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Erstelldatum: 15.12.2013

Votum der SPD-Parteimitglieder

Nun ist es vorbei. Die SPD-Mitglieder haben abgestimmt und sich mit großer Mehrheit für die GroKo ausgesprochen. GroKo wurde bereits von der Gesellschaft der deutschen Sprache zum Wort des Jahres gewählt. Gibt es diese Gesellschaft überhaupt und wer sitzt dort an den Hebeln? Denn GroKo ist eindeutig kein Wort, sondern ein Abkürzung und wenn überhaupt, hätte man es zum Unwort des Jahres erklären müssen, aber das wird wohl erst in nächster Zeit einer Menge Menschen in diesem Land bewusst werden.

Allerdings, wenn man die inzwischen geläufigen Amerikanismen in der Sprache betrachtet, die ja auch mit Abkürzungen durchsetzt sind, ist die Abkürzung GroKo schon anders zu sehen. Nur sollte sich dann diese Gesellschaft nicht Gesellschaft der deutschen Sprache nennen, sondern Gesellschaft der Amerikanisierung der Sprache.

Doch zurück zur Abstimmung. Die Presse überschlägt sich mit Superlativen über Gabriel. König der SPD, Superparteichef und Superminister, so die Presse und die SPDler sollten darüber mal nachdenken, denn diese Superlativen kommen aus den Federn der Redakteure der rechts-gerichteten Presse. Aber natürlich kann ich auch falsch liegen, weil ich immer noch dem Mythos anhänge, das normale SPD-Mitglied sei links orientiert und würde sich für die Belange der Bevölkerung interessieren.

Die Auszählung der Abstimmungsbelege wurde von einer angehenden Ministerin geleitet und in meiner paranoiden Vorstellung von 40 strammen Gabriel-Anhängern ausgeführt. Da habe ich mir dann die Frage gestellt, ob wir für jede Art von Wahlen nicht künftig wirklich neutrale Beobachter bereitstellen sollten, falls es überhaupt neutrale Beobachter gibt. Dabei dachte ich auch an die Zeitungsartikel über die Jungsozialisten, die sich einstimmig gegen den Vertrag aussprachen und immerhin 70.000 Mitglieder haben. Aber ich weiß natürlich nicht, wie viele der Mitglieder der Jungsozialisten überhaupt schon stimmberechtigt sind und ob sie wirklich so abgestimmt haben, wie es die Kaderchefs verlauten ließen. Wäre das nämlich der Fall, dann wäre das Abstimmungsergebnis wirklich mysteriös.

Dann habe ich aber Kowalskis Monolog in der Rationalgalerie gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es bei den SPD-Mitgliedern vermutlich einfach zu viele Kowalskis gibt.

Als ich angefangen habe, politische Beiträge zu schreiben, habe ich noch geglaubt, es reiche, den Menschen Anreize zu geben, die eigenen grauen Zellen nicht nur spazieren zu tragen, sondern auch zu nutzen und dabei geglaubt, das könne sich dann wie ein Schneeballsystem ausbreiten. Ich habe mich geirrt, weil ich einige tausend Jahre Geschichte ignoriert habe, eigentlich ein bestechender Beweis, dass das nicht funktioniert. Allerdings war ich naiv genug, zu glauben, es habe in der Geschichte einfach nur an der fehlenden Information gelegen. Ich habe wohl nicht verstanden, dass selbständiges Denken vor allem auch von den analytischen Fähigkeiten des Einzelnen abhängt. Diese analytischen Fähigkeiten zu wecken gelingt allenfalls in Einzelfällen, aber eine Mehrheit wendet sich entsetzt ab, wenn man sie mit der Idee konfrontiert, selber zu denken und Informationen zu analysieren. Es ist wohl auch zu viel verlangt, schließlich bekommt man ja durch Presse und Fernsehen gesagt, wie man zu denken hat und warum man so denken muss. Und wenn man dann zusätzlich in den privaten Fernsehkanälen täglich vorgesetzt bekommt, dass es ja Menschen gibt, die noch viel schlimmer als man selbst sind oder zumindest schlimmer als man selbst dran sind, vergeht einem natürlich auch die Lust, einmal zu analysieren, welche Auswirkungen die Politik auf das eigene Leben wirklich hat und das nicht nur in Einzelfällen, sondern permanent. Und wenn man dann tatsächlich mal Frust schiebt, kann man den ja in den Kommentarspalten der Online-Presse ablassen und da finden sich mit Sicherheit andere, mit denen man sich fetzen kann, ohne dabei zu bemerken, dass man da auch leicht eine versehentlich aufgetretene eigene Sicht ganz schnell wieder verliert. Zurück bleibt das befriedigende Gefühl: "Denen habe ich es aber gegeben", ohne dass man merkt, dass man die eigene Sicht dabei auch aus den Augen verloren hat und es vor allem sich selbst "gegeben hat".

Mein erster Gedanke war, im Falle einer Abstimmung pro Großer Koalition seitens der SPD-Mitglieder meine Seite stillzulegen. Aber bei dem Gedanken daran ist mir klar geworden, Dass diese Seite auch mit einer gehörigen Portion Selbstsucht betrieben wird, denn sie hat für mich auch die Funktion eines Blitzableiters. Ich kann durch das Schreiben meinen Frust abbauen, meinen Geist wach halten und mich hin und wieder selbst auf die Schulter klopfen. Und ich habe immer eine Ausrede, wenn ich längst fällige Arbeiten auf die lange Bank schiebe. Gründe genug, mit dem Schreiben nicht aufzuhören. Außerdem erwarte ich eine spannende Legislaturperiode, Eine von den Laien, pardon, von der Leyen (wo ist da der Unterschied) als Kriegsministerin (das, was die Bundeswehr heute praktiziert, hat mit Verteidigung nichts zu tun, weshalb der Begriff "Verteidigungsministerium" geächtet gehört). Ich erwarte, dass die Presse für sie den Begriff der Amazone in Zukunft häufig verwenden wird, was natürlich absolut falsch wäre, schließlich waren die Amazonen der Sage nach Kriegerinnen und keine Schwätzerinnen, die andere in den Tod schicken.

Ansonsten ist die Postenbesetzung durch die CDU/CSU noch reine Spekulation und diese Art der Spekulation ist wohl das Stammtischgeplauder von Journalisten, die aus "sicherer Quelle" etwas aufgeschnappt haben. So heißt es das Innenministerium würde wieder an de Maizière vergeben. Wenn das stimmt, dann wohl, weil Merkel der Ansicht ist, dass de Maizière einfach besser versagt hat, als Friedrich. Es gibt sogar Gerüchte über ein "Internetministerium" und dafür Friedrich als Minister. Das halte ich keineswegs für unmöglich, denn es geht ja nicht an, dass man im Internet über Kanzler, Minister und Abgeordnete immer wieder Wahrheiten schreibt, die die Presse verschweigt. Dagegen muss doch etwas getan werden. Andere wieder verorten Friedrich ins Landwirtschaftsministerium und Ramsauer soll gänzlich weg vom Fleischtopf sein. Das könnte zwei Gründe haben. Entweder soll das Maut-Thema, das Ramsauer angestoßen hat, wieder eingeschläfert werden, oder Seehofer will es als sein Kind vermarkten.

Aber jetzt ist Sonntag, 18:10 Uhr und wer weiß, vielleicht wissen wir in wenigen Stunden schon mehr, welche Leute die nächsten 4 Jahre alle Katastrophen offiziell zu verantworten haben, denn die dahinter stehende Lobbyisten bleiben wie immer anonym.