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Erstelldatum:30.11.2014

Die Würde des Menschen

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. So steht es in Art.1 Abs. 1 im GG.

Sinngemäß verkündet Art. 1 der Erklärung der Menschenrechte die gleiche These. Dort heißt es:

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Ist das nicht eine hehrer Anspruch? Ja, finde ich auch, aber er hat leider einen kleinen Haken. Begründet jemand bei Klagen vor Gericht seine Klage mit dem Hinweis, dass man seine Würde verletzt habe, zerpflückt jedes Gericht diesen Hinweis ohne Probleme, denn was die Würde des Menschen nun wirklich ist, darüber streiten Philosophen, Dichter und natürlich Juristen bereits seit langer Zeit.

Wir haben also ein oberstes Grundrechtsprinzip, von dem keiner so recht weiß, was es damit wirklich auf sich hat!??

Nun habe ich ja ein schlichtes Gemüt und schlichten Gemütern ist es zu eigen, einfache Erklärungen zu suchen. Und mit einfachen Erklärungen weicht man ab von der Philosophie, der moraltheologischen Erklärung und begibt sich in die Niederungen einfacher Bedeutungserklärungen, die aber in der Regel nach meinen Erfahrungen prägnanter und richtungsweisender sind, als alle hochgestochenen Erklärungsmodelle.

Wenn also z. B. von der Würde eines Amtes gesprochen wird, mögen das Philosophen für eine vielseitige Abhandlung nutzen können, während ich als schlichtes Gemüt das mit einem Wort erkläre: "Blödsinn!" Das begründe ich damit, dass ein Amt im eigentlichen Sinne eine Einrichtung ist und nie mehr. Erst wenn jemandem dieses Amt bzw. seine Ausübung übergeben wurde, lässt sich beurteilen, ob der Amtsträger dieses Amt im Sinne seiner Aufgaben würdevoll ausübt. Ein praktisches Beispiel ist das Amt des Bundespräsidenten und in meinen Augen wird der derzeitige Amtsinhaber dem Anspruch, der mit diesem Amt verbunden wird, nicht gerecht.

Zwar stehe ich mit dieser Einschätzung nicht alleine da, aber sie beweist im Grunde nur, dass die Einschätzung der Würde des Menschen rein subjektiver Natur ist. Stellt sich natürlich die Frage, warum sich ein schlichtes Gemüt wie ich überhaupt mit dieser Frage beschäftigt. Ich habe dafür mehrere Gründe, möchte aber nur zwei näher beleuchten. Da ist ein Artikel in der FAZ. in der sich der Mitherausgeber Nonnenmacher bitterlich darüber beschwert, dass links- und rechtspopulistische Parteien so großen Zulauf bekommen, weil sie Themen wie die EU, den Euro, den Freihandel benutzen, um die Menschen zu ködern, die gegen diese Themenkomplexe eingestellt sind. Damit erklärt er quasi zwischen den Zeilen, dass diese Menschen nur deshalb gegen diese Einrichtungen sind, weil sie sie nicht verstehen. Das sagt er zwar nicht direkt, bringt es aber bereits in der Einleitung mit den Worten zum Ausdruck:

    Die "Altparteien" in Europa sollten ihnen nicht nachlaufen. Denn die Probleme einer komplizierten Welt lassen sich nicht mit einfachen Rezepten kurieren.

Das wiederum ist aus meiner Sicht ein zu schlichtes Erklärungsmodell und scheint außerdem auch nichts mit Art. 1 Abs. 1 im Grundgesetz zu tun zu haben. Aber hier setzt bei mir die Übersetzung des Begriffs der Würde ein. Für mich ist Würde die praktizierte Form gegenseitigen Respekts und Respekt gegenüber allem und jedem äußert sich auch darin, dass ich auch eine gegenteilige Meinung respektiere, ohne sie damit zwangsläufig auch übernehmen zu müssen. Und das ist meiner schlichten Überzeugung nach das Grundprinzip der Demokratie. Es gibt wohl kaum ein Thema, zu dem alle Menschen die gleiche Meinung haben, also diskutiert man über das Thema und stimmt letztendlich darüber ab. Und dann zählt die Mehrheitsmeinung, die sich nicht nur aus direkter Zustimmung ergibt, sondern auch aus der Abwägung, ob die eigene Meinung mit der anderer voll oder zumindest teilweise übereinstimmt. Respekt ist es dann, wenn ich diese entstandene Mehrheitsmeinung akzeptiere, auch wenn sie mit meiner Meinung nicht übereinstimmt.

