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Erstelldatum: 10.12.2012

Sinnkrise

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da war ich soweit, meine Seite hinzuschmeißen, weil ich sie als zwecklos angesehen habe. Ich habe es nicht getan, weniger weil ich von vielen Seiten angeschrieben wurde, meinen Entschluss nochmal zu überdenken, sondern mehr aus dem Grund, dass ich meinen Mund nicht halten kann.

Jetzt habe ich seit nunmehr fast 3 Wochen nichts mehr geschrieben und wurde schon gefragt, ob ich krank sei. Nein, bin ich nicht, aber ich habe mal wieder eine Art Sinnkrise. Manch einem mag das wie eine Novemberdepression erscheinen, aber das ist es aus meiner Sicht nicht, denn ich neige nicht zur Depression. Ich hatte einfach keine Lust, über das zu schreiben, was die "Welt" laut Pressemeldungen so bewegte. Sollte ich über die Wiederwahl von Obama in den allgemeinen Freudentaumel einfallen, der, wenn man der Presse Glauben schenken darf, die Deutschen befallen hat? Wohl kaum, denn aus meiner Sicht macht es keinen Unterschied, ob ein Republikaner oder ein Demokrat zum Präsidenten der USA gewählt wird, weil ich die Wahlen in den USA ohnehin als Farce betrachte. Regieren tut in den USA das Kapital und eine ihrer Speerspitzen ist dabei Goldmann Sachs. Schaut man sich dabei die so genannten Berater des Präsidenten Obama an, sind das durch die Bank Hardliner aus den Reihen beider Gruppierungen. Würde Obama beim Lügen die Nase wachsen, könnte man ihn als Wiedergeburt von Pinoccio bezeichnen. Leider fehlt ihm diese Eigenart, was es schwerer macht, seine markigen Sprüche als Floskeln zu entlarven.

Oder sollte ich über den erneuten Konflikt im nahen Osten schreiben? Das darf ich doch nicht, denn ich bin Deutscher und damit in alle Ewigkeit mitverantwortlich für das Massaker der Nazis an den Juden. Aber darauf pfeife ich! Ich habe nichts gegen Juden und habe auch keine umgebracht, wie sollte ich auch, habe ich doch bisher erst ein einziges Mal bewusst einen Juden kennengelernt. Er war als Praktikant in "meiner" Firma und ich fand ihn nett und habe mich sehr gut mit ihm verstanden. Aber Israel setze ich nicht mit den Juden gleich. Israel ist ein Staat und alles andere als friedliebend. Auch wenn sich Israel gerne als einzige Demokratie im nahen Osten bezeichnet, sehe ich diesen Staat als ein Apartheid-Regime übelster Sorte an. Ein Staat, der seit 50 Jahren seine Agenten losschickt, um unliebsame Menschen zu ermorden (gezielte Tötung), ist auch kein Rechtsstaat, aber diese Spielart ist ja trotz aller Illegalität modern, auch die USA machen das ganz unverblümt, hat es doch erhebliche Vorteile, weil man den Opfern Dinge nachsagen kann (siehe bin Laden), ohne dass sich diese verteidigen können. In der Vergangenheit waren es nur Verbrecherorganisationen wie die Mafia oder die Triaden, die so Zeugen beseitigt haben. Wenn das heute auch Staaten machen, finde ich das mehr als bedenklich. Sicher, man liest ja immer von den vielen auf Israel abgeschossenen Raketen, aber ich zähle mehr die Toten und da ist das Verhältnis sehr zuungunsten von Israel. Und sieht man nun als Folge der UN-Abstimmung pro Palästinenser-Staat die Reaktion von Netanjahu, wird deutlich, dass es Netanjahu ist, der jeden Friedensprozess boykottiert, mal mit Raketenangriffen, mal mit Neubauten auf Palästinensergebiet.

