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Erstelldatum: 14.05.2012

Vorläufiges Wahlergebnis Landtag NRW

vorläufiges Wahlergebnis:
Quelle: Landeswahlleiter
Wahlberechtigte:          13.264.231 | Wahlbeteiligung: 7.901.922 (59,6%)
Gültige Erststimmen:     7.780.555 | Ungültige Erststimmen:   121.367 (1,5%)
Gültige Zweitstimmen:   7.794.126 | Ungültige Zweitstimmen: 107.796 (1,4%)
Bezeichnung
Landtagswahl 2012
(Ersttimmen) (%) (Zweitstimmen) (%)
SPD
3.289.938 42,3 3.050.160 39,1
CDU
2.546.013 32,7 2.050.633 26,3
die GRÜNEN
723.495 9,3 884.136 11,3
FDP
372.693 4,8 669.971 8,6
PIRATEN
617.732 7,9 608.957 7,8
die Linke
201.782 2,6 194.539 2,5
pro NRW
- - 118.270 1,5
NPD
- - 39.993 0,6
Tierschutzpartei
- - 58.089 0,7
FAMILIE
1.720 0,0 33.775 0,4
BIG
- - 10.715 0,1
Die PARTEI
- - 10.715 0,1
ÖDP
1.338 0,0 7.853 0,1
FBI/ Freie Wähler
1.534 0,0 9.709 0,1
AUF
2.725 0,0 10.224 0,1
FREIE WÄHLER
10.596 0,1 17.722 0,2
Partei der Vernunft
- - 6.348 0,1

Im Mittelalter wäre ich vermutlich Missionar geworden, vorausgesetzt, ich hätte den damals üblichen Fanatismus in der Religiosität in mir gehabt (was ich eher bezweifle). Heute bin ich seit Jahren eine Art Prediger, der immer wieder versucht, den Leuten, die ungültig oder gar nicht wählen, ins Gewissen zu reden mit dem Glaubenssatz: Leute, geht wählen! Nicht wählen stärkt die etablierten Parteien!"

Doch meine Predigten verklingen ungehört. Na ja, nicht ganz, hin und wieder kommt mal ein vorwurfsvoller Brief bzw. eine Mail, so wie als Reaktion auf meine Aussagen zur Wahl in Schleswig Holstein.

Ich gebe diese Mail mal auszugsweise wieder, weil der Schreiber/die Schreiberin dabei anonym bleibt.

    Wer heute nicht mehr zur "Wahl" geht, tut dieses sicher aus einem guten Grund. Ich werde zur NRW Wahl auch nicht mehr hingehen und MEINE Stimme ABGEBEBEN an eine Partei, deren Leute und Mitglieder ich nicht persönlich kenne, und deren Interessen wie Ziele ich überhaupt nicht weiß. Das diese Parteien durchsetzt sind von Anwälten, Unternehmern, Lehrern, usw. dürfte ja mittlerweile kein Geheimnis mehr sein.
    Aber was mir einfach viel wichtiger ist, ich kennen NIEMANDEN von diesen TYPEN! Wenn ich zb zur Bürgermeisterwahl gehen sollte, so weiß ich aber zumeist etwas über diesen Mann oder ich kenne ihn vielleicht zumindest ein bischen auch persönlich. Ich wähle ihn aber trotzdem nicht, da wie meistens, diese den großen Parteien Gedöns angehören.

    So, und was nun wenn es Bürgerpflicht ist, und ich zwischen Pest und Cholera die Möglichkeit habe zu wählen? Oder soll ich da lieber mein Kreuz an einer Stelle ganz Unten setzen, wovon ich weder weiß wer diese Partei ist, woraus sie sich zusammen setzt noch sonst was? Das halte ich dann für genau so bescheuert. Nur um den Etablierten eines auszuwischen? Die machen sich die Zahlen und % später eh so wie sie wollen und diese brauchen. Oder glauben sie an ehrliche Wahlen Herr Flegelskamp?? Gab es diese in der DDR? Die 99% oder später 95% für die SED, glauben sie diese Zahlen waren das Ergebnis der Wahl des Bürgers?
    Denken sie etwa, dass wenn angenommen bei den Auszählungen zu Wenige CDU/SPD/GRÜNE/FDP gewählt haben sollten, diese dann freiwillig abtreten werden und das Feld räumen werden, nach Allem, was diese in den letzten Jahrzehnten für Vorbereitungen getroffen haben bezüglich EU/EURO und NWO??? Denken und glauben sie wirklich, dass Sie wie Ich dieses mit der Wahl ändern können? Wäre es nicht sinnvoller, gar nicht hinzugehen, seine Stimme behalten und gegen diese Bande sich erheben, wenn es Zeit dafür ist. Diese Zeit ist in meinen Augen schon längst verstrichen und daher eine Wahl haben wir eh nicht mehr. Der ESM wie der Fiskalpakt werden unterschrieben und beschlossen werden durch die Bundesabgeordneten, weil es die Bundesmutti so will. Was haben Länder da noch für einen Einfluss oder Mitwirkung, wenn demnächst unser Bundesfinanzhaushalt der EU abgetreten wird? Wir sollten uns von den lästigen Kropf dieser ganzen Abgeordneten und Minister lieber trennen...was brauchen wir noch Landtage ohne Befugnisse, die nur noch als Befehlsempfänger agieren? Wozu soll ich diese wählen gehen, damit sie sich ihren Job und weitere Karriere sichern mit meiner Stimme, und diese "Ämter" zumeist auch noch von Laien bekleidet werden.

