf, dass sich die Zeiten geändert haben. In den meisten Fällen ändert das nichts an der bestehenden emotionalen Bindung.

Erst einmal voll in das Berufsleben integriert betrachte ich kritisch meine Gehaltsabrechnung, sehe die hohen Aufwendungen für die Sozialabgaben und lese dann, dass die Alten mich in jeder Beziehung abzocken, dass sie zu hohe Renten haben, zu häufig beim Arzt rumsitzen und dass ich das alles bezahlen muss. Nur selten frage ich mich, stimmt das denn alles so und noch seltener informiere ich mich intensiv über das ganze damit verbundene Spektrum.

Hier möchte ich ansetzen und Sie, meine jungen Damen und Herren fragen, was wissen Sie denn eigentlich über dieses ganze Thema wirklich? Sie kennen den Begriff Generationenvertrag. Sie wissen, dass die Menschen immer älter werden. Sie lesen, dass immer weniger Kinder geboren werden und damit die auf sie zu kommenden Belastungen in der Sozialversicherung steigen werden, während Sie später nur eine schmale Rente beziehen werden. Sie fordern zu Recht mehr Gerechtigkeit in der Generationenfrage. Die Sache hat nur einen Haken. Sie fordern etwas, das Sie nicht wirklich verstehen, weil die Materie einfach zu kompliziert erscheint. Deshalb verlassen Sie sich auf die Aussagen von Experten, die das Ganze schließlich studiert haben.

Einige Frage stellen Sie allerdings nicht. Was treibt die Experten an? Warum propagieren die Experten einen Weg hin zur Privatversicherung? Was unterscheidet die Privatversicherung von der gesetzlichen Rentenversicherung? Was passiert, wenn die Alten jetzt eine Nullrunde nach der anderen oder ganz minimale Steigerungen hinnehmen müssen?

Warum sollten Sie sich das alles auch fragen, wenn ein renommierter Mann wie Roman Herzog, der mal Verfassungsrichter und Bundespräsident war, sagt, dass die Alten die Kassen der Rentenversicherung und damit die Jungen ausplündern?

Ich möchte Ihnen nun helfen, einige dieser Fragen zu beantworten. Beginnen wir mit den Experten. Das sind Dozenten an Universitäten wie z. B. Raffelhüschen und Straubhaar, oder gar Wirtschaftsweise wie Rürup oder ein ehemaliger Verfassungsrichter und Bundespräsident wie Herzog, weiterhin ein Mann wie Walter Riester, seit Jahren Gewerkschaftsmitglied und Bundestagsabgeordneter und im Kabinett Schröder auch Arbeitsminister (1998 bis 2002).
Der Einzige der Vorgenannten, der selbst in die Arbeitswelt hineingerochen hat, ist Walter Riester. Er war Fliesenleger und hat dort sogar seinen Meister gemacht. Ob er nun als Arbeiter angestellt oder Teil eines Familienbetriebes war, kann ich nicht sagen. Vermutlich hat er aber auch für einen gewissen Zeitraum in die GRV (gesetzliche Rentenversicherung) eingezahlt Aber schon 1969 hat er sich gewerkschaftlich orientiert und dort Karriere gemacht. Parallel dazu wurde er Parteimitglied der SPD.

Was eint diese Leute? Das Geschäft! Rürup und Raffelhüschen arbeiten für die private Versicherungswirtschaft und sie verdienen ein Schweinegeld damit. Außerdem werden sie wie Riester für Vorträge von Arbeitgeberverbänden, den Banken und den Versicherungen engagiert und jeder Vortrag bringt eine Menge Bares. Dazu lohnt sich ein Blick auf die Biographie von Walter Riester beim Bundestag auf die veröffentlichungspflichtigen Angaben:

