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Erstelldatum: 11.05.2013

Traditionell, konservativ, intelligent und klug

Eigentlich war es erneut die Sicht eines Lesers, die mich veranlasst hat, über Begrifflichkeiten nachzudenken. Ich sage es vorweg, dies wird ein subjektiver Beitrag, meine Sicht der Dinge, vor allem bezogen auf das Hier und Heute.

Ein Leser schrieb mir:

    Zum letzten Satz möchte ich noch bemerken:

    Das war schon immer so, Traditionen müssen doch erhalten bleiben. Dies kann man auch als ékonservieren' bezeichnen, daher die Bezeichnung "Konservative Partei", es werden die Macht- und Besitzverhältnisse (Privilegien) konserviert.

Ich bin nicht ganz dieser Ansicht, denn Tradition ist aus meiner Sicht vor allem überliefertes Brauchtum, das sich meist relativ regional gebildet hat und bewahrt wird. Bezogen auf meinen letzten Beitrag (Angriff auf Ihr Konto) ging es bei der Verwendung des Begriffes "Tradition" darum, dass immer die breite Masse auszubaden hat, was die herrschende Clique verbockt.

Der Terminus "konservativ" leitet sich aus meiner Sicht von "konservieren", also haltbar machen ab. Wenn ich dabei die heutige Praxis mit der vergangenen Praxis vergleiche, hat es bei der Konservierung gravierende Änderungen gegeben. Früher hat man Dinge haltbar gemacht, indem man sie getrocknet, geräuchert oder gepökelt hat. Auch Einkochen war ein beliebtes Instrument der Haltbarmachung. Heute hingegen ist eine Konserve vor allem eine Blechdose, auf deren Inhaltsangaben eine Menge chemische Zutaten angegeben werden, vielfach Zutaten, deren Auswirkungen und vor allem Wechselwirkungen ganz bewusst nur oberflächlich untersucht wurden. Trotz dieser oberflächlichen Untersuchung sind einige dieser Zutaten bereits dafür bekannt, dass sie Krankheiten wie z. B. Allergien auslösen können. Natürlich ist man verantwortungsbewusst und beschränkt die Menge der Zutaten auf ein unbedenkliches Maß. Wenn ich das lese, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich will ein Beispiel anführen, das vielleicht nicht den Kern der Aussagen trifft, aber gut in die heute übliche Diskussion passt.

In der Presse liest man regelmäßig, wie viele Menschen jährlich durch das Rauchen sterben und wie viel Menschen bereits durch das Passivrauchen. Deshalb hat sich eine breite Front entwickelt, die mit missionarischem Eifer versucht, den Menschen dieses Übel abzugewöhnen. Auch, weil diese Raucher ja das Gesundheitssystem über Gebühr belasten. Was aber offenbar niemandem auffällt, in der Filmwirtschaft wird heute gequalmt auf Teufel komm raus. Das scheint niemanden zu stören, wenn es die Guten sind, die sich einen Glimmstengel nach dem anderen anzünden. Vorbildfunktion ist da offenbar nicht gefragt. Doch das ist nebensächlich. Wir bekommen von der Presse Zahlen geliefert, wie viel Menschen am Rauchen gestorben sind, Was fehlt, sind Angaben, in welchem Alter und worauf die Erkenntnis beruht, dass Rauchen oder Passivrauchen die Todesursache war. Ich rauche seit Jahrzehnten und wenn alle Nichtraucher so oft zum Arzt gehen würden wie ich, käme unser Gesundheitswesen mit 20% der derzeitigen Einnahmen gut über die Runden, hingegen würden viele Ärzte Hartz IV beantragen müssen. Ein ehemaliger Bundeskanzler und seine inzwischen verstorbene Frau (Schmidt und Loki) sind bzw. waren Kettenraucher und dabei ordentlich über dem Durchschnitt alt.

