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Erstelldatum: 06.06.2012

Ganztagsschulen?

In der FAZ ein Artikel über Ganztagsschulen. Ausgangspunkt des Artikels eine "Studie" der Bertelsmannstiftung.

Zuvor meine subjektive Meinung zu einer Studie der Bertelsmannstiftung, die aus meiner Sicht niemals repräsentativen, sondern manipulativen Charakter hat. Schließlich ist Bertelsmann seit langer Zeit daran interessiert, im "Schulbusiness" eine dominierende Rolle zu spielen, oder sollte ich sagen, die ein besonders großes Stück von dem Kuchen abhaben möchte? Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Privatisierung des Bildungssystems auch auf der Agenda von GATS (WTO) steht. Für mich ist die WTO eine der supranationalen Kraken, die ihre Fangarme nach allem ausstreckt, womit sich Geld machen lässt und Bertelsmann ist ein solcher Arm dieser Krake.

Die mit der Föderalismusreform eingeleitete alleinige Dominanz der Länder bei der Schulgestaltung war und ist kontraproduktiv, alleine schon deshalb, weil andererseits von Eltern hohe Flexibilität im Berufsleben gefordert wird, was vermehrt zu Umzügen über Landesgrenzen hinweg führt und für die Kinder damit die zusätzliche Eingewöhnung an oft fundamental andere Schulsysteme und damit auch Überforderung bedeutet. Deutschland braucht ein einheitliches Schulsystem und das wird länderspezifisch nicht gewährleistet. Aus meiner Sicht muss in einem Land ein einheitliches Schulsystem existieren, in dem auch ein familiärer Umzug in ein anderes Bundesland die Eingewöhnung der Kinder nicht noch zusätzlich durch andere Lehrinhalte erschwert.

Ich weiß, vor 10 Jahren habe ich noch zum Thema Pisa (unter Besinnliches) eine andere Meinung als die gehabt, die ich nun äußere. Aber 10 Jahre Beobachtung der politischen Landschaft vermögen schon, eine Meinung zu ändern. Damals habe ich noch geglaubt, Ganztagsschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten seien hilfreich, um Kinder besser auf das Leben vorzubereiten. Wenn ich mit heute allerdings die zwei Ministerinnen von der Leyen und Schröder ansehe, dann glaube ich zu wissen, dass diese Einrichtungen vor allem dazu dienen sollen, bereits in frühester Kindheit eine politische Prägung vorzunehmen.

Es ist nicht unbedingt ein Zufall, dass ich gestern auch in einem anderen Kontext inhaltlich in etwa die gleiche Aussage als Antwort auf eine Mailanfrage gegeben habe, auch wenn das hier auf den ersten Blick wie ein abschweifen auf ein anderes Thema aussieht. Es ging dabei um die augenblickliche Zerstrittenheit der Linken, zumindest in der medialen Berichterstattung und eine Talkshow, in der Christa Müller, die Ex von Lafontaine aufgetreten ist. Ich weiß nicht, welche Äußerungen Frau Müller gemacht hat, aber ein alter FAZ-Artikel mit der bezeichnenden Überschrift Die Eva Herman der Linken lässt mich erahnen, dass es wohl Aussagen in dieser Form gewesen sein werden.

Wenn man die linken oder angeblich linken Parteien und bestimmte Eigenheiten beobachtet, fällt auf, dass sie eine besondere Affinität zum Feminismus haben und vor allen von Gruppen wie den Grünen und den Linken der Genderismus betrieben wird. Auch die zwanghafte Vorstellung der Frauenquote ist Teil der Hinwendung zum Feminismus.

Ich hingegen habe von Beginn an eine antifeministische Position eingenommen, weil ich den ganzen Feminismus und seine (pardon, ihre) Parolen als Teil des Systems "teile und herrsche" ansehe. Frauen waren und sind für mich immer absolut gleichberechtigte Menschen gewesen, denn diese Achtung vor Frauen wurde mir seit frühester Kindheit vorgelebt. Auch meine Erfahrungen aus meiner Umgebung und meinem Arbeitsumfeld haben kein anderes Bild gezeigt. Sicher, es gibt sie, die Machos, für die eine Frau nur etwas für den Herd und fürs Bett ist. Aber es gibt auch die Nudelholz schwingenden Drachen, die Männern das Leben zur Hölle machen.