2. Entgeltliche Tätigkeiten neben dem Mandat

  • A.S.I. Wirtschaftsberatung AG, Münster,
  • Vortrag, Februar 2008, Stufe 3
  • Agentur referenten & themen, Hohenstein-Ernstthal,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • Allianz Pension Partners GmbH, München,
  • Vortrag, Juni 2006, Stufe 1
  • AWD Holding AG, Hannover,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • Badischer Genossenschaftsverband e.V., Karlsruhe,
  • Vortrag, Februar 2007, Stufe 3
  • BBBank Anlagenberatungs- und Versicherungsbereich, Karlsruhe,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • bbg Betriebsberatungs GmbH, Bayreuth,
  • Vortrag, September 2006, Stufe 3
  • Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft
  • Mecklenburg-Vorpommern e.V., Rostock,
  • Vortrag, Oktober 2006, Stufe 2
  • Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft
  • Nordbayern-Thüringen, Nürnberg,
  • Vortrag, Dezember 2007, Stufe 2
  • Bundesverband Deutscher Vermögensberater, Frankfurt/Main,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • Vortrag, Februar 2008, Stufe 3
  • BVF GmbH, Rochlitz,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • Delta Lloyd Deutschland AG, Wiesbaden,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • DEVK Versicherungen, Köln, Schwerin,
  • Vortrag, Dezember 2006, Stufe 2
  • Vortrag, Februar 2007, Stufe 2
  • Econ Referenten-Agentur, Starnberg,
  • Vortrag, März 2007, Stufe 3
  • Erhard Redner- und Persönlichkeitsmanagement, München,
  • Vortrag, November 2005, Stufe 1
  • EUTOP SpeakersAgency, München,
  • Vortrag, Mai 2006, Stufe 2
  • Feuersozietät Berlin Brandenburg Versicherungen AG, Berlin,
  • Vorträge, 2006, Stufe 3
  • FG Finanz-Service AG, Heilbronn,
  • Vortrag, Januar 2008, Stufe 3
  • Focus Magazin Verlag GmbH, Focus-Money, München,
  • Vorträge, 2005, Stufe 3
  • geno kom Werbeagentur GmbH, Köln,
  • Vortrag, September 2006, Stufe 3
  • Vortrag, November 2007, Stufe 3
  • Georg Seil Consulting GSC GmbH, Wiesbaden,
  • Vortrag, September 2006, Stufe 3
  • Heimrich & Hannot GmbH, Leipzig,
  • Vortrag, Mai 2006, Stufe 3
  • Kommunale Versorgungskassen für Westfalen-Lippe, Münster,
  • Vortrag, Oktober 2007, Stufe 3
  • Nürnberger Versicherungsgruppe, Nürnberg,
  • Vortrag, Juli 2006, Stufe 3
  • Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt, Magdeburg,
  • Vortrag, Mai 2006, Stufe 2
  • PASS IT-Consulting, Aschaffenburg,
  • Vortrag, September 2007, Stufe 2
  • PremiumCircle Deutschland GmbH, Frankfurt/Main,
  • Vortrag, November 2007, Stufe 2
  • Raiffeisenbank Erding, Altenerding,
  • Vortrag, April 2007, Stufe 2
  • Raiffeisen-Volksbank Isen-Sempt eG, Isen,
  • Vortrag, April 2007, Stufe 2
  • Saarland Versicherungen, Saarbrücken,
  • Vortrag, September 2006, Stufe 3
  • Signal Krankenversicherung a.G., Augsburg,
  • Vortrag, Januar 2008, Stufe 2
  • Sparda-Bank Baden-Württemberg eG, Stuttgart,
  • Vortrag, Oktober 2006, Stufe 1
  • Vortrag, Januar 2007, Stufe 3
  • Sparkasse am Niederrhein, Moers,
  • Vortrag, September 2007, Stufe 3
  • Sparkasse Einbeck, Einbeck,
  • Vortrag, November 2006, Stufe 3
  • SpeakerAgency GmbH, München,
  • Vortrag, August 2007, Stufe 3
  • The London Speaker Bureau, Karlsruhe,
  • Vortrag, März 2007, Stufe 3
  • Union Investment Privatfonds GmbH, Frankfurt/Main,
  • Vorträge, 2006, Stufe 3
  • Vortrag März 2007, Stufe 3
  • Vortrag, Januar 2008, Stufe 3
  • universa Lebensversicherungen a.G., Köln,
  • Vorträge, 2007, Stufe 3
  • Volksbank Hochrhein eG. Waldshut-Tiengen,
  • Vortrag, November 2007, Stufe 3
  • Volksbank Lahr, Lahr,
  • Vortrag, April 2007, Stufe 3
  • Volksbank Süd Emsland eG, Emsbüren,
  • Vortrag, Oktober 2007, Stufe 3
  • VR-Bank Aalen eG, Aalen,
  • Vortrag, Oktober 2007, Stufe 3
  • Walter Kufner, Deggendorf,
  • Vortrag, Dezember 2007, Stufe 1
  • Westfälische Provinzial Versicherungen AG, Münster,
  • Vortrag, Januar 2006, Stufe 2
  • ZEUS Vermittlungsgesellschaft mbH, Hamburg,
  • Vortrag, Dezember 2007, Stufe 3