Eine Frage stelle ich mir ohnehin in letzter Zeit immer öfter: Gäbe es Israel überhaupt, wenn Hitler nicht gewesen wäre? Vor dem Holocaust waren nämlich die Meinungen über einen Staat Israel in der westlichen Welt sehr unterschiedlich. Auch halte ich den Begriff des "Antisemitismus", den man mir vermutlich nun nachsagen wird, für fehl am Platze. Ich glaube nämlich, dass es unter den Arabern mehr "Semiten" gibt, als unter den Juden. Die Juden wurden nach der Diaspora 586 in alle Welt verstreut und haben sich im Laufe der Jahrhunderte wohl weit stärker vermischt, als z. B. die Deutschen. Für mich sind die Juden keine Volksgruppe, sondern eine Glaubensrichtung, nicht anders als Christen oder Moslems. Die über Jahrhunderte währende Judenverfolgung ist ihrem Ursprung nach vermutlich durch die christliche Kirche erfolgt, die den Juden die Ermordung Christi zur Last legte. Ein unsinniger Vorwurf, denn Christus war Jude und seine Kreuzigung erfolgte durch die Römer und war aus römischer Sicht etwas ganz "Normales", wenn man Störenfriede beseitigen wollte. Doch das, was Israel heute mit den Palästinensern macht, ist auch nicht besser und Rache war noch nie ein guter Lehrmeister. Man stelle sich nur vor, Indien oder China würden so etwas mit ihren ehemaligen Kolonialherren machen.

Was wäre sonst noch erwähnenswert gewesen? Etwa die Jubelmeldungen der Presse, mit welchen Geschenken die Parteien die Rentner beglücken wollen? Ich war noch nie (glaube ich zumindest) von partieller Amnesie befallen, erinnere mich also noch an etliche Versprechungen der Parteien vor einer Wahl und das, was dann nach der Wahl geschah. Übertrage ich das auf die nun gemachten Versprechungen, dann sollte man sie eher als Drohung auffassen, denn real wurde zumeist das Gegenteil von dem verwirklicht, was man vor der Wahl versprochen hatte. Hinzu kommt, dass speziell die Rentenversprechen ohnehin eine Mogelpackung sind, denn diesen Anspruch haben Rentner bereits heute durch ihren Anspruch auf aufstockende Sozialhilfe und völlig losgelöst von der Zahl der Jahre ihrer Beitragszahlungen und erst recht ohne zusätzliche Riester-Verträge. Und die Versprechen einer Ursula von der Leyen, diese Riester-Rente würde nicht auf die Zusatzrente angerechnet, ist ebenso glaubwürdig, wie die Versprechungen der Vergangenheit, die man bei den Rentnern bereits seit über 20 Jahren kontinuierlich bricht.

Mir bereitet aber eine andere Entwicklung wesentlich mehr Probleme, eine Entwicklung bei der ich fast in eine Glaubwürdigkeitskrise verwickelt werden könnte. Es ist das, was eigentlich ständig für eine weitgehende Euphorie sorgt, weil man zu Risiken und Nebenwirkungen keine Ansprechpartner hat. Ich spreche von der Entwicklung im IT-Bereich. IT steht für Informationstechnologie und ist die Weiterentwicklung dessen, was man früher EDV oder elektronische Datenverarbeitung nannte. In diesem Bereich war ich fast 4 Jahrzehnte tätig und dieser Job war für mich mehr Hobby als Arbeit. Und nun, nach fast 40 Jahren, plötzlich der Umschwung, weil ich nun auf einmal glaube, dass diese Entwicklung äußerst gefährliche Ausmaße angenommen hat? Ich habe deshalb "meine Zeit" in diesem Beruf mal in einer kurzen Zusammenfassung aufgeschrieben und dann wird vielleicht verständlich, warum ich die Entwicklung nicht vorhersehen konnte, die diese Technik einmal bewirken würde. Diesen Zusammenfassung finden Sie hier.

