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Erstelldatum:12.09.2014

Eine Absage

Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der in Leipzig lebende Schriftsteller, Moderator, Journalist, DJ und Sänger Volker Klaus Tanner, kurz Volly Tanner, eine Einladung des Bundespräsidenten zu einem Empfang erhalten hat und diese Einladung in einem Schreiben an den Bundespräsidenten mit einer bemerkenswerten Aussage abgelehnt hat.

Lediglich ein Teil seiner Aussage fand dabei nicht meine volle Zustimmung und das habe ich in nachfolgenden Kommentar auf seiner Seite ebenfalls veröffentlicht, vor allem, weil das Thema Grenzen derzeit mal wieder eine ganz besondere Rolle spielt. Mein Einwand:

    Sehr geehrter Herr Tanner,

    ein Leser meiner Webseite hat mich über Ihr Schreiben an den Bundespräsidenten informiert, in dem Sie Ihre Ablehnung seiner Einladung zu einem anstehenden Empfang begründen.

    Ich möchte Ihnen danken, haben Sie mir doch damit einen kleinen Hoffnungsschimmer vermittelt, dass auch in der Öffentlichkeit stehende Personen nicht alle den Blick auf das Wesentliche verloren haben.

    Ich gehe mit Ihrer Begründung der Absage völlig konform, bis auf eine Kleinigkeit. Kleinigkeit? Ich weiß nicht, ob das so ist. Sie schreiben, Sie wünschen sich ein Leben ohne Grenzen und dieser Auffassung vermag ich nicht zu folgen. Wir brauchen Grenzen, haben sie immer gebraucht und werden sie immer brauchen. Ich unterstelle dabei, dass Sie mit dieser Aussage auf Ländergrenzen abgehoben haben, doch auch da finde ich diese Aussage falsch und möchte begründen, warum das so ist.

    Was sind Grenzen denn nun wirklich? Zumeist sind es unsichtbare Beschränkungen, aber in vielerlei Hinsicht. Als Eltern beginnen wir, unseren Kindern bestimmte Beschränkungen, also Grenzen, aufzuzeigen, denn jedes Verbot, auch das sinnvolle Verbot ist eine Grenze. Ich, als völlig unreligiöser Mensch, führe hier der Einfachheit halber mal die 10 Gebote an. Diese 10 Gebote sind Grenzen, die angeblich Gott den Menschen als Grundsätze auferlegt hat.

    Jedes Gesetz ist ein Grenze, oder auch die Verschiebung von Grenzen an Stellen, wo eigentlich klare Grenzen gegeben sein müssten. Hier möchte ich das Grundgesetz anführen, welches in Artikel 20 bestimmt, dass alle Staatgewalt vom Volke ausgehe (2) und in Wahlen UND Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt, werde. Eigentlich eine klare Grenzziehung für die Politik und ein Votum für Volksbegehren und Volksabstimmungen äquivalent zur Schweiz. Doch in den Artikel 71 bis 78 wird diese als Grundrecht definierte Grenze verschoben und ausschließlich auf die Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung umgeleitet, was einer Einengung des Volkswillens (falls es so etwas überhaupt gibt) gleichkommt.

    Wie ich eingangs bereits erwähnt habe, bezog sich Ihre diesbezügliche Aussage vermutlich auf Ländergrenzen und ist eine Art Zuspruch auf die öffentlich geäußerten Begründungen für die Europäische Union. Auch hier, so denke ich zumindest, liegen Sie falsch. Bisher war Europa in einzelne Staaten unterteilt und jeder dieser Staaten war (und ist es noch) mit eigenen Regierungen ausgestattet. Die eigentliche Aufgabe dieser Regierungen sollte es sein, die verwaltungstechnischen Angelegenheiten innerhalb jedes dieser Länder zu organisieren, also auch Grenzen zu setzen in Form von Recht und Gesetz und auch deren Einhaltung zu überwachen. Ich denke, Sie wissen, dass schon in diesen Staaten dieses Vorhaben in der Regel in mannigfaltiger Weise persifliert wurde und die Bevölkerungen es versäumt haben, die von ihnen für diese Aufgaben mittels Wahlen abgestellten Personen zur Ordnung zu rufen. Die Folgen davon haben dann die Menschen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder in Form von Kriegen, aber auch in Form von anderen menschenunwürdigen Einschränkungen zu spüren bekommen. Dazu muss man gar nicht in die Vergangenheit schwenken. Ein Blick in die Gegenwart reicht völlig aus.

    Innerhalb aller Gemeinwesen gibt es Eliten oder zumindest solche Menschen, die sich als Elite betrachten und deshalb den Anspruch erheben, für und über andere entscheiden zu dürfen, einfach deshalb, weil sie es können, denn sie sind gebildeter und intelligenter. Zumindest glauben sie das und nehmen sich deshalb Rechte heraus, die sie den aus ihrer Sicht einfachen Menschen nicht zugestehen. Sie missachten Grenzen, die man im Kopf haben sollte und die unter die Rubriken Ethik und Moral fallen. Diese Form der Grenzverletzung machen Sie völlig zu Recht dem Bundespräsidenten zum Vorwurf.

    Es ist seit Menschengedenken das immer gleiche Spiel, das diese so genannten Eliten betreiben. Sie artikulieren ihre Begehrlichkeiten so, dass es in den Reihen der Bevölkerung zu Unsicherheit und anschließend zur Parteinahme führt. Und Parteinahme führt zur Spaltung, das wussten schon die Römer und formulierten es mit "divide et impera" ausgesprochen treffsicher.

    Ich könnte nun mannigfaltige Beispiele dieser Spielchen anführen, aber ich denke, die haben Sie längst selbst erkannt. Ich führe es nur an, um aufzuzeigen, dass die Aufhebung von Ländergrenzen, wie sie angeblich in der Europäischen Union erfolgt sind (aber nicht wirklich) nicht den erwünschten Erfolg zeitigen, der allüberall propagiert und nie verwirklicht wird. Wo bleiben die Interessen des Einzelnen bei TTIP, TISA, GATS? Damit werden die Interessen der Massen missachtet und die einiger Eliten hofiert, zu Lasten der echten Allgemeinheit.

    Je größer ein Staatswesen wird (obwohl die EU ja noch immer kein Staatswesen ist und hoffentlich auch nicht wird), um so anonymer werden die Machenschaften derer, denen wir in Wahlen die Regierung anvertraut haben und die bisher noch nie wirklich die Interessen des Volkes vertreten haben.

    Die Menschen brauchen Grenzen, sowohl physische als auch vor allem geistige und bei letzteren noch wesentlich mehr und wesentlich bessere als die derzeit gültigen. Erst wenn wir mit unserer Selbstüberschätzung aufhören, können wir echte Freiheit erlangen. Aber solange jeder Freiheit als die Grundlage seiner persönlichen Interessen interpretiert, werden wir auf Grenzen nicht verzichten können und echte Freiheit nicht erlangen

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