Ich will hier nicht für das Rauchen werben, denn es ist sicherlich ungesund. Aber es ist auch ein Beweis, dass Mengenangaben für etwas Ungesundes absolut irrelevant sind. Dem einen macht es nichts aus, wenn er täglich etwas isst, was eigentlich gesundheitsschädlich ist, bei dem anderen genügen bereits geringe Dosen, um ihn krank zu machen. Und dass Allergien auf dem Vormarsch sind, dürfte unbestritten sein, ebenso wie andere mögliche Nebenwirkungen der heutigen chemischen Substanzen, mit denen man Konserven haltbar macht.

Übertrage ich das auf die Sichtweise bei Parteien, dann sind konservative Parteien heute so zu sehen, wie die Konserven beim Discounter und auf dem Wahlzettel müsste wie auf der Zigarettenpackung stehen, das die Wahl dieser Partei schädlich sein kann. Leider muss man dabei anmerken, dass wir nur noch konservative Parteien haben, egal ob man sie als rechts oder links bezeichnet.

Und da kommen wir zum Begriff der Tradition. Ein großer Teil der Wähler wählt traditionell (teilweise seit Generationen) immer die gleiche Partei. Das macht die Parteien SPD und CDU/CSU zu den Parteien, die die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Sind diese Wähler unzufrieden mit "ihrer" Partei, dann verzichten sie eher auf die Wahl, als eine alternative Partei zu wählen und berufen sich, fragt man sie nach dem Warum, darauf, dass es keine Alternative gäbe. In diesem Jahr ist Bundestagswahl und da könnte es allerdings anders kommen, denn ein Licht hat sich am Horizont aufgetan. Ein Komet mit Namen AfD ist am Himmel erschienen und etliche Wähler und auch Nichtwähler werden diesem Kometen ihre Stimme geben. Erst zu spät werden sie feststellen, dass dieser Komet auf Kollisionskurs ist und wenn er wirklich einschlägt, wird das Katastrophenszenario in diesem Lande erheblich erweitert.

Doch das nur nebenbei. Die Presse ist ja derzeit ziemlich aktiv, was kostenlose und oft auch diffamierende Wahlwerbung für unsere etablierten Parteien angeht. Amüsant finde ich, dass pünktlich zur Wahl ein Buch angekündigt wird. Focus Online titelt den Bericht darüber Neues Buch über Merkels unbekanntes Leben in der DDR. Amüsant finde ich das, weil das alles sicherlich nicht neu ist. Wer in der DDR ins westliche Ausland reisen durfte, wer die Möglichkeit bekam, in Moskau zu studieren und wer als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda dafür zuständig war, die Jugend der DDR auf das System auszurichten, gehörte zum Kader derer, die mehr als 100% zu diesem System stand. Doch das ist lange bekannt. Trotzdem liest man dann in den Kommentaren, es ginge nur darum, die Kanzlerin zu diffamieren, obwohl sie als Kanzlerin einen hervorragenden Job mache. Doch genau das wird in diesem Land sicherlich sehr unterschiedlich gesehen und die, die solche Kommentare verfassen, sind vermutlich Profiteure dieser Politik der Merkel. Ich bin mir sicher, auch in der DDR gab es etliche Leute, die die Politik eines Honecker oder eines Ulbricht gut fanden. Findet man nicht meistens das gut, von dem man profitiert?

Heute ist Merkel die Spitze einer als konservativ bezeichneten Partei und in ihren Reihen sind nicht wenige, die früher in der DDR lebten und nicht durch Kampf gegen den angeblich dort betriebenen Sozialismus aufgefallen sind. Doch dafür sind die Wähler dieser Partei blind. Sie sind "konservativ" eingestellt und als solche wissen sie nur immer wieder darauf zu verweisen, dass die Linke ja eine DDR-Partei sei. Man könnte darüber sagen, wer in der Nase eines anderen bohrt, wird die Popel in der eigenen Nase nicht gewahr.

Machen wir uns nichts vor, die DDR ist seit über 20 Jahren Geschichte und weil sich die Menschen in der Regel an neue Verhältnisse relativ schnell anpassen, hat dies auch die Merkel und zwar sehr erfolgreich getan. Aber auch die Linke hat sich an die Gegebenheiten des Westens angepasst, was ihr die einen zum Vorwurf machen, während die anderen sich weigern, das zu sehen. Auch diese Form der Blindheit kann man getrost als Tradition ansehen. Völlig ignoriert von den "Konservativen" wird der Umstand, dass der Teil ehemaliger DDR-Bewohner in der Linken ohnehin nicht überwiegend ist, weil durch die Fusion mit der WASG viele "Wessis" in der Partei vertreten sind.

Und weil ich gerade dabei bin, möchte ich auch ein paar Worte über Intelligenz und Klugheit sagen. Kein Zweifel, es gibt eine Menge intelligente Menschen in diesem Land, ein Privileg, das ich auch Politikern nicht abspreche. Aber ist Intelligenz ein Gradmesser, wie klug intelligente Menschen sind? Sie müssen klug sein, denn sie sind in der Lage, komplizierte Berechnungen anzustellen, imposante Bauwerke zu errichten, Staudämme zu bauen, Waffensysteme mit verheerenden Wirkungen zu entwickeln, unbemannte Drohnen zu bauen und einzusetzen, Atomkraftwerke zu bauen und vieles mehr. Doch man möge mir verzeihen, wenn das Klugheit ist, dann wären die Menschen besser dumm geblieben.

Wenn ich mich so umschaue, dann haben wir alles, was in dieser Welt im Argen liegt, intelligenten Menschen zu verdanken. Doch der Blick dieser intelligenten Menschen scheint nur auf ein Ziel gerichtet zu sein, die persönliche Macht und der persönliche Gewinn. Klug ist das selten. Dieses Europa zu konzipieren, war auf den ersten Blick eine kluge Idee. Aber es wurde von intelligenten und nicht von klugen Menschen gebaut, ein Europa, das zwar in den Aussagen dem Wohle der Menschen dienen soll, aber geblieben ist, wozu es anfänglich konzipiert wurde, eine Wirtschaftsgemeinschaft mit ausschließlicher Konzentrierung auf Gewinnmaximierung. Die so genannte Lissabon-Strategie besagte, dass man Europa bis 2010 zur stärksten Wirtschaftsmacht der Welt machen wollte. Für dieses Ziel wurden die Menschen in diesem Europa nicht weiter beachtet, sondern es wurden Opfer zur Erreichung des Ziels gefordert. Schröders Agenda 2010 ist eine der Maßnahmen infolge der Lissabon-Strategie. Man führte den Euro ein, eine intelligente, aber sicherlich nicht kluge Maßnahme. Kluge Leute haben schon bei der Einführung vor den Folgen gewarnt. Aber intelligente Menschen hören nicht auf kluge Menschen. Vor allem die südlichen Länder bekommen das nun zu spüren. Mein Eindruck ist, dass intelligente Menschen sich ein Ziel vornehmen und ungeachtet aller Zweifel dieses Ziel auf direktem Wege ansteuern. Ein Tunnelblick, der Risiken und Nebenwirkungen stets ignoriert.