3. Funktionen in Unternehmen

  • Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg,
  • Mitglied des Treuhandaufsichtsrates der SPD (bis 2.7.2007)
  • Stahlwerke Bremen GmbH
  • (Arcelor Gruppe, Luxemburg), Bremen,
  • Mitglied des Aufsichtsrates

Stufe 1 (Einkünfte einer Größenordnung von 1.000 bis 3.500 Euro),
Stufe 2 (Einkünfte bis 7.000 Euro) und
Stufe 3 (Einkünfte über 7.000 Euro)

Bei ihm ist es teilweise und grob nachweisbar, was er mit seinen Vorträgen für Einnahmen hat und man kann davon ausgehen, dass Hotel und Verpflegung nicht von ihm bezahlt werden müssen. Bei Raffelhüschen und Rürup gibt es einen solchen Nachweis nicht. Aber sie halten nicht nur Vorträge, sondern auch Schulungen für Versicherungsmitarbeiter ab. Wie ich mal vermute, mit Tagesätzen, die ein Mehrfaches einer Monatsrente eines Durchschnittsrentners ausmachen.

Anders bei Herzog. Wirklich? Herzog bekommt Pensionen aus allen Bereichen der Öffentlichkeit, in denen er tätig war. Zwar findet da eine teilweise Aufrechnung statt, aber unter dem Strich kommt dabei ein fünfstelliger Betrag (pro Monat) heraus.
Aus seiner Tätigkeit als Bundespräsident erhält er einen so genannten Ehrensold. Dieser umfasst seine Bezüge, die er als Bundespräsident erhalten hat, dazu ein Auto mit Chauffeur und ein "kleines" Sekretariat mit Sekretärin. Diese Einnahme darf nicht versteuert oder mit Pensionszahlungen anderer Alimentierungen aus Tätigkeiten als Beamter oder aktiver Politiker verrechnet werden.
Zusätzlich seine Einnahmen aus dem Roman Herzog Institut, das von den Arbeitgeberverbänden Bayerns finanziert wird und von denen er Aufträge erhält. Für seine Pensionen hat er nie einen Pfennig und nie einen Cent in eine Rentenversicherung einbezahlt. Trotzdem zahlen jetzt alle, ob jung oder alt, mit ihren Steuern seine Pension. Wer also plündert wirklich die Kassen?

Was Euch, die Ihr noch jung seid, klar werden muss, ist die Tatsache, dass jede jetzt beschlossene Rentenkürzung, jede Nullrunde und jede minimale Rentenerhöhung wie im letzten Jahr und für dieses Jahr geplant, Auswirkungen auf Eure spätere Rente hat. Nicht in der Art, wie man versucht, Euch weiszumachen. Es gibt keine Rentenkasse, die geplündert werden könnte.
Standardrente und Rentenniveau der allgemeinen Rentenversicherung 2007

Tabelle: Standardrente und Rentenniveau1)
Standardrente mit 45 Versicherungsjahren
(Jahresdurchschnitt, monatlicher Betrag)
BruttoNetto vor Steuern
Alte Bundesländer1.179 Euro1.066 Euro
Standardrentenniveau (Alte Bundesländer)47,1%51,0%

1) Schätzung Oktober 2007

Das sind keine von mir ermittelten Zahlen, sondern die momentan gültigen Aussagen der Rentenversicherung Bund. Bei Schätzung anklicken und Ihr seht das Original. Jede zu geringe Erhöhung oder Nullrunde senkt das Niveau weiter ab und diese Niveausenkung wird weitergehen, bis Ihr mal Rente bekommt. Dann bekommt ihn nicht so wenig Rente, weil die heutigen Rentner die Kassen plündern oder weil sie zu hohe Renten bekommen, sondern weil jetzt und in Zukunft das Rentenniveau immer weiter abgesenkt wird. Zahlen lässt man Euch trotzdem.

Kommen wir zur Rentenkasse selbst.

