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Erstelldatum: 10.11.2016

Donald Trump, 45. Präsident der USA

Gott sei Dank, es ist vorbei.

Die USA hat einen neuen Präsidenten und das bedeutet, dass das aus meiner Sicht hysterisch überdimensionierte Thema des Wahlkampfes in den USA in der deutschen Presselandschaft nun ein Ende hat. Ein paar Tage werden wir nun noch mit dem ebenso hysterischen "Entsetzen" Europäischer und Deutscher Politiker in der Presse abfinden müssen, aber die elendigen "Live-Ticker" dazu werden uns erspart bleiben.

Ich habe zwar gelegentlich in der Presse Wahlkampfberichte überflogen, aber mich haben mehr die Meinungen der Leser in den Kommentarspalten interessiert und die waren (ebenfalls aus meiner Sicht) noch um etliches hysterischer als die anheftenden Presse-Beiträge. Das "Schöne" an Leserkommentaren ist, dass dort ein verbaler Krieg herrscht, Clinton-Fans gegen Trump-Fans (die allerdings nur spärlich zu finden waren) und umgekehrt und wie das bei verbalen Kriegen so ist, wird mit gegenseitigen Beschimpfungen nicht gespart und es ist erstaunlich, welches Wissen die jeweiligen Schreiber über die beiden US-Kandidaten hatten bzw. vorgaben, es zu haben. Bei genauerem Hinsehen waren das jedoch zumeist aufgepäppelte Meinungen aus Presseberichten.

Für eine Mehrheit der Presse war Hillary Clinton die einzig wahre Favoritin, zumindest nachdem alle anderen Kandidaten beider Seiten aus dem Feld gekickt waren.

Ich kann nicht sagen, dass meine Sympathie Trump gehörte, aber für mich ist er ein politisch unbeschriebenes Blatt, im Gegensatz zur Clinton, die schon etliche Male sehr unangenehm in ihrer Zeit als Außenministerin aufgefallen war. Für mich war die Clinton daher unwählbar und somit war meine Hoffnung, dass der US-Wähler das auch so sehen würde. Diese Hoffnung hat sich erfüllt und nun bleibt abzuwarten, welche Politik die USA unter seiner Führerschaft betreiben wird. Mein Vertrauen dazu hält sich in Grenzen, denn spätestens nachdem ich sehen durfte, wie der "yes we can"-Präsident alle Hoffnungen zunichte gemacht hat, die mit seiner Wahl verbunden waren, ist da kein wirkliches Vertrauen in eine bessere Politik vorhanden.

Es wird einige Zeit dauern, bis man wirkliche politische Erkenntnisse aus seiner Präsidentschaft erwarten darf, denn zunächst muss er sich einen Stab aufbauen, sich an die Gepflogenheiten des Weißen Hauses gewöhnen und erkennen, wem er trauen kann und wem nicht.

Nachdem ich nun eine Art "Nachruf" in der ZEIT mit der Überschrift "Amerikas ewige Verliererin," und dann dem Nachsatz: "Hillary Clinton kann die Welt nicht vor Donald Trump bewahren. Sie ruft das Land zur Einheit auf, die Niederlage ist für sie auch eine persönliche Tragödie"(1) lesen durfte und mir anschließen die Tränen aus den Augen gewischt habe (vor Lachen), habe ich gewohnheitsmäßig die ersten Seiten der Leser-Kommentare gelesen.

Ich weiß ja nicht, ob die Demokraten (so nennt sich die Hillary-Partei) auch die ZEIT und dort die Leser-Kommentare lesen, wenn ja, müssten sie eigentlich bei der nächsten US-Wahl ZEIT-Leser als Wahlmanagement einsetzen, denn die wissen mehrheitlich offenbar ganz genau, welche Fehler die Demokraten gemacht haben und damit Donald Trump zur Präsidentschaft halfen.

Ein Mann, der es nun wirklich wissen muss, äußerte sich in dem politischen Nachrichtenmagazin (der BILD) zur Wahl von Trump. Die ZEIT berichtete dann darüber: "Wolfgang Schäuble (2) "Demagogischer Populismus ist nicht nur ein Problem Amerikas". Wow, der Terminus "Populismus" hat im letzten Jahr eine regelrecht inflationäre Bedeutung gewonnen und natürlich sind Populisten immer die anderen oder das ohnehin dumme Volk, wenn es die aufgestellten Thesen nicht akzeptieren will.

    Als Ursache des zunehmenden Populismus nannte Schäuble auch, "dass die Eliten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht immer ein gutes Bild" abgäben.

Herr Schäuble, wenn Sie in diesem Satz das "nicht immer" durch "so gut wie nie" ersetzen, kommen Sie der Wahrheit ein erhebliches Stück näher.

Wenn dann Fraktionsvize der Union Friedrich von einem "Trump Effekt" redet und daraus einen Hang zur Selbstbestimmung ableitet, finde ich seine Definition interessant:

    "Viele Menschen fühlen sich fremdbestimmt - von der EZB, von EU-Technokraten, von TTIP und von den Folgen der unkontrollierten Zuwanderung"

Damit hat er recht, auch wenn seine "Erkenntnisse" keineswegs vollständig sind. Und seine Befürchtung einer Hinwendung zu den "Populisten", damit meint er sicherlich die AfD. Dass der Erfolg der AfD weniger der Populismus ist, sondern eher darauf beruht, dass die etablierten Parteien das Volk seit langer Zeit lediglich noch als Wahlsklaven ansehen und sich ansonsten an den Bedürfnissen der Mehrheit völlig uninteressiert zeigen und aus dieser Mehrheit nun ein nicht geringer Prozentsatz die AfD als Ventil des Unmuts nutzt, vor allem die, die sich auf Aussagen der AfD verlassen, ohne deren Grundsatzprogramm zu kennen, soweit möchte Friedrich nun doch nicht gehen. Wofür hat man schließlich Begriffe wie "Populismus", deren Nutzung genug Abwertung beinhaltet?

