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Erstelldatum: 14.05.2008

Eine Frage der Darstellung

Satirisches Schreiben eines Querdenkers aus meiner Leserschft an die Abgeordneten.

Guten Abend, werte Abgeordneten,

nach dem Entwurf von CDU/CSU und SPD zur außerplanmäßigen Rentenerhöhung werden die Bezüge der Rentner in diesem Jahr statt um 0,46 um 1,1 und im kommenden Jahr um voraussichtlich zwei Prozent steigen. So die lapidare Feststellung auf der Bundestags-Homepage. Farblos. Leblos. Abgehakt - nach wievielen Monaten Debatte?

Seien Sie mir bitte nicht gram. Aber an dieser Stelle muß ich Sie, mitsamt Ihrer Public-Relation-Division (PRD) vehement rügen. Wo bleibt denn das Gespür für wählerorientierte Kommunikation? Hier haben Ihnen Ihre PRDs die einmalige Chance versaut, im Blick auf 2009 ein riesiges Wählerpotential definitiv zu gewinnen. Wie ignorant sind diese PRDs, wenn die einen Bericht auf der Homepage des Bundestages zulassen: "... Bezüge der Rentner in diesem Jahr statt um 0,46 um 1,1 steigen ..."

Leute, also erstlich an die PRDs gerichtet und selbstverständlich an Sie, werte Abgeordneten, wie können Sie sich diese einmalige Chance entgehen lassen? Es lag doch auf der Hand, daß Sie die Rentner mit um sage und schreibe

239,13 Prozent
gegenüber der ursprünglichen Planung höheren Bezügen überraschen würden. Mit einer derart gigantischen Bezugssteigerung hat doch keiner der 20 Millionen Rentner je gerechnet. Ich kann Ihnen das kaum verzeihen, denn fürs erste sind diese 20 Millionen 2009er Wählerstimmen futsch.

Es sei denn, Sie entscheiden schnellstmöglich in einem Akt allumfassender Abgeordneten-Einigkeit, aus der sträflichen Gedankenlosigkeit - das kann ja mal passieren - doch noch eine triumphale Botschaft zu machen. Wozu sonst stehen denn Ihre teuren, also werthaltigen Wirtschafts- und Medienberater in Bundestags Lohn und Brot? DIE werden's richten!

  • Ob Sie nun Pischets von Rider holen, oder in den Winkel zoomen (Oh nein, mir fällt da gerade ein, daß für ihn die Unschuldsvermutung mit einem Federstrich ausgemerkelt wurde. Also, den nehmen Sie lieber nicht.);
  • ob Sie's BILDungsgemäß mögen (die sind ja für jeden Tagesschabernack in protzigen Lettern zu haben!!!);
  • FAZig oder TAZig
  • oder Ihren FOCUS auf das SPIEGELnde bzw. handelnde Blatt im Norden legen, WAZolls.

Egal, wie bunt die hiesige Gleichheits*medienlandschaft (zumindest nahezu*) auch aussieht. Nur tun Sie was und tun Sie's schnell.

Wenn ich eine Empfehlung dazu aussprechen darf, bewußt keinen Ratschlag, damit ich mich da nicht irisch vermerkle: Ziehen Sie diese überfällige Aktion maximal in der Zeitspanne durch, die Sie brauchten, um Ihre Diätenerhöhung von gerade mal 16,4 Prozent (innerhalb von zwei Jahren) durchzuwinken. Es kann ja nicht angehen, daß Sie dafür mehr als eine Woche benötigen! Immer im Blick behalten: Wahlen 2009 ante portas!

Übrigens, es merkt kein Rentner, wenn Sie ihm BILDungsfreundlich "239,13 Prozent Rentenerhöhung" vermitteln, er sich dafür aber im Monat nur 2 Tassen Kaffee plus ein Stückchen Kuchen zusätzlich leisten kann. Und übergehen Sie bitte geflissentlich, daß ein ALG II-Bezieher mit dem Volumen Ihrer aktuellen ersten Diätenerhöhung einen Monat lang auskommen muß. (Ist ja selbst schuld, wenn er nicht bereit ist, für opulente dreiteurofuffzich die Stunde zu malochen!) Wäre marketingstrategisch unklug! Einfach ignorieren; hat sich polit-praktisch meist bestens bewährt.

Ich bin Ihnen sehr dankbar für eine kurze Rückmeldung, sobald Sie die Aktion starten, damit ich mich FAZig oder TAZig kundig mache.

Auch wenn ich Ihnen damit den Erfolg für die 2009er Wahlen garantiere, verlange ich nicht einen Pfennig Honorar. Ich bin nicht käuflich. Ach ja, wer sagte das noch? Richtig, Rentenberater der Bundesregierung, Prof. Rürupp, Interessenvertreter der deutschen Versicherungswirtschaft - oder war's doch Herr Raffelhüschen vom selben Stammbaum? Egal. Sind immer lieb und freundlich, diese Berater aus den Reformhäusern dieses Landes, wenn sie dem Präkariat - also besondern dem alten, die dem jungen inzwischen den Reis vom Teller holen - immerzu Lochzangen empfehlen, um die Gürtel mit einem zusätzlich gestanzten Loch noch enger zu schnallen.