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Erstelldatum: 17.06.2012

von der Leyen und Schlecker-Frauen

Frau von der Leyen ist die wirklich innovativste Ministerin, die mir je untergekommen ist. So hat sie gleich 2 Maßnahmen ins Auge gefasst, den nun arbeitslosen Frauen der Drogeriekette Schlecker Hilfe für eine Umschulung anzubieten. Die erste war die Umschulung zur Altenpflegerin, was ja durchaus sinnvoll erscheint, weil die Damen von Schlecker ja zum einen als Frauen und teilweise auch Mütter für diese Arbeit ja eine quasi genetische Voraussetzung haben (meint Frau von der Leyen) und zum anderen ja bereits Erfahrungen im sanitären Bereich haben. Wer Klopapier verkauft hat, muss schließlich auch wissen, wie man es anwendet, eine, so meint wohl Frau von der Leyen, schon fast ausreichende Qualifikation für die Altenpflege.

Bei diesen Voraussetzungen kann es doch nicht so schwer sein, in einer Umschulung noch mal schnell eben zu lernen, wie man Spritzen verabreicht oder ein Katheder setzt , wie man sie wäscht und badet, sie füttert und da es sich ja um Frauen handelt, haben sie auch naturgegeben bereits die empathischen Fähigkeiten, die in diesem Beruf vonnöten sind. Das Umbetten von bettlägerigen alten Leuten ist dabei sicherlich nicht schwerer, als die zuvor erforderliche Arbeit, die Regale bei Schlecker zu füllen.

Nun soll niemand kommen, und sagen, Frau von der Leyen habe keine Ahnung, welche Anforderungen an einen wichtigen und dabei äußerst schlecht bezahlten Beruf gestellt werden. Schließlich ist sie auch Frau und Mutter und hat sicherlich auch manchmal zugeschaut, wie Kindermädchen eines ihrer Kinder gewaschen oder gefüttert haben. Daher weiß sie wohl um die genetische Veranlagung.

Na ja, ich weiß natürlich nicht, ob sie einen Zusammenhang zwischen Frau und genetischer Veranlagung hergestellt hat, wohl aber den Hinweis darauf, dass es sich eben um Frauen und Mütter handle. Das, so denke ich, kommt auf das gleiche heraus.

Ihr neuester Vorschlag, der übrigens auch von der Familienmisterin Schröder unterstützt wird, zeugt von wahrhafter Intelligenz. In der Ausgabe vom 12.06. 2012 der TAZ steht der Artikel: Arbeitsministium startet Kampagne. Lt. diesem Artikel macht Frau von der Leyen den Schlecker-Frauen das Angebot, sich zur Soldatin umschulen zu lassen. Zitat aus dem Artikel:

    "Das ist ein Angebot. Wir würden uns freuen, wenn viele Arbeitssuchende dieses Angebot auch wahrnehmen und annehmen", sagte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin. Ihr Ministerium werde eine Kampagne unter dem Motto "Schlecker-Frauen an die Front" starten, um über die Chancen des Militärdienstes zu informieren.

Das ist ja nun mal ein wirklich innovativer Beitrag von Frau von der Leyen. Ein weiterer Absatz aus dem Artikel in der TAZ:

    Familienministerin Kristina Schröder begrüßte den Vorschlag. "Es geht hier nicht darum, jemanden in eine Umschulung zu pressen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass unter diesen lebenserfahrenen Frauen viele mit Freude und Engagement diese neue berufliche Chance ergreifen wollen", sagte die CDU-Politikerin der Süddeutschen Zeitung. Auslandseinsätze seien schon bald vorstellbar. Die Schlecker-Frauen seien Kummer ebenso gewohnt wie die Ungewissheit, aus heiklen Situationen gerettet zu werden. Außerdem, so die Ministerin, hätten sie bereits Kompetenzen darin erworben, gegen Männer mit gestrigen und menschenverachtenden Ideologien zu kämpfen.

Nun kann ich nicht sagen, wie ernst die Aussage von Frau Schröder genommen werden darf. Jedoch finde ich den Vorschlag von Frau von der Leyen wirklich innovativ und begrüße ihn, wenn sie und Frau Schröder Vorbildfunktion übernehmen, indem sie ihr Amt niederlegen (wer weiß, mit sehr viel Glück finden sich sogar neue Amtsträger, die auch Ahnung davon haben) und selbst bei der Bundeswehr anheuern. Frau von der Leyen ist ja ein Nordlicht und hat studiert, was aus meiner Sicht einen Einsatz bei der maritimen Flotte der Bundeswehr empfehlenswert macht und ich schlage deshalb eine Ausbildung auf der Gorch Fock vor. Dann kann Frau von der Leyen graziös die Wanten hochklettern und grazil herunterfallen (darin hat man ja Erfahrung auf der Gorch Fock) und Letzteres würde Gaucks Rede über Gefallene bei der Bundeswehr zu einer echten Bedeutung verhelfen.

Frau Schröder würde ich für einen direkten Einsatz in Afghanistan vorschlagen, den Anspruch hat sie sich mit ihrer Aussage erworben.

Es gibt eben manchmal Nachrichten, auf die man nur noch zynisch reagieren kann. Ich bitte, mir das zu verzeihen. Ich möchte wetten, dass diese Ministerinnen noch nie einen Schlecker-Markt von innen gesehen haben. Ebenso wenig haben sie eine Ahnung davon, welche Anforderungen an Altenpfleger/Innen gestellt werden und den Alltag von Soldaten kennen sie auch nicht, noch weniger den von Soldaten im Einsatz. Soldaten, das sind offenbar für diese Damen die schnieken Burschen in den Ausgeh- oder Paradeuniformen und haben keine Ahnung von dem Grauen, das Soldaten im Einsatz erleben, aber auch verbreiten. Frau von der Leyen hat aus meiner Sicht das Peter-Prinzip widerlegt, das besagt, dass jeder Karrierist bis zur Stufe seiner Inkompetenz steigt. Frau von der Leyen ist aus meiner Sicht schon etliche Stufen darüber hinaus.

Nun lese ich bei Deutschlandradio Kultur, dass ich bei der Meldung von TAZ über "Schlecker-Frauen an der Front" einer Zeitungsente oder besser Satire aufgesessen bin, die als Reaktion darauf geschrieben wurde, dass die von der Leyen ernsthaft vorgeschlagen hat, die Schlecker-Frauen zu Erzieherinnen umzuschulen.

Nun ja, einer solchen Ente aufzusitzen, ist wirklich keine Schande, denn bei der von der Leyen und auch bei der Schröder halte ich alles für möglich, was weder Hand noch Fuß hat. Nur wirklich innovative Ideen, die würde ich bei diesen Damen nicht erwarten.

Den Beruf als Erzieherin für die Schlecker-Frauen vorzuschlagen, sehe ich ähnlich wie den Vorschlag, sie als Altenpflegering einzusetzen. Nichts gegen die Frauen von Schlecker, aber eine BA-Umschulung zu einem dieser beiden Berufe macht sie sicherlich nicht wirklich fit für diese Tätigkeiten, auch wenn sie dafür evtl. geeignet wären. Aber nach von der Leyens Meinung für das einfache Fußvolk sicherlich ausreichend. Und wer weiß, vielleicht hat die TAZ mit ihrer Satire was angeregt, was der von der Leyen selbst noch nicht in den Sinn gekommen ist. Es könnte also noch kommen.

Meinen Vorschlag, die beiden Damen an die Front zu schicken, halte ich aber aufrecht. Wäre doch eine wirklich gute Lösung, oder?