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Freut Euch, Ihr Alten

Sie sind 58 Jahre und älter? Dann freuen Sie sich, unser Kanzler und auch Clement haben Sie wieder entdeckt. Man wird Ihnen helfen. Sie dürfen wieder arbeiten. Bezahlung? Nun werden Sie mal nicht übermütig. Reicht es nicht, dass sie jetzt Ein Euro Jobs machen dürfen? Ihr Wissen und Ihre Erfahrung an andere weitergeben zu können, muss Sie doch glücklich machen. Und diesen Job, oh, Entschuldigung, diese Arbeitsgelegenheit dürfen Sie sogar bis zu 3 Jahren ausführen. Dann können Sie ja in Rente gehen, die paar Cent Abschlag fallen bei der Höhe der Rente doch sicher nicht ins Gewicht, oder?

Sie sollten sich glücklich schätzen. Sie helfen Ihrem Arbeitgeber, vom Staat für jede Stunde, die Sie bei ihm arbeiten, einen netten Zuschuss zu bekommen. Dann dürfen Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung verschenken und fühlen sich wieder würdig, weil Sie ja wieder arbeiten dürfen. Auch Ihrem Freund Clement (er ist doch ihr Freund?) tun Sie einen großen Gefallen. Er kann dann wieder sagen, wie gut doch Hartz IV ist. Dank Hartz IV hat die Arbeitslosigkeit bei den älteren Arbeitnehmern um n% abgenommen, werden Sie dann im Fernsehen, im Rundfunk und in den Gazetten berichtet bekommen. Denn das ist ja das Schöne. Sie sind zwar noch arbeitslos, aber nicht statistisch gesehen.

Na ja, wenn ich es wäre, würde ich Beiden, dem Kanzler und Clement mal diese seltsame Lähmung in meinem rechten Arm zeigen: Immer, wenn ich den rechten Arm beuge, ballt sich die Hand zur Faust, nur der Mittelfinger bleibt gestreckt.

Ach ja, und das ist die Nachricht, um die es geht:

Radikaler Reformbedarf: Die Alten müssen "ran" - mit 50.000 "Arbeitsgelegenheiten" ohne Arbeitnehmerrechte !

Es gibt also Chancen. Aber radikale gesellschaftliche Reformen sind in nahezu allen Lebensbereichen unverzichtbar. Sie betreffen die Gestaltung der Lebens- und Erwerbsläufe der Menschen. Bildung, Arbeit, Familie, Ruhestand werden immer weniger nacheinander, sondern eher neben-, durch- und miteinander stattfinden. Variabilität und Durchlässigkeit heißen die Stichworte. Dabei stehen alle mit aktiver Erwerbstätigkeit zusammenhängenden Bedingungen besonders im Blickfeld.

Das Aktivpotenzial ältere Menschen muss weiter entwickelt und besser erschlossen werden. Denn wenn es mehr Alte gibt, müssen sie "ran". Die Lebensarbeitszeit ist dabei ein wichtiges Reformthema. Ältere Menschen werden einerseits zwar körperlich und geistig fitter, stiegen andererseits aber bis vor kurzem immer früher aus dem Arbeitsleben aus. Jetzt dreht sich dieser Trend. Das Jahr des Rentenbeginns steigt wieder.

Quelle: e.balance Magazin für Soziales Nr.31 07/2005 "Der ungehobene Schatz: Was Ältere für Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten könnten" http://www.bundesregierung.de/Publikationen-Fotos/Online-Publikationen/e.balance-das-magazin-fuer-arb-,11668.855232/emagazine_arbeit/e.balance-Nr.-31-07-2005-|-Sch.htm?link=bpa_zum_ezine

vergleiche hierzu Pressemitteilung vom 5.7.2005

Die Bundesregierung fördert - in einer 1. Stufe beginnend ab Juli 2005 - 30.000 Zusatzjobs (Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung) von einer bis zu 3-jährigen Dauer für ältere langzeitarbeitslose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gemeinsam mit den Ländern wird angestrebt, die Förderung in einer 2. Stufe auf insgesamt 50.000 Zusatzjobs aufzustocken.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement: "Dies ist ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit älterer Arbeitssuchender. So profitieren wir alle von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung und die älteren Arbeitnehmer brauchen nicht mehr das Gefühl zu haben, vor der Zeit aufs Abstellgleis geschoben zu werden."

Merkblatt Bund-Länder-Initiative zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit Älterer durch Förderung von bis zu dreijährigen Zusatzjobs Juli 2005

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