Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 18.09.2013

Wahlanalyse vorab

Heute war Markttag, für mich immer ein Einkaufstag. Als ich zurück kam, hatte ich eine Begegnung. Dazu eine kleine Vorbemerkung. Ein Anbau neben dem Mietshaus, in dem ich wohne, ist eine etwas höher gelegene Garage mit rund 45 Stellplätzen. Einen davon habe ich gemietet, weil ich meine zwei Räder, die mich hintragen wo ich hin will, nicht den Unbilden des Wetters aussetzen möchte. Schon ein Regenguss würde mir beim Freiluft-parken eine unangenehm feuchte Sitzfläche bescheren.

Um also in die Garage zu gelangen, muss ich eine kleine Anhöhe hoch fahren, die danach wieder nach unten zur Rückseite des Hochhauses führt, wo sich einige weitere Stellplätze für Fahrzeuge und dahinter eine Rasenfläche befinden. Am Fuß der Anhöhe von der Straßenseite her kann ich mit dem Schlüsse das elektrische Garagentor öffnen und muss natürlich einen Moment warten, bis es offen ist. Das war der Moment der Begegnung. Von der Gartenseite her trippelte eine Ratte in meine Richtung, Ich muss gestehen, ich habe Angst vor Ratten, obwohl mir noch nie eine etwas getan hat, ich, um ehrlich zu sein, bisher auch äußerst selten eine zu Gesicht bekommen habe.

Na ja, zwar verfiel ich nicht in Panik, aber ein wenig unwohl war mir schon. Was macht sie wohl, wird sie über mich herfallen? Ich behielt sie also im Blick, während sie mich keines Blickes würdigte, sie trippelte ein paar Schritte von ihrer Seite die Anhöhe hinauf, schnupperte einen Moment an der ans Nebengrundstück angerenzenden Mauer, trippelte ein paar weitere Schritte, schnupperte wieder und wirkte völlig harmlos.

Ich hingegen machte eine erstaunliche Feststellung. Ich fand sie hübsch bzw. putzig, alles andere als bedrohlich. Ihr erging es wohl anders, denn nun schien sie mich zu bemerken. Sie machte kehrt und lief, so schnell sie konnte zurück. Vermutlich haben Sie mehr Zeit mit dem Lesen dieser kleinen Geschichte verbracht, als sie wirklich andauerte.

Nun werden Sie sich fragen, was das mit Wählen zu tun hat. Schlicht gesagt, mir drängte sich der Vergleich zu den Bildern auf den Wahlplakaten auf, die mich auf dem Weg zum Markt angrinsten. Natürlich ist mit bewusst, dass diese Gesichter bzw. ihre Darstellung das Ergebnis tiefschürfender psychologischer Beratung ist, wie die jeweilig dargestellte Person am besten rüberkommt. Trotzdem, ich fand die Ratte hübscher als das, was da von den Plakatwänden auf mich herab grinste (werde aber sicherlich keine Namen nennen). Darunter sind einige Fotos, die ich so abschreckend finde, dass ich diese Leute schon wegen meines ersten Eindrucks nie wählen würde. Zumeist buhlen diese Gesichter ja darum, ihnen die Erststimme zu geben um damit über die Direktwahl in den Bundestag oder in den Landtag von Hessen zu kommen, denn beide Wahlen finden in Hessen ja am gleichen Tag statt. Wie schon gesagt, vermute ich, dass Psychologen bei der Wahl der Plakatbilder eine große Rolle spielen und den Politikern raten; "nimm dieses Foto, darauf wirkst Du so tatkräftig, das kommt beim Wähler an." Na ja, es gibt Leute, die kann man so oft und in so vielen Posen fotografieren, wie man will, ich würde sie dennoch niemals bewusst wählen. Dennoch, Symbolik ist angesagt bei der Auswahl der Bilder, mit denen man den Wähler ködern möchte. Ein Bild soll diese Symbolik besonders verdeutlichen und wirbt in Berlin im Großformat für die CDU:

Nun, ich glaube, wirklich jeder weiß, wen das Bild darstellt. Es ist Angela Merkel und Pispers wird es vermutlich so deuten: "Die ist gespannt, was sie nun sagen werde!"

Aber für Psychologen hat die Handhaltung große symbolische Bedeutung, fragt sich nur, welche. Sie ist schließlich eine Frau und Frauen haben in der Regel keine Hosentaschen, in denen sie ihre Hände verstecken können, wenn sie unsicher sind. Aber ich versuche mich mal an einer psychologischen Deutung. Die Handhaltung deutet eine Raute an. Zwischen den Fingerspitzen tut sich ein großes (imaginäres) Loch auf und das soll sagen: "Wählt mich und ich sorge dafür, dass Ihr in dieses Loch fallt!" Was dann kommt? Woher soll ich das wissen? In keinem Fall etwas, was ich gut finden werde, dessen bin ich mir absolut sicher. Mit ist nämlich völlig egal, was jemand, der kein Handwerker ist, mit seinen Händen macht, wenn er Reden schwingt. Ich achte mehr darauf, ob er etwas sagt und wenn ja, was. Und bei Politikern interessiert mich noch mehr, was sie tun oder getan haben, denn wenn sie Reden halten, haben diese Reden ohnehin andere geschrieben, Psychologen vermutlich, oder sie haben sich selbst Textbausteine aus den CRM-Datenbanken zu dem gesucht, was sie zu sagen versuchen. Es muss ja nicht unbedingt die Wahrheit sein.