Auch die Äußerung von U. v. d. Leyen ist lesenswert. Diese Dame geht offenbar voll in ihrem derzeitigen Job als Kriegsministerin auf. Sie äußert sich in der Rheinischen Post:

    "Europa braucht als erstes den gemeinsamen politischen Willen für mehr sicherheitspolitische Relevanz. Dafür könnte der Ausgang der Wahl in Amerika einen wichtigen Impuls setzen". Schon vor der Wahl in den USA sei klar gewesen, dass die Europäer nicht darum herum kämen, sich sicherheitspolitisch besser zu organisieren. Der Aufbau von Kapazitäten gehe aber nicht von heute auf morgen. "Das Engagement der USA auch für europäische Interessen bleibt daher auch künftig unverzichtbar, denn sie sind der mit Abstand wichtigste Pfeiler in der Nato."

Nun, da kann es sein, dass die gute Kriegsministerin ein wenig Stoff fürs Nachdenken bekommt, denn kann man den Reden von Trump Glauben schenken, schweben ihm da kleinere oder vielleicht sogar größere Änderungen vor, auch ganz speziell die NATO betreffend und das könnte im Wahljahr der BRD doch für einige Irritationen sorgen.

Was mich besonders an dem Wahlerfolg von Trump freut, dass damit die Kanzlerin, der Außenminister, die Kriegsministerin und der Bundespräsident eine gewaltige Klatsche für ihre Haltung im Wahlzirkus der USA bekommen haben. Es stellt sich nun als Problem heraus, dass sie bei den US-Wahlen jegliche Neutralität haben vermissen lassen, zu der sie als Politiker eigentlich verpflichtet gewesen wären. Doch sie haben ganz auf den Sieg der Kriegstreiberin Clinton gesetzt und nun kann es sein, dass ihnen ihre abwertenden Bemerkungen über Trump auf die Füße fallen.

Die ARD bot dann eine Talkshow(3) mit Sandra Maischberger auf, diese war aber offenbar nicht Herrin dieser Show, was eigentlich der Sinn eines Moderators bzw. einer Moderatorin sein sollte. Kaum mal Momente, in denen einer der Gäste seine Sicht vorbringen konnte, denn es artete jedes Mal in ein Stimmengewirr aus, das den Zuschauern keine "Erkenntnisse" vermittelte, sondern allenfalls eine Anzahl von Fragezeichen. Nur die deutsche Vorzeige-Feministin Alice Schwarzer konnte zumindest klar zum Ausdruck bringen, dass an dem "Wahldebakel" die alten weißen Männer ohne College-Abschluss schuld waren. Eigentlich erneut eine sehr abwertende Bemerkung, denn auch ein hoher Prozentsatz der Frauen hat für Trump gestimmt und egal, ob männlich oder weiblich, auch ohne College-Abschluss sind es wahlberechtigte Bürger und unter ihnen sind vor allem die "Abgehängten" zu finden, von denen viele nicht einmal mit 2 Jobs über die Runden kommen. Was ich so den Aussagen (soweit sie überhaupt verständlich waren) entnehmen konnte, ging es nach ihrer Meinung vor allem um den feministischen Effekt, eine Frau an der Spitze der USA. Hinter diesem Anspruch muss doch alles andere verblassen, oder? Wenn man dieser Talk-Show überhaupt etwas entnehmen konnte, dann hat als Hintergrund der Wahl vor allem die soziale Situation in den USA eine maßgebliche Rolle gespielt hat und die Mehrheit der Wähler (soweit sie überhaupt gewählt haben) wohl Trump eher als Clinton abgenommen haben, dass er die soziale Situation in den USA verbessern will.

Ob und was sich seitens des neuen Präsidenten in den USA und auch als Folge in Europa ändern wird, weiß heute niemand, ich schon gar nicht. Aber ich meine, es ist ein Akt der Fairness, ihm die Chance zu geben, sein Können unter Beweis zu stellen, denn bei aller Hetze gegen Trump wurde eines nie deutlich kommuniziert, Trump ist Wirtschaftswissenschaftler (das hat er an einer US-Elite-Uni studiert und seine Schwester Maryanne Trump Barry war bis zu ihrer Pensionierung 2011 Bundesrichterin für den dritten Bezirk des United States Court of Appeals). Aber vielleicht wäre es die Zeit für Deutschland, sich zu emanzipieren, endlich die Rolle als Schoßhund der USA aufzugeben und sich als souveräner Staat zu outen. Sollte es aus der Adenauer-Ära noch geheime Verträge mit den USA geben, nach denen Deutschland an der kurzen Leine der USA zu laufen hat, ist vielleicht gerade Trump der Mann, der diese Leine loslässt.

Fußnoten

(1) Amerikas ewige Verliererin Hillary Clinton
(2) "Demagogischer Populismus ist nicht nur ein Problem Amerikas" Wolfgang Schäuble
(3) Der Trump-Schock: Wie verändert er die Welt? Sandra Maischberger