Nun wird man mir entgegenhalten, dass dieses Prinzip ja durch den deutschen Parlamentarismus und durch das Wahlsystem verwirklicht wird. Das aber bestreite ich, denn es wird ein scheindemokratisches System aufgebaut. Es beginnt schon bei der Wahl. Durch das zur Hälfte bestehende Verhältniswahlrecht wähle ich eine Partei und kann auf die von der Partei aufgestellten Personen keinen Einfluss nehmen. Das wäre noch akzeptabel, wenn die Parteien bzw. die von ihnen nominierten Parteimitglieder ihren Aufgaben als Legislative gerecht würden. Doch das wird durch das übliche Abstimmverhalten unter Fraktionszwang persifliert.

Einmal gewählt, wird den Wählern jeglicher Einfluss auf politische Entscheidungen genommen, was bereits als Verstoß gegen die Würde des Menschen angesehen werden kann. Kristallisiert sich heraus, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung mit einer anstehenden oder bereits beschlossenen Entscheidung nicht einverstanden ist, wird in der Schweiz die Bevölkerung aufgerufen, die endgültige Entscheidung zu fällen. Das ist Demokratie. In Deutschland hat man allenfalls die Möglichkeit, eine Petition einzureichen. doch dieser Weg ist auch nur eine Geste, die der Bevölkerung den Eindruck vermitteln soll, sie könnten Einfluss auf die Politik nehmen. In der Regel hört man anschließend nichts mehr davon, ausgenommen der Petent. Aber auch der erfährt letztendlich nur, dass man die Petition in die parlamentarische Diskussion einbringen will. Dort endet im günstigsten Fall der politische Einfluss der Bürger.

Schreibt man an Politiker, bekommt man entweder keine oder eine mit Textbausteinen vorgefertigte Antwort, die in vielen Fällen mit dem Inhalt der ursprünglich geäußerten Beschwerde keinen Zusammenhang erkennen lässt.

Wenn sich Herr Nonnenmacher also wundert, dass plötzlich Parteien Zulauf erhalten, die genau das thematisieren, was die Altparteien machen oder unterlassen, obwohl in der Bevölkerung ein breiter Konsens ist, dass darüber mehr und/oder anders diskutiert werden muss, ist das wohl die unsichtbare Hand, die auf Angebote reagiert, die die Altparteien respektlos ignorieren. Dass der Widerstand gegen die EU immer breitere Formen annimmt, sollte selbst Herrn Nonnenmacher nicht erstaunen, agiert man doch dort noch undemokratischer, als in den Nationalstaaten. Und wenn man dann Leute wie Draghi als EZB-Chef einsetzt (warum hat man nicht gleich die EZB an Goldmann Sachs übergeben?) und einen ehemaligen Staatschef eines Stadtstaates zum Kommissionpräsidenten ernennt, der betrügerischen Steuermanipulationen in den umliegenden Staaten Vorschub geleistet hat und schon in der Vergangenheit mit seiner Erklärung, wie "Demokratie funktioniert", seine Respektlosigkeit gegenüber den Bevölkerungen und damit gegenüber den Wählern zum Ausdruck brachte, ist das keine komplizierte, sondern eine ignorante Politik und die wollen sich immer weniger Menschen gefallen lassen.

Der Begriff "Völkerrecht" impliziert im Prinzip das Vorhandensein eines Volkes, Dass es dann auch auf supranationale Organisationen wie die Weltbank und den IWF und weitere kurz nach dem Krieg entstandene Organisationen angewendet werden soll, obwohl ein Volk fehlt, wird vielen Menschen erst jetzt richtig bewusst. Das, so behaupte ich, ist nicht zuletzt dem Internet zu verdanken, mit dem auch sehr viele Informationen verbreitet werden, die von den Mainstream-Medien nicht oder falsch dargestellt werden. Und der Versuch, nun mit der WTO, TTIP, CETA und weiteren dieser Organisationen dem Rechtsstaat sein Recht auf die Gesetzgebung zu nehmen, lässt die Politiker auch in den Augen ihrer früheren Anhänger in einem anderen Licht erscheinen, wenn sie dieses System unterstützen oder wie Merkel und Gabriel sogar noch voran treiben. Immer mehr Menschen erkennen, dass sie zugunsten der Banken und der multinationalen Konzerne ihrer angestammten Rechte beraubt werden sollen. Auch das ist nicht sonderlich kompliziert, denn der so genannte Freihandel entpuppt sich als ein Zwangssystem mit dem Fokus auf eine Diktatur durch Konzerne mittels eingeführter Schiedsgerichte. Das hat weder mit Demokratie noch mit Rechtsstaatlichkeit etwas zu tun.