Ausgewählte Einnahmen- und Ausgabenpositionen der allgemeinen Rentenversicherung für 2006 und 2007 in Milliarden Euro

Tabelle: Ausgewählte Einnahmen- und Ausgabenpositionen
200620071)
Einnahmen insgesamt235,9231,5
Beiträge179,5173,9
Bundeszuschüsse zur allgemeinen Rentenversicherung37,438,1
Zusätzliche Bundeszuschüsse zur allgemeinen Rentenversicherung17,517,9
Ausgaben insgesamt228,3230,3
Renten199,4200,7
KVdR13,013,6
Leistungen zur Teilhabe4,54,6
Verwaltungs- und Verfahrenskosten3,53,5


1) Schätzung Oktober 2007

Vergleichen Sie diese Angaben mit denen der BILD, die Zuschüsse von mehr als 100 Milliarden angegeben hat, dann erkennen Sie vielleicht, dass BILD schlicht und einfach Hetze betreibt. Dazu gibt es eine Aussage in einem Papier der Rentenversicherung Bund von 2005. Sie lautet:

Oftmals werden weit höhere Bundesmittel genannt. Dabei werden aber den reinen Bundeszuschüssen zum Beispiel die Beiträge des Bundes für Kindererziehungszeiten und die Deckung des Defizitbetrags bei der Bundesknappschaft hinzugerechnet. Werden diese aus dem Bundeshaushalt stammenden, besondere Zweckeverfolgenden Mittel den Bundeszuschüssen hinzugeschlagen, so errechnet sich ein Betrag von etwa 80 Milliarden Euro.

Die Bundesknappschaft hat ein eigenes Rentensystem und ist bedingt durch die Situation im Kohlebergbau seit Jahrzehnten defizitär. Aber dafür wird schließlich auch der so genannte Kohlepfennig auf die Energiekosten gezahlt. Oder fließt der gar in die Taschen der Aktionäre der Bergbauunternehmen?
Interessant ist ein Blick auf die Tabelle der Bundeszuschüsse. Nach dieser Tabelle wurden die höchsten Zuschüsse 1960 bis 1965 gezahlt. Wer die Geschichte der Rente kennt, weiß, dass die Renten nach der Umstellung 1957 auf die Umlagenfinanzierung noch bis 1960 aus den noch vorhandenen Rücklagen gezahlt wurden, die Beitragseinnahmen aber nicht erneut der Rücklage zugeführt, sondern für andere Zwecke (nur nicht für Rentner) ausgegeben wurden. Derzeit sind die Zuschüsse des Bundes prozentual auf einem Niveau, das annähernd gleichbleibend seit den 60er Jahren gehalten wird.

Die Rentenkasse ist eine Umlagenkasse. Die Einnahmen aus den Beiträgen werden sofort wieder als Renten an die Rentner ausgezahlt. Das gilt seit 1957. Es gibt lediglich eine Schwankungsreserve, die zwischen 0,2% und 0,8% einer Monatsrentenzahlung pendelt. Damit sollen kurzfristige Engpässe abgefangen werden. Es war 2006 (glaube ich), da wurde für Neurentner die Rentenzahlung vom 1. eines Monats auf den Ultimo eines Monats verlegt. Ob das rechtlich haltbar ist, wage ich zu bezweifeln, aber wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter und wer tut es sich schon an, dafür 8 bis 10 Jahre zu klagen, bis die Sache dann vor dem BVerfG verhandelt werden kann?

Zurück zu Umlagenfinanzierung. Gegenüber jeder privaten Rentenversicherung hat sie enorme Vorteile. Die Verwaltungsausgaben der GRV sind erheblich geringer als die privater Versicherungskonzerne. Die GRV muss keine Profite erwirtschaften. Das Umlagenprinzip bringt die Wertschöpfung sofort zurück in den Wirtschaftskreislauf und landet nicht, wie bei den Privaten, auf dem Kapitalmarkt, womit sie dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden. Die relativ geringe Rentenhöhe wird durch die Rentner fast ausschließlich wieder in den Konsum gesteckt und ist unverzichtbar für den ohnehin kränkelnden Binnenmarkt (dank verfehlter Regierungspolitik). Auch bei Turbulenzen auf dem Finanzmarkt hat die Umlagenversicherung Vorteile. Ein Versicherungsunternehmen kann pleite gehen und vergangene Beispiele zeigen, dass das bereits mehrfach der Fall war, zum Schaden der Beitragszahler.

Sie sollten sich auch mit der Mackenroth-These vertraut machen.