Von meinen Bekannten werde ich insgeheim als halber Krüppel angesehen, weil ich keinen Fernseher und vor allem kein Handy habe. Ab und zu versuchen sie mich zu bekehren und zeigen mir, welche Möglichkeiten so ein Handy heute bietet. Doch mir bereiten weniger die sichtbaren Vorzüge eines Handys Probleme, als die in keinem Prospekt erwähnten Kleinigkeiten, die den Einsatz eines Handys oder schon das bloße Vorhandensein mit sich bringen. Ein Handy in der Tasche oder (viel öfter) in der Hand ist ungefähr das Gleiche, als wenn ich mir einen Hut mit einer Antenne auf den Kopf setze. Habe ich so ein Gerät und/oder ein Navigationsgerät, kann man mich immer orten, egal wo ich mich zurzeit aufhalte. Im Moment scheint das noch unwichtig zu sein, aber das bleibt nicht so, dessen bin ich mir sicher. Außerdem habe ich die Dinger schon immer gehasst, selbst in der Zeit, als mein Brötchengeber meinte, ich müsse eines haben, von wegen Erreichbarkeit. Ich kommuniziere eben lieber mit den Menschen, als mit einer kleinen rechteckigen Schachtel.

Zugegeben, Navigationsgeräte sind wirklich nützlich und wären vor allem für mich sinnvoll, weil ich einen miserablen Orientierungssinn habe. Aber, ob nun GPS oder das künftige Europäische Galileo- Sattelitensystem, beide dienen vor allem militärischen Zwecken. Die private Navigation ist da nur ein Nebeneffekt, der zusätzliches Geld in die Kassen bringt. Und alles, was mit dem Militär zusammenhängt, hat sich inzwischen zu einer Bedrohung für alle Menschen ausgeweitet. Das Militär entwickelt sich inzwischen zu einem Joystick-Militarismus. Soldaten sitzen vor einem Bildschirm und spielen Krieg, wie sie es vielleicht schon als Kinder vor dem Computer gemacht haben. Der Unterschied ist, dass sie jetzt auf echte Menschen schießen, die vor sich nur Maschinen sehen (wenn überhaupt), auch Drohnen genannt. Ich fand die vom Militär schon eingesetzten Bombengeschwader als bisher feigeste Form der Kriegsführung, aber diese Piloten konnte dennoch vom Himmel geholt werden, gingen also selbst noch ein Restrisiko ein. Die heutigen Roboter und Drohnen toppen das aber noch. Schlimmer noch, sie vermitteln dem Soldaten nicht einmal ansatzweise den Eindruck, sich in einem Krieg zu befinden, sie erleben nicht mehr den Dreck und den Angstschweiß, wenn sie einem der verordneten "Feinde" gegenüber stehen und zumindest teilweise erst in solchen Momenten begreifen, wie schmutzig Krieg wirklich ist. Doch nun sitzen sie geschützt in einem Raum und ballern auf alles was sich bewegt, so wie sie es als Kinder bei den Kriegsspielen am Computer gemacht haben. Die Diskussionen werden dann vermutlich zwischen den Joystick-Soldaten dahin gehen, dass man wetteifert und wohlmöglich Wetten abschließt, wer denn die höhere Abschussquote hatte. Ich erinnere dabei an das Leaks-Video mit den Gesprächen der Hubschrauberbesatzung im Irak, als sie von oben die Reporter abgeknallt haben.

Denkt man über diese Entwicklung nach, fällt noch etwas auf. Die Macht der Feudalherrscher ist weitgehend zerbrochen, im Gegensatz zu einem 2. Feudalsystem, dem Militär. Bei Wikipedia kann man lesen:

    Bei Gründung der Bundeswehr stammten deren Offiziere und Unteroffiziere fast ausnahmslos aus der Wehrmacht - teilweise auch aus der Waffen-SS. Im Jahre 1959 waren von 14.900 Bundeswehroffizieren 12.360 bereits in der Reichswehr oder Wehrmacht zu Offizieren ernannt worden, 300 Offiziere entstammten der Waffen-SS. Alle Offiziere vom Oberst aufwärts wurden durch den Personalgutachterausschuss überprüft, ein Gremium aus 38 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung und nach Bestätigung durch den Bundestag ernannt worden waren.