Betrachte ich heute, was der Feminismus erreicht hat, sehe ich keine Fortschritte im Menschbild, sondern Rückschritte. Der Feminismus hat erheblich dazu beigetragen, dass das Bild der Familien zerstört wurde, er hat die Frauen in die Fabriken und Konzerne getrieben und damit das Zuhause zu einem Konsumtempel statt einer Familie gemacht. Heute erscheint es Frauen wichtiger, arbeiten zu gehen, als sich um die Familie und vor allem die Kinder zu kümmern. Damit haben sie auch zum Lohndumping beigetragen, denn wenn beide, Mann und Frau, arbeiten gehen, kommt ja mehr Geld ins Haus, die Ansprüche wachsen, zu Lasten der emotionalen Bindungen. Die "Mutter und Hausfrau" wurde in der gesellschaftlichen Betrachtung zum Heimchen am Herd und das ist aus meiner Sicht ein echt frauenfeindliches Bild. Selbstverwirklichung heißt das feministische Schlagwort und die suchen offenbar die damit infizierten Frauen darin, dass sie Familienbindungen kappen, dass sie auf den Karrieretrip gehen und der schnelle Sex mal zwischendurch scheint das Credo der emanzipierten Frau von heute zu sein.

Schauen Sie sich um, egal ob Männer oder Frauen, sie alle sind in der Geschäftswelt und der medialen und politischen Welt ersetzbar. Ob eine Claudia Roth, eine Ursula von der Leyen, eine Christina Schröder, eine Angela Merkel, eine Annette Schavan, eine Sabine Christiansen, eine Anne Will, eine Alice Schwarzer, wer merkt schon wirklich, dass sie verschwinden, wenn ein anderer oder eine andere ihren Platz einnimmt . Aber wenn die Mutter nicht mehr da ist, dann ist das eine echte Katastrophe, denn sie ist unersetzbar. Es gibt eben Bindungen, die man zwar nicht sehen kann, die aber stärker als jeder Arbeitsvertrag sind. Frauen haben den "Beruf", Mutter zu sein, nicht gelernt und sie machen Fehler, weil sie vor allem Fehler verhindern wollen, die nach ihrer Sicht ihre Mütter gemacht haben und machen stattdessen andere Fehler. Aber ihre Präsenz zuhause ist tausendmal wertvoller, als es eine noch so gut ausgebildete Kindergärtnerin jemals sein kann.

Im Fernsehen, vor allem in den öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten werden oft wirklich gute Naturdokumentationen gezeigt, die immer die berechtigte Mahnung erhalten, dass wir Menschen aufhören müssen, die Natur, egal ob Pflanzen- oder Tierwelt, zu zerstören. Dem stimme ich voll zu, aber vermisse Sendungen, die den gleichen Anspruch für unsere Kinder erheben. Wir engen nicht nur den Lebensraum der Tiere ein, sondern in noch stärkerem Maße den Lebensraum unserer Kinder in den Ballungsgebieten. Wir haben ihn zubetoniert und wenn in diesen Betonwüsten mal ein kleiner Park vorhanden ist, dann stehen meist auch Schilder wie dieses dort. Wir haben den Kindern in den Ballungsgebieten den Freiraum genommen, der für ihre Entwicklung dringend erforderlich ist. In der Presse lesen wir, dass unsere Kinder zu dick sind, doch erkennen offenbar nicht, dass vor allem der fehlende Raum zum Toben und Spielen dafür verantwortlich ist, mindestens in gleichem Maße wie Fast Food. Wir haben den Kindern ihren natürlichen Bewegungsdrang aberzogen, was auch Auswirkungen auf die Kreativität hat, denn Spiele erfinden geht nur, wenn man auch den Platz hat, sie zu spielen. Schafft Reservate in den Ballungsräumen, die Kindern vorbehalten sind und hängt Schilder auf, auf denen steht, Betreten für Erwachsene verboten. Platz dafür bietet jede Großstadt.

Ich weiß, heute reicht das Gehalt des Mannes in den meisten Fällen nicht mehr aus, eine Familie zu ernähren. Warum ist das so? Wie haben das nur die Familien bis vor ca. 60 Jahren geschafft, die Kinder großgezogen und noch nicht einmal Kindergeld bekommen haben? Ob es vielleicht daran liegt, dass die Familien damals auf so vielen unnützen Kram verzichtet haben und dennoch glücklichere Familienbindungen hatten, als die heute lebenden Generationen? Wie kommt es, dass die früheren Generationen dieses Land nach dem Krieg wieder aufbauen konnten, ganz bzw. meist ohne Studium? Ich wage zu behaupten, dass damals die Fertigkeiten der Arbeiter und Angestellten höhere Anforderungen an die Männer und Frauen stellten, als sie das heute tun, denn die heute zur Verfügung stehenden Maschinen zu bedienen, halte ich für leichter als die Arbeiten in den Fabriken vor 60 Jahren und davor.