Wenn Herr Nonnenmacher also befürchtet, dass am Fundament unserer Demokratie gerüttelt wird, sollte er sich mal selbst fragen, ob dieses Fundament nicht von den Altparteien längst abgetragen wurde. Es ist ein alter Hut, dass Methoden nach dem Motto: "Das haben wir schon immer so gemacht!" irgendwann an die Wand fahren, selbst wenn es sich dabei um politische und mediale Aktivitäten handelt.

Eingangs habe ich gesagt, dass ich an zwei Beispielen darlegen will, die den Terminus "Würde" und meine Sicht bzgl. des Zusammenhangs mit dem Respekt zum Ausdruck bringen. Ich denke, viele Leute haben inzwischen gemerkt, dass das Thema Rente Ähnlichkeit mit der Nordsee hat, Es ist geprägt von Ebbe und Flut und momentan haben wir wieder Flut. Und diese Flut ist durchsetzt mit der Respektlosigkeit gegenüber den Rentner durch die einladenden Medien. Die Vorwürfe, die dabei gegen Rentner erhoben werden, sind Attacken auf die Würde der Rentner.

Was ich damit meine? Immer wieder kommt die Zeit, in der das Thema Rente die Medien beschäftigt, vor allem die TV-Medien. Derzeit haben wir das wieder, zuerst bei Plasberg und zuletzt bei Maybrit Illner.

Zur Sendung von Plasberg habe ich schon meine Meinung geschrieben. Zur Sendung von Maybrit Illner habe ich einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Neben den als Gäste eingeladenen "üblichen Verdächtigen" war eine Junge Redakteurin der Rheinischen Post eingeladen worden, die nebenher in der "Interessengemeinschaft Zukunftsfähigkeit (IGZ)" engagiert ist.

Sie ist noch jung und wie ich hoffe, auch lernfähig und das hat mich veranlasst, ihr eine Mail zu schicken:

Guten Tag Frau Buck,

ich habe, wenn auch verspätet, die Sendung mit Maybrit Illner gesehen. Selbst wenn ich einen Fernseher hätte, hätte ich mir die Sendung nicht angeschaut. Das habe ich nur gemacht, weil ich von einem Leser meiner Webseite auf bestimmte Thesen hingewiesen wurde.

Ich schreibe Ihnen, weil Sie aus meiner Sicht die falschen Fragen und auch die falschen Einwände gebracht haben. So wie auch Frau Illner.

Nun, Sie sind Journalistin bei der Rheinischen Post und "Mitstreiterin" in der Interessengemeinschaft Zukunftsfähigkeit. Als solche sollte man vermuten, dass sie in einer solchen Sendung nur auftreten, wenn Sie sich zum Thema ausreichend informiert haben. Doch da habe ich meine Zweifel.

Wissen Sie, das Thema Rente kann man mit Ebbe und Flut vergleichen. Wie die Flut kommt sie in regelmäßigen Abständen, aber immer mit dem gleichen Tenor in die Medien. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum ich zu den Medien ein mehr als ambivalentes Verhältnis habe. Ich sehe die gesamte Medienlandschaft, egal ob Presse oder TV, schon recht lange als so systemkonform an, wie sie es von 33 bis 45 war, wie sie es in der DDR war und auch seit langer Zeit bereits in der BRD ist.

Neben Ihnen waren die "üblichen Verdächtigen" eingeladen worden. Ich möchte mit Herrn Spahn beginnen, der sich nicht zum ersten Male über die Rentner in unzumutbarer Weise auslässt. Ich habe auch Herrn Spahn schon einmal eine Mail geschickt Er hat lieber darauf verzichtet, zu antworten.

