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Erstelldatum: 11.03.2008

Kann China die Farbe Orange verbieten?

Eine Mail hat mich heute erreicht. Ich veröffentliche sie hie hier, weil ich mir denken kann, dass viele Menschen die Idee gut finden und auch unterstützen möchten. Aber ich veröffentliche auch meine Antwort, in welcher ich meine Bedenken gegen die Aktion zum Ausdruck bringe. Gerne wird ja die Bibel zitiert. Ich mache das auch: Wer frei ist von Schuld, der werfe den ersten Stein.

Hier nun die Mail:

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****     Kann China die Farbe Orange verbieten?     ****

  • Hilf mit, das chinesische Regime matt zu setzen -
    durch eine globale Manifestation für die Menschenrechte

  • Wir fordern dich hiermit auf, beim Projekt TheColorOrange.net mitzumachen, um China während der Olympischen Spiele 2008 zu zeigen, dass vielen die Menschenrechtsverletzungen des Regimes nicht verborgen geblieben sind.

  • Die Idee ist raffiniert und einfach zugleich. Während der Olympischen Spiele trägt man in und außerhalb Chinas irgendetwas in der Farbe Orange mit sich und signalisiert dadurch, dass in China etwas faul ist. Dabei kann es sich um Hut, Fototasche, Schlips, Kugelschreiber, Papier, Kleid, Anzug, Tasche oder was immer handeln - wenn es nur orange ist. Sogar das Schälen einer Apfelsine kann unter Umständen ein markanter Ausdruck sein.

  • Keine politische oder religiöse Organisation kann das Projekt für sich allein in Anspruch nehmen. Durch die Teilnahme am Projekt zeigt man nur, dass man den Kampf für die Menschenrechte in China unterstützt.

  • Die Regierung will perfekte Hochglanz-Spiele durchführen, die China gegenüber Milliarden von Fernsehzuschauern als moderne, reibungslos funktionierende Gesellschaft präsentieren sollen. Man wird alles tun, um Kritik vor laufender Kamera zu vermeiden. Die Benutzung der Farbe Orange jedoch kann die strenge Zensur unterlaufen und etwas Wermut in den Propaganda-Becher des Regimes träufeln. Gleichzeitig bekommen Millionen unterdrückter Chinesen während der Olympischen Spiele 2008 eine Stimme.

  • Die Olympia-Charta nennt als grundlegendes olympisches Prinzip die "Achtung vor universalen, fundamentalen und ethischen Grundsätzen" und die "Förderung der Errichtung einer friedlichen Gesellschaft, die sich die Bewahrung der Menschenwürde angelegen sein lässt". Niemand kann ernsthaft behaupten, dass das chinesische Regime diesen Idealen nachlebt. Die Benutzung der Farbe Orange ist jedoch eine ethische und unpolitische Aussage, die tief im Einklang mit den grundlegenden Prinzipien der olympischen Bewegung steht.

  • Das Projekt kann nur gelingen, wenn möglichst viele wissen, was die Farbe Orange bedeutet. Normalerweise wäre dafür ein Werbebudget von Millionen von Dollars erforderlich. Das haben wir nicht, aber dafür haben wir (vielleicht) dich :-). Wenn du und Millionen andere dabei helfen, die Idee zu verbreiten, können wir gemeinsam einen Schmetterling-Effekt schaffen, der einen orange Wind über China wehen lässt.

  • Schicke diese Mail weiter an alle auf deiner Mailingliste, klicke die Website www.TheColorOrange.net an und melde dich selbst zur Mailingliste an, damit du laufend über das Projekt auf dem neuesten Stand gehalten wirst. Melde Aktivitäten und Ideen an die Website zurück, wo und wie du die Farben orange benutzt hast, so dass wir die frohe Botschaft als Anregung für andere verbreiten können.
  • Setze die Farbe Orange vor den olympischen Veranstaltungen selbst kreativ ein. Wenn du aktiver Sportler oder Mitglied einer Vereinigung zur Unterstützung der Menschenrechte bist, kannst du die Vereine auffordern, Orange in ihren Materialien und Publikationen zu benutzen und die Kampagne öffentlich zu unterstützen.

  • Die Mitglieder der niederländischen Olympiamannschaft sind wegen ihrer "Oranje"-Farbe geborene Teilnehmer. Wie steht es mit den olympischen Helden deines Landes - sind sie nur Helden, wenn es um den Sport geht? Man stelle sich vor, wenn der erste Olympiasieger sich mit einem orange Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischte ...

  • Der dänische Bildhauer Jens Galschiot steht hinter der Manifestation "Farbe Orange". Der Künstler ist von allen politischen und religiösen Interessen unabhängig und hat oft globale Kunstevents zur Verteidigung eines humanistischen Menschenbildes u. a. in Zusammenarbeit mit der Demokratiebewegung in China durchgeführt.

  • Die "Farbe Orange" bezieht Inspiration u. a. aus der Aussage des Malers Kandinsky: "Die Farbe Orange ist Rot, das mit Hilfe von Gelb humaner gemacht worden ist". Chinas Farbe ist ja eben Rot. Vielleicht können wir die humanen Kräfte durch die Einführung der Farbe Orange unterstützen. Die Wahl der Farbe Orange ist jedoch auch inspiriert von der Gefangenenkleidung von Guantanamo, den Mönchen in Tibet und Burma u.a.m.

Wir hoffen, dass viele Einzelpersonen und Organisationen sich dem Projekt Farbe Orange anschließen.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Galschiot, Bildhauer
Banevaenget 22, DK-5270 Odense N, Dänemark
Tel. +45 6618 4058, Fax: +45 6618 4158
E-Mail: contact@TheColorOrange.net
Internet: www.TheColorOrange.net

Meine Antwort

Hallo,

die Idee ist ja nicht schlecht.

Aber wie kann ich, Angehöriger eines Staates, das selbst in zunehmendem Maße die Menschenrechte verletzt und zu Menschenrechtsverletzungen weltweit beiträgt (Krieg in Afghanistan, Ausbeutung durch global agierende Konzerne in den Ländern der Dritten Welt, drittgrößter Waffenproduzent der Welt) mit dem Finger auf China zeigen?

Sicher, es gibt dort Menschenrechtsverletzungen, aber in unserem Land kennt man sie nur aus Presseberichten. Wer Presseberichte ein wenig gründlicher studiert und mit der Wirklichkeit vergleicht, wird schnell zu dem Ergebnis kommen, dass sie immer das aussagen, was wir glauben sollen. Aus meiner Sicht steuert die EU, von der Presse frenetisch gefeiert, auf eine Wirtschaftsdiktatur hin, in der die Verletzung der Menschenrechte keinen höheren Stellenwert als in China haben.

Ich bin mit dem Grundsatz groß geworden, dass man zuerst das eigene Haus in Ordnung bringen muss, bevor man sich um andere Häuser kümmert.

Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp