Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 22.02.2014

Schwule, Lesben und der Staat

Schwul oder lesbisch sein ist heute modern. Die Presse verzichtet nicht darauf, große Berichte über ein "Coming out" Prominenter zu bringen, wenn diese sich öffentlich zu ihren sexuellen Vorlieben bekennen. Aber der Terminus "bekennen" ist da ja "out", denn da nutzt man lieber das englische oder amerikanische "Coming out".

Es kann natürlich sein, dass die Menschen unbedingt wissen wollen, wer denn nun von den Prominenten schwul oder lesbisch ist. Ich gehöre nicht dazu, denn es ist mir völlig gleichgültig, zumindest solange, wie ich nicht damit belästigt werde. Wobei die Frage gestattet sein mag, ob ein solches Coming Out in der Presse mit schwülstigen Anmerkungen der entsprechenden Leute nicht bereits eine Belästigung ist. Wenn ein Fußballer schwul ist, ist das seine Sache und interessiert mich nicht im Geringsten. Wenn er sich dann aber großartig über den Gewissenskonflikt und über die Schwierigkeiten in seinem Umfeld auslässt, dann empfinde ich das schon als Belästigung. Sexualität ist eine intime Angelegenheit, über die man sich anderen und vor allem Fremden gegenüber nicht auslässt, nicht einmal dann, wenn man hetero ist und damit normal im herkömmlichen Sinne. Ins Detail gehen da allenfalls heute jedermann zugängliche Porno-Seiten.

Auch bekannt dürfte es sein, dass die Gender-Regierung (Grüne) in Baden Württemberg vor hat, sexuelle Andersartigkeit als Schulthema zu nutzen. Das allerdings regt mich auf, denn dieses Thema gehört aus meiner Sicht nicht in die Schule.

Nun hat mir eine Leserin ein PDF-File der GEW Baden Württemberg (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) zugespielt, das dieses Thema als wichtiges Thema für die Schule zum Gegenstand hat. Richtig aufgeregt habe ich mich, als ich dieses 40-seitige Dokument gelesen habe. Betitelt ist es mit Lesbische und schwule Lebensweisen -ein Thema für die Schule (Das zugehörige PDF-File wurde von der GEW inzwischen aus dem Netz genommen).

Offenbar hat die GEW merklichen Gegenwind bekommen, denn sie hat die Studie aus dem Netz genommen: Ein Artikel in der Jungen Welt versucht nun zu retten, was zu retten ist und stellt das Ganze als Satire dar. Sehen wir mal davon ab, dass die GEW sicherlich nicht eine satirische Organisation ist, ist es schon merkwürdig, dass Kinder mit einer "Satire" konfrontiert werden, die selbst Erwachsene nicht als Satire begreifen. Und natürlich sind es "rechte Eiferer", die hier gegen die "schulische Hilfestellung für Lehrkräfte" Sturm laufen.

Bevor ich auf dieses Dokument einer Gewerkschaft näher eingehe, noch ein paar Gedanken, die ich mir darüber mache bzw. gemacht habe, was eine homosexuelle Lebensweise sein mag und was ich an Öffentlichkeit zu diesem Thema bemerkt habe. In Filmen ist es schon seit geraumer Zeit oftmals üblich, dass Frauen einen Schwulen als Freund und Ratgeber haben, der in allen Lebenslagen zur Seite steht und immer ein besonders guter und weiser Ratgeber ist. Oder die immer häufiger vorkommenden Schmankerl, wenn ein Mann, verheiratet mit Kindern, plötzlich erkennt, dass er eigentlich schwul ist, das aber wegen des öffentlichen Interesses verbergen will und deshalb u. U. sogar einen Mord begeht. Und noch etliche andere dramaturgische (wenn man das dramaturgisch nennen will) Würzmischungen der heutigen Filme-Macher

.

Sind Schwule also die besseren Menschen? Ganz sicher nicht. Sie sind Menschen wie alle anderen auch und unterscheiden sich lediglich in ihrer sexuellen Ausrichtung von den "Normalos". Stellt sich natürlich gleich die Frage, ob schwul sein nicht normal ist. Geht man davon aus, dass die Natur alle Tiere, einschließlich des Menschen, auf die Vermehrung ausgerichtet hat und sich Schwule durchaus auch vermehren könnten, dann sind sie genau so normal wie z. B. katholische Priester und Mönche, die sich auch vermehren könnten, aber behaupten, es wegen dem Gelübde nicht zu tun (wogegen die von der kath. Kirche gezahlten Alimenten stehen). Das heißt, der Schwule kann sich vermehren, tut es aber nicht und ist insofern durchaus auch normal. Das gilt auch für Lesben. Warum ein kleiner Teil der Menschen dem eigenen Geschlecht mehr zugetan ist, weiß niemand. Der Schätzung nach gibt es 2 bis 5% homosexuelle Menschen in Deutschland.