Dann wäre da Sven Ingolf Kuntze, der Autor des Buches "die schamlose Generation, Wie wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel ruinieren". Er tingelt derzeit von Sendung zu Sendung, zuletzt bei Plasberg und macht offenbar Werbung für sein (vorgenanntes) Buch. War wohl doch nicht der erwartete Verkaufsschlager. Seine Heuchelei kommt eigentlich erst richtig ans Tageslicht, wenn man seine Vita durchleuchtet. Er hat gerade mal 24 Jahre gearbeitet und regt sich nun darüber auf, dass man Menschen schon mit 63 Jahren in die Rente entlässt, die 45 Jahre zumeist schwere körperliche Arbeit geleistet haben?

Hätte ich auf Ihrem Platz gesessen, hätte ich ihn mal gefragt, wie er sich vorstellt, dass die "schamlose Generation" die Politik hätte ändern sollen, bekommen wir doch gerade in der jetzigen Zeit mal wieder ganz extrem vorgeführt (WTO, CETA, TTIP, TRIPS, Occupy, Stuttgart 21), dass Empörung aus der Bevölkerung ignoriert oder wenn nicht, dann mit Wasserwerfern beantwortet wird.

Statt dem mittelständischen Unternehmer Lutz Göbel hätte Frau Illner vielleicht lieber ihren Mann (René Obermann, in Wirtschaftskreisen auch mit den Spitznamen "Bulldozer oder Dobermann" bekannt) einladen sollen, denn der hätte sicherlich einiges darüber erzählen können, wie sich die großen Konzerne mit Hilfe der Politik seit vielen Jahren älterer Mitarbeiter zu Lasten der Sozialsysteme entledigen und diese Stellen dann nicht durch jüngere Arbeitssuchende neu besetzen, sondern auf die verbleibenden Mitarbeiter abwälzen, wie das die Telekom seit ihrer Privatisierung immer wieder mal macht.

Zu Annelie Buntenbach kann ich nur sagen, dass sie, die wie andere zuvor Posten sammelt, sich im TV immer kämpferisch gibt, aber wie der gesamte DGB (und die großen Gewerkschaften) seit Jahrzehnten vergessen zu haben scheint, aus welchen Beiträgen ihre Pöstchen eigentlich finanziert werden. Das tun inzwischen nur noch die kleinen Spartengewerkschaften wie z. B. die GDL, die wirklich noch das tun, wofür sie einst gegründet wurden und ihre Beiträge bekommen und die deshalb in der gesamten Medienlandschaft und von der Politik auf unzumutbare Weise angegiftet werden. Offenbar hat man auch hier vergessen, was das Grundgesetz dazu sagt. Aktive Gegenwehr (zumindest meines Wissens nach) leistet Frau Buntenbach weder als alternierende Vorstandsvorsitzende der gesetzlichen Rentenversicherung Bund noch als Vorsitzende des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit.

Ralf Stegner hat eigentlich eine schwere Aufgabe. Er soll ausbügeln, was die SPD zusammen mit den Grünen einst ausgekungelt und mit der Agenda 2010 verwirklicht hat. Von der Presse "vernachlässigt" wurde dabei, dass die Agenda 2010 eine regionale Umsetzung der Lissabon-Strategie war und noch nie konnte ich in der Presse etwas über GATS, die Wünsche der WTO zur Privatisierung staatlicher Dienstleistungen, lesen, obwohl das Gesundheitswesen und die Rentensysteme ganz oben auf der Liste von GATS stehen. Und ich gehe davon aus, dass die WTO mit TISA die Gangart von GATS erheblich verschärfen will. Ob der von Illner genannte Eisberg vielleicht GATS genannt wird, auf den man das Rentenschiff beharrlich zusteuert?

Auch zu Maybrit Illner möchte ich noch etwas sagen. Sie ist in der DDR groß geworden und hat dort auch studiert. Heißt es nicht bei den Vorwürfen über das "Unrechtssystem DDR" u. a. auch, dass man für eine Zulassung zum Studium schon ein systemkonformes Verhalten an den Tag legen musste? Und bei ihrem anschließenden Job im DDR-Fernsehen, war das ganz sicher eine Grundvoraussetzung. Und diese Systemkonformität hat sie offensichtlich in die BRD mitgenommen und beweist sie nun im Sinne westlicher Politik. Bei Ihrer Anmoderation hätte sie vielleicht nicht die Titanic als symbolische Sicht auf das Rentensystem verwenden sollen, sondern lieber das Narrenschiff von Reinhard Mey, denn das wäre zutreffender gewesen.