Ich verstehe diesen Frust, denn er treibt mich selbst oft genug um und trotzdem gehe ich wählen und wähle eine Partei, die ihre Bürgerfeindlichkeit noch nicht bewiesen hat. Ich gebe dem Schreiber auch in Bezug auf die 16 Landtage recht. Auch ich halte die Landtage für große Geldvernichtungsmaschinen, die dazu noch Sprungbrett für so manche politische Karriere ist. Es gibt sie aber und sie bestimmen auch über große Teile unseres Lebens. Welche das sind, kann man im Grundgesetz unter den Artikeln 71 bis 78 leicht herauslesen. Auch auf einen Teil der Bundesgesetzgebung haben sie Einfluss, denn die Länder stellen den Bundesrat, der zu Gesetzen der nicht ausschließlichen Gesetzgebung des Bundes ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Deutschland ist nun mal ein föderal aufgebauter Staat und hat damit auch die entsprechenden Länderparlamente und Länder-Regierungen. Fragen von Journalisten an die "Wahlsiegerin" Hannelore Kraft, ob sie evtl. auch bereit wäre, als Pendant zu Angela Merkel als Kanzlerkandidatin der SPD anzutreten, verneinte sie mit dem Hinweis, sie sähe ihre Aufgabe und ihren Platz in NRW. Diese Antwort lässt mich schmunzeln. Sie weiß, dass sich drei Platzhirsche der SPD, nämlich Steinmeier, Gabriel und Steinbrück um diesen Posten bereits raufen und es demnach sehr unwahrscheinlich ist, dass man sie 2013 "rufen" wird. Würde man sie dazu auffordern, würde sie diesem Ruf natürlich schweren Herzens folgen, auch wenn sie ihren Posten in NRW natürlich nur ungern aufgeben würde, aber wenn die heilige Pflicht ruft, darf man sich nicht verweigern.

Es gibt sie ja immer noch, die Gläubigen, die meinen, Frauen an der Spitze in der Politik würden alles besser machen. Aber der Gang in die Politik ist eine Art Mutation. Man mutiert zum Politiker und da fallen alle den Frauen sonst so zugeschriebenen sozialen Eigenschaften. Sie alle sind geschlechtsneutrale Parteimitglieder, daran hat auch die Zeit von 1933 bis 1945 nichts geändert.

Doch zurück zum Thema. Vor noch 20 Jahren war es schwer, sich über die Politiker zu informieren. Heute haben wir Internet, Facebook, Google usw. und können uns jede Menge Informationen über die Politiker beschaffen. Jedes Landesparlament betreibt eine Internetseite, wie auch der Bund, auf denen man nachlesen kann, wer alles in der Regierung sitzt, wer Landtags- oder Bundestagsabgeordneter ist und ein kurze Vita gibt uns Aufschluss über Ausbildung und Werdegang. Es gibt die Internetseite "abgeordnetenwatch", inzwischen auf für einige Landesparlamente. Es gibt Wikipedia und wenn man den Namen eines Politikers bei der Websuche eingibt, findet man auch noch eine Menge weitere Einträge, wenn es sich dabei nicht gerade um einen der so genannten Hinterbänkler handelt. Folglich kann ich mich, wenn ich will, informieren. Auf eine Aussage möchte ich spezifisch eingehen:

    Oder soll ich da lieber mein Kreuz an einer Stelle ganz Unten setzen, wovon ich weder weiß wer diese Partei ist, woraus sie sich zusammen setzt noch sonst was? Das halte ich dann für genau so bescheuert. Nur um den Etablierten eines auszuwischen?

