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Erstelldatum:08.02.2017

Amnesty berichtet ...

Die ZEIT(1) und weitere Presseerzeugnisse berichten am 07.02.2017: "Amnesty berichtet von Tausenden Toten bei Massenhinrichtungen". So völlig neu ist diese Aussage nicht, denn bereits am 23.01.2014 wusste die ZEIT(2) zu berichten: "55.000 Bilder wie dieses".

Nun, ich bin skeptisch. Warum? Derzeit gibt es Gespräche zwischen syrischer Regierung, Russland, dem Iran und "Rebellen" in Kasachstan(3) . In ihrem Kommuniqué sprechen sich die drei Länder dafür aus, dass die bewaffneten "Rebellengruppen" am 8. Februar an von den UN organisierten Gesprächen in Genf teilnehmen.

Genau einen Tag vorher nun erneut der Bericht von Amnesty International über Assad zugeschriebene Massaker. Im Bericht der ZEIT vom 23.01.2014 sagt der ZEIT-Redakteur folgerichtig:
Es ist sicher kein Zufall, dass dieser Bericht genau einen Tag vor der (damaligen) Genfer Syrienkonferenz auftaucht.

Lese ich nun den heutigen Bericht aus gleicher Quelle (AI) und bedenke dabei, dass morgen, am 8.2.2017, die bewaffneten "Rebellengruppen" an von den UN organisierten Gesprächen in Genf teilnehmen sollen, kann ich den Satz von Jörg Lau, den er in seinem ZEIT-Bericht äußerte, nur widerholen:
Es ist sicher kein Zufall, dass dieser Bericht genau einen Tag vor der Genfer Syrienkonferenz auftaucht

Im Bericht der ZEIT vor 3 Jahren, wurde geschrieben, dass die Bilder teilweise akribisch untersucht und auch deutliche Spuren von Folter, Würgemalen am Hals etc. festgestellt wurden. Nur über den mysteriösen Fotografen CAESAR steht dort wenig. Er war dem Bericht nach Überläufer zu den Rebellen, aber wann er übergelaufen ist, bleibt im Dunkel. Auch wird er als Militärpolizist ausgewiesen, auf die Frage hin, wie er an die Bilder gekommen sei, bezeichnet er sich als "Tatortfotograf".

Zum Zeitpunkt des ersten Berichts waren schon weite Landesteile Syriens in den Händen der Rebellen und damit gab es auch Gefängnisse, die nicht mehr zum Bereich des von Assad noch beherrschten Territoriums gehörten. Das bedeutet, dass die Schreckensbilder ebenso gut auf das Konto der Rebellen gehen können, Denn offenbar war CAESAR ja Berufsfotograf und spezialisiert auf solche Aufnahmen. Aus anderen und ein wenig neutraleren Berichten weiß man, dass Ermordungen und Folter auch bei den Rebellen ein übliches Prozedere war.

Hat man uns nicht die Rebellen immer als "moderat" dargestellt, trotz nachgewiesener Gräuel? Hat die ZEIT nicht allzu oft als syrische Menschenrechtsgruppe den dubiosen in England lebenden Tuchverkäufer genannt, dessen ganze Weisheiten aus Telefonaten herrühren, die er mit Syrern in Syrien geführt hat, wobei nie veröffentlicht wurde, wer die Quellen dieses Mannes waren und ob sie überhaupt glaubwürdig sind. Auch AI hat sich öfter mal auf diese Quelle berufen, die sich hochtrabend als syrische Menschenrechtsorganisation bezeichnet. Ich halte sie eher für die Propaganda-Abteilung des im Westen sitzenden Teils der Opposition.

Für mich ist die AI keineswegs eine lupenreine NGO (Nichtregierungsorganisation). So hat sie z. B. auch die "Brutkastenlüge" übernommen und mehrfach erwähnt, die Bush sen. nutzte, um den 2. Golfkrieg zu veranstalten.

Meine Skepsis beruht auch auf dem Umstand, dass Deutschland in diesem Konflikt keineswegs neutral ist, sondern Teil der "Assad muss weg"-Koalition(4). Deutschland war und ist Mitglied der "Freunde Syriens", also der Gruppe, die den Umsturz in Syrien eingeleitet haben. Doch darüber lässt sich die Presse gewöhnlich nicht aus. Auch nicht über die Rolle, die Steinmeier in der Gruppe spielt, oder welche Rolle der aktuelle Kanzleramtsmister Altmeier in Sachen Finanzierung (über die SWP, in der er eine führende Position inne hat) des SWP-Projekts "day after" hat und welche Finanzmittel konkret an die Rebellen überwiesen wurden.

Einen eher seltenen Bericht kann man in der FAZ(5) lesen, einen Bericht eines echten Experten in Sachen Naher und Mittlerer Osten.

Fußnoten

(1) Amnesty berichtet von Tausenden Toten bei Massenhinrichtungen ZEIT Online v. 07.02.2017
(2) 55.000 Bilder wie dieses ZEIT v. 23.01.2014
(3) Gespräche zwischen syrischer Regierung und „Rebellen“ in Kasachstan WSWS.Org
(4) Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf ZEIT 2012
(5) Der Nahost-Experte Günter Meyer erklärt im FAZ.NET-Interview den geschickten Strategiewechsel Putins FAZ