Ich möchte jetzt gar nicht im Einzelnen aufführen, was alles von intelligenten Menschen erdacht und erfunden wurde und sich im Laufe der Zeit als schädlich und kontraproduktiv erwiesen hat. Doch eines scheint mir gewiss, intelligente Menschen sind dabei, diesen Planeten sicher und nachhaltig zugrunde zu richten. Da schreien einerseits die Menschen, dass wir das Klima verändern und beweisen das mit Computersimulationen, komplizierten Berechnungen und jeder Menge theoretischer Beweise. Gleichzeitig aber stoppen sie nicht die Abholzung der Regenwälder, verhindern nicht die Ausbreitung der Monokulturen durch Anbau von Pflanzen (z. B. Palmölplantagen), deren Erträge nicht der Ernährung, sondern der Verfeinerung von Produkten dienen, die wir eigentlich nicht brauchen, aber kaufen, weil uns die Werbung sagt, dass wir ohne diese Produkte gar nicht leben können. Wir rotten immer mehr unserer Mitgeschöpfe aus. Das ist traurig, aber sie müssen eben den menschlichen Bedürfnissen weichen. Orang-Utas, Flachland und Berggorillas, Tiger, um nur 3 Arten zu nennen, gehören zu den so genannten bedrohten Tierarten und wir werden aufgerufen, für die Erhaltung ihres noch verbliebenen Lebensraums zu spenden. Andererseits macht man keinerlei Anstrengungen, den Ursachen für die Bedrohungen dieser Tierarten Grenzen zu setzen, nämlich den sich wie Kraken ausweitenden Unternehmen, geführt von intelligenten Menschen, unterstützt von intelligenten Politikern und betrieben von eher stumpfsinnigen Arbeitern und Angestellten, die den allseits bekannten Satz "Ich kann ja doch nichts machen" permanent parat haben und als Ausrede benutzen, dass sie sich an diesem Raubbau beteiligen.

Politiker warnen uns vor der Altersarmut, wenn wir nicht privat vorsorgen und diese private Vorsorge wandert dann in Kanäle, von denen wir nichts wissen und, wenn wir ehrlich sind, auch nichts wissen wollen, denn dann würden wir den privaten Vorsorgern ihre Produkte um die Ohren hauen, wenn wir klug wären. Viele von uns machen sich Sorgen um den Klimawandel, dabei ist das unnötig, denn bevor der eintritt, haben wir schon längst unseren Planeten unbewohnbar gemacht. Dafür haben wir wesentlich mehr und vor allem sichere Möglichkeiten.

Wir überfischen die Meere, aber das reicht uns noch nicht. Wir vergiften und verschmutzen sie zusätzlich, aber die Experten, die das beweisen, sind eher selten anzutreffen und wenn, dann werden sie nicht gehört oder niedergeschrien. Wir haben uns daran gewöhnt, der intelligenten Elite zu vertrauen, weil sie die erforderliche Bildung haben. Aber wo wird auf diesem Planeten den Menschen beigebracht, klug zu handeln? Mir fällt da nichts ein. Und weil die Intelligenten Menschen auf diesem Planeten die Macht und die Mittel haben, richten wir immer schneller diesen Planeten zugrunde. Nur kluge Menschen würden Abstand von Möglichkeiten nehmen, die zwar Gewinne versprechen, aber gleichzeitig Zerstörungen anrichten, die wesentlich teurer als die damit erwirtschafteten Gewinne sind. Der Bau von Atomkraftwerken war das Werk intelligenter Menschen und äußerst dumm. Der Bau von Atomwaffen wurde von Intelligenten Menschen ermöglicht und war äußerst dumm. Den Bau von allen möglichen Waffensystemen haben wir intelligenten Menschen zu verdanken und wie dumm das war, erkennen wir vermutlich immer erst dann, wenn diese Waffen auf uns gerichtet sind.

Das ließe sich beliebig fortsetzen, aber ich denke, wir sollten lieber mal darüber nachdenken, ob wir Menschen wirklich die Krone der Schöpfung sind oder ob nicht alle sonstigen Kreaturen auf diesem Planeten viel klüger als wir sind, weil sie nichts tun, was ihren eigenen Lebensraum vernichtet.

Wie geht noch der Witz? Mars und die Erde unterhalten sich und die Erde jammert: "Ich habe Menschenbefall!" der Mars tröstet die Erde und sagt: "Keine Sorge, das löst sich von selbst."