Doch nun zu dem "Positionspapier" der GEW. Halten wir zuerst fest, dass es von einer Lesben-Vereinigung der GEW erstellt wurde, was eine Objektivität aus meiner Sicht schon mal ausschließt. Das wird sehr deutlich, wenn man einen Fragetext auf Seite 20 für Mädchen liest. Der enthält diese Fragen:

M7a Der heterosexuelle Fragebogen

  1. Woher glaubst du, kommt deine Heterosexualität?
  2. Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?
  3. Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?
  4. Ist es möglich, dass deine Heterosexualität von einer neurotischen Angst vor Menschen des gleichen Geschlechtes kommt?
  5. Wissen deine Eltern, dass du heterosexuell bist? Wissen es Deine Freundinnen und Freunde? Wie haben sie reagiert?
  6. Eine ungleich starke Mehrheit der Kinderbelästiger ist heterosexuell. Kannst Du es verantworten, deine Kinder heterosexuellen Lehrer/innen auszusetzen?
  7. Was machen Männer und Frauen denn eigentlich im Bett zusammen? Wie können sie wirklich wissen, wie sie sich gegenseitig befriedigen können, wo sie doch anatomisch so unterschiedlich sind?
  8. Obwohl die Gesellschaft die Ehe so stark unterstützt, steigt die Scheidungsraten immer mehr. Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?
  9. Laut Statistik kommen Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vor. Ist es daher für Frauen wirklich sinnvoll, eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und so das Risiko von Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft einzugehen?
  10. In Anbetracht der Übervölkerung stellt sich folgende Frage: Wie könnte die Menschheit überleben, wenn alle heterosexuell wären?
  11. Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexuelle zu geben; aber es wurden Verfahren entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschocktherapie zu machen?
  12. Möchtest du, dass dein Kind heterosexuell ist, obwohl du die Probleme kennst, mit denen es konfrontiert würde?

(Gekürzt nach: P. Baker, "The Language of Sex: The Heterosexual Questionaire")

Egal, ob nur abgeschrieben, lassen diese Fragen jegliche Objektivität vermissen. Hier geht es nicht um die Frage der Akzeptanz eine homosexuellen Lebensweise, hier wird im Gegenteil die heterogene Lebensweise als nicht erstrebenswert dargestellt. Vor allem Frage 9 ist suggestiv, wenn man bedenkt, dass Lesben immer noch nur einen Bruchteil der Gesellschaft ausmachen. Bei Fragen zu schwulen Männern müsste man dann nämlich auch auf die Gefahren von Aids hinweisen und vielleicht auch darauf verweisen, dass heterosexuelle Frauen und Mädchen oftmals durch bisexuelle Männer mit Aids infiziert wurden.

Auch die Rollenspiele, die nach diesem Positionspapier angedacht werden, finde ich ätzend und eher als Dressurübungen, um Kinder zu einer homosexuellen Lebensweise anzuregen. Gleiches gilt für die Hinweise auf die prominenten Schwulen und Lesben. Würde man das auch bei den prominenten Koksern und Rauschgiftabhängigen machen? Jodie Foster ist in meinen Augen eine tolle Frau und Schauspielerin und wäre für mich als Mann genau so unerreichbar, wenn sie hetero wäre. Eine tolle Frau ist sie so oder so. Und Westerwelle fände ich keinen Deut sympathischer, wenn er hetero wäre. Die Frage ist doch nicht, wie ein Mensch sexuell gepolt ist, sondern was für ein Mensch er ist. Aber diese GEW-Broschüre will offenbar, dass man bei Schwulen und Lesben ihre sexuelle Ausrichtung als Pluspunkt wertet und sie das zu besseren Menschen macht. Ein aus meiner Sicht fataler Fehler. Die sexuelle Ausrichtung ist eine Nebensache, für den Einzelnen enorm wichtig, gesellschaftlich irrelevant und das ist das Einzige, was die Gesellschaft begreifen muss.

Aber ich finde noch etliche Gegenargumente zu diesem Projekt. Da sind zunächst mal Lehrer und Lehrerinnen. Ich habe noch keine wirklich objektiven Lehrkräfte kennengelernt. In irgendeiner Form unterliegen auch Lehrkräfte ihren persönlichen Vorstellungen von gut und böse oder richtig und falsch. Sie werden zudem geprägt von gesellschaftlichen Zwängen und nicht selten von opportunistischen Verhaltensweisen bei den Schülern und deren Umfeld. Es hat sich nichts daran geändert, dass Kinder aus einem sozial schwachen Umfeld es in der Schule erheblich schwerer haben, ebenso wie oft Schüler mit Migrationshintergrund. Dass das in der heutigen Zeit, in der Lehrer nicht mehr prügeln dürfen, mitunter dazu führt, dass sie sogar Angst vor den Schülern haben müssen, die sie im Unterricht vernachlässigen, ist eine Folge des Machtverlustes von Lehrkörpern.

Dazu zunächst der inzwischen auch in der Presse mitunter verwendete Ausdruck der Homophobie. Eine Phobie bei Menschen kann zwei Ursachen haben. Medizinisch bzw. Psychiatrisch gesehen ist es die Angst, wie z. B. die Klaustrophobie, also die Angst vor engen Räumen. In der sozialwissenschaftlichen Theorie ist eine Phobie die Form einer Abneigung und nicht der Angst und ich gehe davon aus, dass es zwar eine weit verbreitete Homophobie gibt, diese aber nicht als Angst definiert werden kann, sondern als Abneigung verstanden werden muss und aus der langen traditionelle Ablehnung in der Gesellschaft, aber auch der Kirche gesehen werden muss. Wobei die Kirche dabei ein ziemlich heuchlerisches Gebaren an den Tag legt (zumindest die katholische Kirche), weil die einzelnen Mitglieder homosexuelle Praktiken (vor allem in Klöstern) und pädophile Neigungen prozentual häufiger praktizieren, als in der übrigen Gesellschaft üblich.

Fakt ist, dass es zu allen Zeiten Menschen gegeben hat, die dem eigenen Geschlecht zugetan waren, viele davon haben sich wegen gesellschaftlicher Zwänge dagegen gewehrt und waren deshalb unglücklich, selbst wenn sie ihre Neigungen heimlich praktizierten. Derzeit findet ein gesellschaftlicher Umbruch statt und jeder, der sich ein wenig mit Geschichte befasst hat, müsste wissen, dass ein solcher Umbruch nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen ist. Die Aufgabe der Schule ist es, Wissen zu vermitteln und nicht, einen solchen Umbruch mit dem Brecheisen voranzutreiben, vor allem deshalb nicht, weil die eigene Einstellung der Lehrkraft zu diesem Thema eine entscheidende Rolle spielt. Egal, wie eine Lehrkraft sexuell eingestellt ist, wird sie dieses Thema immer subjektiv behandeln, unabhängig davon, was Lehrpläne vorsehen. Man kann aus meiner Sicht Kinder nicht lehren, was sexuell für sie entscheidend ist. Das müssen sie, wie alle Generationen vor ihnen selbst herausfinden und der entscheidende Faktor ist dabei die gesamtgesellschaftliche Haltung. Natürlich spielt auch eine Rolle, welche Haltung die Eltern dazu haben, doch die sind schließlich auch Teil der Gesellschaft und in sexueller Hinsicht haben Eltern heutzutage bei den Heranwachsenden ohnehin nicht mehr viel zu melden.

Wäre noch die Frage des Adoptionsrechts. Schwule und Lesben pochen darauf, dieses Recht zugesprochen zu bekommen, aber leider fragt man nie die Kinder, ob sie bei einer angepriesenen Familie leben wollen. Das wäre aus meiner Sicht aber erforderlich, vor allem dann, wenn es darum geht, dass diese Familie aus zwei Vätern oder zwei Müttern bestehen soll.

Damit stellt sich gleich die nächste Frage; sind schwule oder lesbische Paare überhaupt Familien? Das verneine ich aus meiner Sicht. Sie sind Geschlechtspartner, aber die traditionelle Familie ist darauf ausgerichtet, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Schwule und Lesben haben das Rüstzeug, Kinder zu bekommen und wenn sie Kinderhaben wollen, müssen sie sich eben überwinden und sich zu diesem Zweck ausnahmsweise mal dem anderen Geschlecht zuwenden.


Nachtrag am 25.02.2014: Auf der Seite IK-News würde ebenfalls über die GEW berichtet. Am Schluss ist ein Kommentar dazu mit einem Link zu finden, unter dem das PDF-File nun zu finden ist. Allerdings habe ich bei Aufruf zuerst eine Warnmeldung bekommen. Erst als ich auf "Link trotzdem weiterverfolgen" geklickt habe, wurde das PDF geöffnet.