Merkel ist Physikerin und war FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda. Physikerin ist längst nur noch ein Hinweis auf ihr Studium. FDJ-Sekretärin ist sie auch nicht mehr, aber Agitation und Propaganda ist das Fach, in dem sie auch in der BRD tätig war und ist. Darin ist sie aus meiner Sicht unübertroffen. Ihre Propaganda richtet sich heute auf den Erhalt des Euro und die Ausweitung der EU und was in ihrer Zeit in der DDR die UDSSR gewesen ist, ist heute die USA. Sie hat keine Probleme damit ihr Fähnchen in den Wind zu richten. Wir müssen sie nun bereits seit 8 Jahren ertragen und ich fürchte, da kommen noch weitere 4 Jahre hinzu. Auch dann, wenn in dieser Zeit die EU als Staatenbund ausgerufen wird, dann wird sie sich in der EU ein ertragreiches Betätigungsfeld suchen und auch bekommen.

Bei german-foreign-policy.com steht ein interessante Bericht über unseren "Elitejournalismus". Das was man da den führenden Journalisten bestimmter Blätter nachsagt, gilt vor allem auch für einen Großteil unserer Politiker, ganz besonders für Merkel und ihre ganze Partei. Doch auch FDP, SPD und Grüne sind nicht besser.

Aber Wahlen haben ja eine ganz eigene Dynamik, heißt es. Aber stimmt das auch? Ein junger Student hat mir eine Ausarbeitung in Excel zukommen lassen, eine intensive Ausarbeitung der Wahlen ab 1972 an. Ab 1970 durfte ja auch die Jugend ab dem 18. Lebensjahr wählen. Er hat diese Wahlanalyse nicht nur insgesamt, sondern auch nach Altersgruppen aufgestellt. Diese Datei enthält mehrere Mappen. Ich weise extra darauf hin, weil es mir bei der ersten Inaugenscheinnahme entgangen ist.

Was aus der Datei ersichtlich wird, ist vor allem, dass die Wahlbeteiligung fast bei jeder Wahl geringer geworden ist. Auch erkennbar wird, dass die wohl "treuesten Wähler" die Alten sind. Natürlich wird nicht erkennbar, welche Partei sie gewählt haben.

Um den Durchblick ein wenig zu beschleunigen, versuche ich den Aufbau von der ersten Mappe zu erklären. Fett angezeigt wird die Zahl der gültig abgegebenen Stimmen und die folgenden Zahlen oder auch die davor eingetragenen Zahlen definieren die Zu- oder Abnahme bei der Wahlbeteiligung zum jeweils in der obersten Zeile angegebenen Wahltermin. Zuerst wird das als Gesamtergebnis dargestellt, anschließend nach Altersgruppen, das Stat. Bundesamt würde wohl von Kohorten sprechen. Die Wahlergebnisse der einzelnen Wahljahre sind in Form eine Treppe mittig und fett dargestellt, die Zahlen davor die Differenz zu den vorangegangenen Wahlen, die Zahlen dahinter die Differenz zu den danach abgehaltenen Wahljahren.

In Mappe 2 wird versucht, eine Tendenz für 2013 darzustellen, aber dank einiger Ereignisse (Snowden, NSA und Syrien) kann man damit u. U. völlig danebenliegen, denn dank Snowden haben zumindest einige Menschen in diesem Land wieder angefangen, selber zu denken. Aber natürlich kann es auch sein, dass noch mehr Menschen sich den Weg zum Wahllokal sparen oder, bei Abwesenheit auch keine Briefwahl durchführen. Der Einfachheit halber nennen wir sie "Nichtwähler". Doch es sollte endlich mal klar werden. Es gibt sie nicht, die Nichtwähler, sondern nur Leute, die keine Wahlzettel ausfüllen oder sie ungültig machen. Wählen tun sie dennoch, wenn auch ungewollt und davon profitieren im höchsten Maße die großen Parteien.

Der Verfasser der EXCEL-Datei hat auch mal dargestellt, was passieren würde, wenn jeder seinem Wahlauftrag nachkommen und jeder Zweite davon die so viel geschmähte Linke wählen würde, die einzige Partei, die wirklich Oppositionspolitik betrieben hat. Aber diese Partei kann man ja nicht wählen, das sind ja alles DDR-Schergen. Komisch finde ich nur, dass man dann Merkel zur Kanzlerin machen konnte und auch in den ganzen Parteiapparaten so viele Ex-DDRler unterkommen konnten, die sich in der DDR in den als Blockflöten bezeichneten anderen Parteien politisch betätigten und sicherlich so mancher von ihnen auch durchaus kooperativ mit dem DDR-Regime zusammengearbeitet hat, während die Leute in der Linken aus dem Westen vor allem aus Mitgliedern der Gewerkschaften und der SPD bestehen, die den Sozialabbau durch Grüne und SPD in der Schröder-Ära nicht mitmachen wollten.

Ja, dieses Mal könnten die Wähler sich anders entscheiden und auch wieder mehr Leute zur Wahlurne gehen. Könnten, aber die Bayernwahl hat eigentlich gezeigt, dass die Wähler offenbar nicht lernfähig sind und warum soll das bei der Bundestagswahl oder der Hessenwahl anders sein? Dabei würde ich mich so gerne mal positiv überraschen lassen. Werfen Sie mal einen Blick auf die EXCEL-Datei und dann denken Sie mal darüber nach, um wie vieles unsere Politik anders ausfallen könnte, würden alle erkennen, dass Wählen ein Teil der Mitverantwortung eines Jeden am Wohl des Staates ist und das man eigentlich keine Parteien wählen sollte, denen das Wohl der Banken mehr am Herzen liegt, als das derer, die sie gewählt haben und die kontinuierlich das gesamte Sozialsystem an die Wand fahren, damit es sich private Konzerne krallen können.