Bundespräsident war damals Theodor Heuß von der FDP und in der FDP waren zur damaligen Zeit noch ausgesprochen starke Tendenzen zu den Nazis vorhanden. Lese ich dann bei Wikipedia über einen der Offiziere, den Generalmajor Hasso von

Manteuffel,

    1959 wurde er von einem Schwurgericht des Totschlages angeklagt. Er hatte im Jahr 1944 einen Soldaten wegen Feigheit vor dem Feind vor ein Kriegsgericht gestellt, weil dieser während einer nächtlichen Wache die Entführung zweier seiner Kameraden beobachtet, aber weder eingegriffen noch diesen Vorfall gemeldet hatte. Das Kriegsgericht entschied auf Haft, aber Manteuffel ließ den Soldaten erschießen. Manteuffel wurde am 21. August 1959 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, aber bereits nach zwei Monaten auf Fürsprache von Bundespräsident Theodor Heuss freigelassen

dann fühle ich mich in meinen Ressentiments gegen die Militärführungen einmal mehr bestätigt, weil für viele dieser Offiziere das Militär eine Traditionsgemeinschaft ist, oder sollte ich sagen Betonköpfe, die davon leben, dass Spannungen und Kriege nie aufhören und die Politik auch stets in diesem Sinne beraten. Die meisten von Ihnen wurden schon als Kinder in diesem Sinne gedrillt und ausgebildet. Wie, so frage ich mich manchmal, würden wohl psychologische Gutachten wirklich unabhängiger Gutachter ausfallen, wenn sie diesen Personenkreis analysieren müssten?

Noch etwas, was die heutige digitale Welt zu bieten hat, den so genannten Hochfrequenzhandel. Sie wissen nicht, was das ist? Das ging mir bis vor ein paar Tagen auch so, bis ich diesen Artikel in der WELT gelesen habe. Bis zur Lektüre dieses Artikels habe ich noch geglaubt, dass auch der Wahnsinn an den so genannten Finanzmärkten Grenzen habe, doch jetzt habe ich da meine Zweifel. Das, was da im Finanzunwesen in Bruchteilen von Sekunden abläuft, sind Transaktionen heißer Luft, mit denen aber Millionen gewonnen oder verloren werden. Es sind die modernen Hütchenspiele, nur mit riesigen Einsätzen und wenn sie schiefgehen, wer zahlt dann die Verluste? Das ist der Moment, wo sie in den Spiegel schauen sollten, denn dann sehen sie einen der Verlierer, auch wenn der am Spiel nicht beteiligt war. So z. B. ein zweiter Artikel zum Thema in der WELT: Börsen-Panne vernichtet Millionen in Minuten. Da von Pannen zu sprechen, halte ich für weit hergeholt. Börsen sind Spielcasinos ohne Limit und man weiß doch von althergebrachten Spielcasinos, dass da gelegentlich mal die Bank gesprengt wird und genau das ist bei den vorliegenden Beispielen passiert.

Lese ich dann einen weiteren Artikel in der WELT über Die gefährlichen Produkte der Finanzbranche, Stelle ich mir die Frage, nachdem ich die Aussagen des Bankenprofessors Schiereck zu den Verbriefungen gelesen habe:

    "Verbriefungen komplett zu verbieten, wäre deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Schließlich könnten die Banken nur noch einen Bruchteil der heutigen Kredite vergeben, wenn sie die Risiken eines Hausbaukredits 30 Jahre lang in voller Höhe in ihrer Bilanz behalten müssten. Die Folge: Darlehen für Privatleute wie Unternehmen würden wohl unbezahlbar."

Nun rätsele ich daran herum, wie denn die Banken in früheren Zeiten, als es noch keine Derivate, Verbriefungen, Default Swaps etc. gegeben hat, die Kredite für Häuslebauer oder Unternehmen vergeben und die Zeit mit den Risiken in ihren Bilanzen überstehen konnten. Ach ja, ich erinnere mich dunkel, ohne Sicherheiten in mindestens doppelter Kredithöhe gab es keine Kredite. Da scheint der Professor nicht so ganz auf der Höhe zu sein, denn diese Praxis der Banken besteht in Deutschland auch noch heute.

Doch vielleicht sollte ich aufhören, mit darüber Gedanken zu machen, denn die Rettung naht ja 2013 in Gestalt des Duos Merkel/Steinbrück, oder alternativ in Gestalt von Merkel/Trittin, denn es gibt ja noch verlässliche Dinge auf dieser Welt und dazu gehört sicherlich die Lernresistenz der Wähler.