Zurück zur Ganztagsschule: Gott, war ich als Kind froh, wenn endlich nach 4 oder 5 Stunden Schule die Klingel das Ende der täglichen Schulzeit einläutete.

8 oder 10 Stunden Paukerei halte ich für ein unmenschliches Martyrium für Kinder, es sei denn, dass in den Nachmittagsstunden nicht mehr gepaukt wird, sondern Aufbauarbeit geleistet wird, z. B. indem in den Morgenstunden Aufgaben gestellt werden (ähnlich den Hausaufgaben), die am Nachmittag mit Unterstützung von Lehrkräften abgearbeitet werden. Dabei können nachmittags Schwerpunkte gesetzt werden, vor allem Kinder zu unterstützen, die im jeweiligen Fach Defizite ausweisen. Außerdem sollten täglich in dieser Zeit Sport -, Musik-, oder handwerkliche Angebote bestehen, die Kindern einen Ausgleich zur Paukerei bieten. Schließlich haben wir den Kindern in den Ballungsgebieten den erforderlichen Freiraum zubetoniert, da wären Alternativen angesagt.

Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass der gesamte Schulunterricht umgestaltet werden müsste. Ein erlebtes Beispiel aus meiner Schulzeit. Im Deutschunterricht haben wir Gedichte, vornehmlich von Schiller gepaukt und mussten sie auswendig lernen, z. B. die Glocke. Es ist mir leicht gefallen, die Texte auswendig zu lernen, aber verstanden habe ich sie nur zur Hälfte, denn die Zusammenhänge bspw. zur französischen Revolution kamen nicht zur Sprache. So blieben etliche Aussagen in diesem Gedicht für die meisten Mitschüler abstrakt. Wir konnten es zwar herunterbeten, aber nicht erklären, welche Gedankengänge Schiller mit den Grundversen zum Guss der Glocke in seinen Betrachtungen verband. Ich hatte zum Glück einen Vater, der die Glocke auch aus dem Gedächtnis rezitieren konnte und wenn er mich abgehört hat, mich dann gefragt hat, was Schiller wohl gemeint hat. Weil ich keine Antwort hatte, hat er es mir erklärt und so ist die Glocke für mich zu einem der wichtigsten Werke Schillers geworden, soweit ich diese kenne.

Ich kann nicht sagen, ob die Kinder heute solche Aufgaben noch im Grundschulbetrieb beigebracht bekommen und ich habe meine Zweifel, denn die heute vorhandenen Lese- und Schreibschwächen deuten darauf hin, dass der heutige Lehrstoff solche Aufgaben nicht mehr enthält. Doch auch, wenn ich heute kritisiere, dass die Zusammenhänge damals nicht erklärt wurden, haben sie die Merkfähigkeit gestärkt und aus meiner Sicht auch vorhandene Leseschwächen abgebaut. Deshalb frage ich mich heute, ob wir vor 60 Jahren nicht das bessere Schulsystem hatten und ob die Länderkonkurrenz nicht kontraproduktiv ist. Ich zumindest sehe keine Vorteile in einem föderalen Schulsystem, so wie ich auch keine Vorteile durch den Feminismus zu erkennen vermag. Und Ganztagsschulen aus meiner Sicht nur, wenn sie den Freiraum für Kinder erweitern und nicht lediglich wie in der gesellschaftlichen Debatte über Kindergärten und Kitas lediglich dem Zweck dienen, Verwahranstalten für Kinder zu sein. Für mich ist der Beruf einer Hausfrau und Mutter nach wie vor der ehrbarste und wichtigste Beruf, weit über dem einer Politikerin oder einer Frau im Vorstand eines Unternehmens angesiedelt. Frauen müssen den Männern nicht beweisen, dass sie stärker sind, denn wir Männer sind ihnen doch ohnehin schon seit tausenden von Jahren verfallen. Ausnahmen gibt es auf beiden Seiten. Frauen sind nicht besser als Männer, so wie Männer nicht besser sind als Frauen. Sie sind anders und das wurde von der Natur ganz bewusst so eingerichtet. Die Stärke der beiden Geschlechter liegt in der gegenseitigen Ergänzung, nicht in der Konkurrenz. Und diese Stärken sollten unsere Kinder in der Familie fühlen und erleben, denn das ist der Halt, den sie benötigen. Und schafft Politiker ab, die Kinder in nützlich und unnütz aufteilen wollen. Jedes Kind ist zunächst einmal zu sehen, wie ein ungeschliffener Diamant und es liegt an der Gesellschaft, ihn mit dem richtigen Schliff zum Strahlen zu bringen. Bei den vorgenannten Politikern hat man beim Schliff eklatante Fehler gemacht, denn sie sind nicht mehr erste Wahl.