Und nun zu Ihren Äußerungen. Was wissen Sie eigentlich über Rentner oder das Rentensystem wirklich? Haben Sie sich mit dem System mal wirklich befasst und zwar außerhalb der Äußerungen von Politikern und/oder Presse- und TV-Organen? Haben Sie schon mal etwas von der Teufels-Tabelle gehört oder sich vielleicht sogar damit befasst? Haben Sie sich schon mal mit den Fremdlasten befasst, mit denen nur die gesetzliche Rentenversicherung belastet wird (die Mütterrente und auch die Rente mit 63 gehören auch dazu)? Haben Sie je berücksichtigt, dass die Rentenleistung der Rentner ausschließlich auf den Beitragsleistungen der Rentner beruht, die sie in ihrem Arbeitsleben geleistet haben und das auch die späteren Renten Ihrer Generation nur auf dieser Basis beruhen werden? Haben Sie auch bedacht, dass diese Beitragsleistung im Grundgesetz durch Art. 14 geschützt wird? Haben Sie mal darüber nachgedacht, dass auch die private Rente ein Umlagesystem ist, nur mit dem Unterschied, dass damit zusätzlich die Beiträge der ersten Jahre für Provisionen, Verwaltung und immer die Dividenden finanziert werden (auch die Boni und horrenden Altersbezüge der Vorstände)? Wissen Sie, dass die Steuerbegünstigung für die Riester- und Rürup-Renten von den Rentnern der gesetzlichen Rente finanziert werden (der so genannte Riester-Faktor)? Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, dass die von Ihnen angesprochene Rentenproblematik ausschließlich von der Bereitstellung vernünftig bezahlter Arbeitsplätze abhängt, was aber dank Globalisierung, EU-Politik und Verteilung der Finanzen von unten nach oben politisch unterminiert wird? Und denken Sie auch mal darüber nach, welche Auswirkungen die Niedrigzinspolitik und die Geldschwemme des EZB-Chefs und Goldman-Sachs-Bankers Draghi wohl auf die private Rentenversicherung ausüben wird?

Ich habe auf meiner Webseite nicht nur das Thema Rente thematisiert, sondern auch eine Menge anderer politischer Fehlentscheidungen, sofern es Fehlentscheidungen sind und nicht eine Folge von Zwängen durch die US-Wirtschaft, die Deutschland wie einen Vasallen behandelt.

Schauen Sie sich auch mal die Schuldenstatistik an und sie werden feststellen, dass die größten Schuldenberge von CDU/CSU geführten Regierungen aufgebaut wurden. Und wenn Sie ganz kritisch werden wollen, was angesichts Ihres Engagement für die Zukunft eigentlich Voraussetzung sein sollte, müssten Sie auch mal thematisieren, dass der Kapitalismus auf Verschuldung aufbaut, denn eine Verzinsung ist nicht anders zu erreichen und eine exponentielle Verzinsung führt automatisch zu exponentieller Verschuldung.

Es war Adenauer, also ein CDU-Politiker, der das Umlagesystem eingeführt hat, doch leider nicht als Bürgerversicherung, in die alle einzahlen müssen und damit hat er die steigende Altersarmut der damaligen Rentner abgewendet. Und in Wirtschaftswunderzeiten haben die Politiker begonnen, sich aus den Rentenbeiträgen immer wieder zu bedienen und das ist bis heute so geblieben, wie die Mütterrente beweist, die als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wie so viele andere auch aus Steuermitteln bezahlt werden müsste. Zu keinem der Themen hat man die Bevölkerung befragt.

Wenn Sie sich beklagen, dass die Alten die vorherrschenden Wähler sein werden, muss ich Sie fragen, ob das an den Alten liegt, oder am politischen Desinteresse der Jüngeren, oder sogar an den so oft getätigten und unbewiesenen Behauptungen, dass die Alten diese Parteien wählen. Wen sollten sie sonst wählen? Es gab nur diese 5 Parteien, die die 5%-Hürde überwinden konnten und nun stelle ich eine Behauptung auf, es ist egal, welche der Parteien man wählt, an der Politik ändert sich nichts Wesentliches. Jetzt hat es die AfD geschafft, diese Hürde zu knacken. Aber alle begeisterten Anhänger der AfD werden feststellen, dass diese Partei noch intensiver mit der Wirtschaft verbandelt ist, als die "alten" Parteien und selbst die FDP ist gegen diese Partei noch relativ harmlos.