Zur letzten Frage: Ja, doch darauf komme ich noch. Wenn man von eine Partei noch nichts gehört hat, kann man das auch als Zeichen werten, dass sie noch nichts verbockt hat.

Grundsätzlich, Wahlfälschung ist nicht so einfach, wie man vielleicht glaubt. In Niedersachsen wurde das vor einiger Zeit versucht und ist aufgeflogen (Stimmen für die Linke wurden einer anderen Partei zugeschlagen). Und nun möchte ich auf die NRW-Wahl eingehen. 40,4% der Wahlberechtigten haben nicht gewählt. Zusätzlich 1,4% haben ihre Zweitstimme ungültig gemacht, also 41,8% Wählerstimmen, die keiner Partei zugeordnet werden konnten. Der Rest ist einfach. Die gültigen Stimmen werden zu 100% und danach die Prozentzahlen ermittelt, die angeblich jede Partei an Stimmen bekommen hat. Real gesehen hat die SPD nur 23% und nicht 39,1% der Stimmen. gemessen an den Wahlberechtigten bekommen. Fast 40%, das ist doch ein bombastisches Ergebnis, oder nicht? 23% hingegen würde viel prosaischer aussehen. Und bei der CDU würden sich 15,5% noch katastrophaler auswirken. Natürlich weiß ich nicht, wen die Wähler gewählt hätten, wenn alle ihre Stimmen abgegeben hätten. Deshalb sollte man auch mal einen Blick auf den Wähler, das unbekannte Wesen, werfen.

Ich gehe mal davon aus, das ca. 20% der Wahlberechtigten politische Analphabeten sind. Ich weiß, das klingt hart, aber wenn ich an die Zeit zurückdenke, als ich zum ersten Mal wählen durfte, mich aber für Politik nicht die Bohne interessiert habe (sehr zum Ärger meines Vaters), dann kann ich heute den jungen Leuten keinen Vorwurf machen, wenn sie nicht zur Wahl gehen. Ein Teil von ihnen wird dieses politische Analphabetentum ganz sicher überwinden, vor allem, weil die Politik heute auch nicht mehr spurlos an der jungen Generation vorübergeht. Doch natürlich die von mir angenommenen 20% politische Analphabeten nicht ausschließlich jung Leute. Einen kleinen Teil muss man wohl bei den ganz Alten verorten, die es nicht mehr schaffen, weil sie zu krank sind. Und der wohl größte Teil dieser 20% liegt irgendwo zwischen den Jungen und den ganz Alten. Sie sind politisch vielleicht völlig desinteressiert, was weiß ich?

Die nächsten 20% Nichtwähler verorte ich bei den Leuten, die wirklich keiner dieser Parteien trauen und deshalb nicht wählen. Doch wie gesagt, damit wählen sie trotzdem und zwar Pest UND Cholera. Aber was tun, wenn da oben keine Partei ist, der man vertrauen kann? Ich sehe auf der Wahlliste 10 weitere Parteien, die alle weniger als 1% Stimmen bekommen haben. Wenn ich also keiner der aussichtsreichen Partei traue, dann kreuze ich eben eine von den Parteien an, die ohnehin keine Chance haben. Gehen wir also mal davon aus, dass die 20% der Nichtwähler, die aus Protest nicht gewählt haben, ihre Stimmen an Parteien gegeben hätten, die all dennoch unter 5% geblieben sind, dann hätten wir 10.420.380 gültige Zweitstimmen. Dann hätte die SPD nur 29,3%, die CDU 19,7%, die Grünen 8,5%, die FDP 6,4% und die Piraten 5,8%. Auch damit könnten die Etablierten leben, aber nicht mehr sorgenfrei, denn ein so mieses Ergebnis bei einer Wahlbeteiligung von fast 80% würde selbst die überheblichsten Politiker sehr nachdenklich stimmen und vielleicht, vorausgesetzt die Amis lassen das zu, sogar eine andere Politik betreiben. Das wäre aus meiner Sicht ein wirksamer Protest, denn von meiner Stimme würde keine der etablierten Parteien profitieren, anders, als bei einer Wahlverweigerung. Natürlich würde ich mir zuvor eine Kurzinfo über die Partei im Internet holen, der ich dann meine Stimme geben würde. Die NPD würde meine Stimme sicher nicht bekommen, aber vielleicht die Freien Wähler oder die ÖDP. Na ja, ich muss mir diese Sorgen nicht machen, denn bei der nächsten Wahl weiß ich, wen ich wähle.