Mackenroth-These oder Mackenroth-Theorem von 1952:

Nun gilt der einfache und klare Satz, dass aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muss. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein "Sparen" im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand. Das ist auch nicht eine besondere Tücke oder Ungunst unserer Zeit, die von der Hand in den Mund lebt, sondern das ist immer so gewesen und kann nie anders sein.

Diese Theorie konnte bis heute nicht widerlegt werden. Sie war für Prof. Schreiber auch die Basis, als er die Umlagentheorie entwickelte.

Die gesamte Politik und jeder Versuch, die Generationen gegeneinander auszuspielen, hat nur einen Hintergrund: GATS. Sollten Sie nicht wissen, was GATS ist finden Sie dazu auf meiner Seite eine Menge Informationen. Hier nur ganz kurz. GATS ist der Anforderungskatalog der WTO, alles profitversprechenden Systeme des Staates zu privatisieren. Auch die Keule "Demographie" ist reine Spiegelfechterei, denn
  1. gibt es keine statistischen Angaben, ob die Lebensspanne von Arbeitnehmern den gleichen Durchschnitt aufweist, wie die der gesamten Gesellschaft. Erst recht gibt es keine Aussagen über berufsspezifische Besonderheiten.
  2. haben wir real 10 Millionen (und mehr) Arbeitslose und Geringverdiener, die keine Beiträge in die GRV leisten (die minimalen Beiträge der BA zählen nicht). Solange die Zahl so hoch ist, ist jede Aussage über die Folgen zu weniger Geburten mehr als hohles Geschwätz, es ist purer Schwachsinn. 10 Millionen Beitragszahler mehr und die Rentenkasse käme nicht nur ohne Zuschüsse des Bundes aus, sie könnte die Renten kräftig steigen lassen, auf das Niveau der 60er und 70er Jahre. Das gilt gleichermaßen für die übrigen Sozialkassen.

Um es noch einmal zu betonen: Jede Maßnahme jetzt hat Konsequenzen auf IHRE Rente. Die Aussage der Politik sie zahlten jetzt für die "gierigen Rentner", ist eindeutig eine Lüge. Sie zahlen für IHRE eigene Rente, deren Höhe sich später an den von IHNEN gezahlten Beiträgen bemisst. Das galt für frühere Arbeitnehmer, die jetzt Rente beziehen und das gilt für SIE ebenfalls. SIE leihen dem Staat das Geld lediglich, um es später, angepasst an die Geldentwertung, in Form einer Rente zurück zu bekommen. Rentenanpassungen sind dabei ein notwendiger Inflationsausgleich. Kaum jemand, der so Zwietracht zwischen den Generationen säen will, leistet selbst für seine Alterssicherung Beiträge. Das gilt für die Arbeitgeberverbände, für die Wirtschaftsinstitute, für die Unternehmensberatungen, für die Beamten, die Juristen und die Politiker. Sie alle sind lediglich scharf darauf, ein sicheres Rentensystem in ein unsicheres, dafür aber Profit versprechendes privates System zu verwandeln, ein System, bei welchem diese Kreise den Rahm abschöpfen.

Auch die Aussage, dass die Alten zu viel beim Arzt rumsitzen, sollten sie unter einem anderen Aspekt neu betrachten. Ist man jung bis "mittelalt", ist man selten krank, aber zahlt Beiträge in die KV. Später im Alter kommen dann die Zipperlein und sind somit auch öfter mit Arztbesuchen verbunden. Unter diesen Leuten sind welche, die zuvor nie beim Arzt waren, aber 40 bis 50 Jahre lang Beiträge bezahlt haben. Sollen die jetzt von der medizinischen Behandlung ausgeschlossen werden, obwohl sie immer noch Beiträge zahlen? Wenn Sie in den Ski-Urlaub fahren und sich dabei eine Bein brechen, wollen Sie doch auch die entsprechende medizinische Behandlung, selbst, wenn der Unfall ihre eigene Schuld war, oder? Deshalb sind sie schließlich in der KV. Auch Rentner haben dieses Recht. Eine echte Häufung der Krankheit, das ist erwiesen, betrifft ohnehin nur die Zeit unmittelbar vor dem Tod.

Deshalb, lassen Sie sich nicht gegen die Alten aufhetzen. Bedenken Sie, auch Sie sind mal einer von den "Alten." Informieren Sie sich und Sie werden erkennen, dass man Sie missbraucht, um Sie letztendlich wirklich auszubeuten. Kämpfen Sie lieber an der Seite der Alten gegen dieses korrupte und menschenverachtende System.