Die Linke, die Partei ist ja pfui. Darauf bestehen die Altparteien, die TV-Medien und die Politik. Und sie haben ja recht, eine Partei, die so unverblümt die Wahrheit sagt (Sagra Wagenknecht), kann man ja nicht wählen. Uns von Politik und Medien am Ring durch die Nase führen zu lassen, ist schließlich Gewohnheitsrecht.

Zum Schluss noch die offizielle Bevölkerungsstatik des Stat. Bundesamtes. Schauen Sie sich mal die Zahlen an und denken Sie dann mal darüber nach, was es mit der Demographie auf sich hat. Ja die Menschen werden immer älter. Wie sagte Jens Spahn? Wir werden pro Tag 6 Stunden älter. Na, der Mann hat es gut, denn ich werde jeden Tag 24 Stunden älter.

Gesellschaftlich betrachtet spielt sich der Alterungsprozess aber maßgeblich in den Altersgruppen 0 bis 65 Jahre ab, das kann man aus den Sterbetafeln herauslesen, wenn man sie mal genauer durchforstet. Alles andere sind statistische Hochrechnungen, deren Richtigkeit erst dann bewiesen werden kann, wenn wir wirklich gestorben sind.

Und werfen Sie einen Blick in der Bevölkerungsstatistik auf die Zahlen der Alten ab 65 bis zum Ende. Addieren Sie die beiden Rubriken. Aber dann haben Sie nur die Zahl der Menschen im Rentenalter, nicht die Zahl der Altersrentner der gesetzlichen Rentenversicherung. Doch das können Sie über den Daumen gepeilt errechnen. Lt. Statistik haben wir 42 Millionen Beschäftigte, aber nur ca. 28 Millionen davon sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt (das sind 35% der Bevölkerung) und davon wiederum über 8 Millionen in prekären Jobs.

Das bedeutet, unter den 16.517.450 Menschen im Rentenfähigen Alter dürften sich nur 5.781.108 Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung befinden (statistisch gesehen).

BundeslandBevölkerung am 09.05.2011
im Alter von … bis unter … Jahren
unter 33 – 66 – 1515 – 1818 – 2525 – 3030 – 4040 – 5050 – 6565 – 7575 und mehr
Anzahl

Quelle: Ergebnisse des Zensus 2011 .

Baden-Württemberg268.360278.930959.690346.560910.020637.4801.259.8601.737.8402.053.4001.103.480931.040
Bayern311.490319.0601.088.260393.3801.041.530756.2301.525.1302.088.0902.459.3601.323.3301.091.740
Berlin94.33086.990238.40074.440274.470260.850465.470539.300624.090376.200257.840
Brandenburg57.04057.590174.81047.590173.850135.160266.440425.360562.490318.430237.000
Bremen15.63015.55049.84017.82059.32045.94080.330101.550126.94075.35062.580
Hamburg47.62045.450130.90043.820141.060134.370257.370280.230301.700178.660145.520
Hessen151.620154.750516.550182.740478.550355.750734.9301.011.5001.205.160641.090539.170
Mecklenburg-Vorpommern38.70037.360110.08029.160127.370100.870174.080260.510375.550199.690156.610
Niedersachsen185.440196.440714.740259.750631.930417.110874.5101.313.6601.569.480882.870732.060
Nordrhein-Westfalen426.820443.0801.549.970564.7801.463.4701.018.0002.047.4902.945.7503.525.6201.905.9401.647.320
Rheinland-Pfalz94.30097.200344.470128.290336.240225.990442.030667.470841.540428.410383.860
Saarland20.46021.20077.17030.15080.42055.510105.220164.250224.680116.330104.230
Sachsen102.40097.530273.77069.470301.960256.630464.350613.220870.980547.330459.170
Sachsen-Anhalt50.94049.990148.68041.100170.810133.790242.680368.130524.660310.590245.680
Schleswig-Holstein66.43069.670251.46089.450218.880143.510307.830482.230563.490349.080258.080
Thüringen51.07049.390147.31039.190166.310137.250244.130343.590501.650284.460224.230
Deutschland1.982.9502.020.5006.777.1302.358.0006.576.5504.815.1409.493.59013.345.28016.333.0809.041.3207.476.130


mit freundlichen Grüßen

Gert Flegelskamp