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Erstelldatum: 06.07.2011

Altersarmut

Ein Bericht im Spiegel über zunehmende Altersarmut.

Die Aussage im Spiegel ist statistische Schönfärberei. Grundlage der aktuellen Rente ist der so genannte Rentenwert. Werfen wir mal einen Blick auf die Entwicklung des Rentenwerts seit dem 1.7. 2001 bis zum 1.7.2010:

Aktueller Rentenwert / Rentenanpassungssatz
§ 68, § 69, § 255 a,§ 307b Abs. 2 SGB VI,
Rentenanpassungsverordnung

  Aktueller Rentenwert Rentenanpassungssatz
gültig ab alte
Bundesländer
neue
Bundesländer
alte
Bundesländer
neue
Bundesländer
01.07.2011 27.47 EUR 24,37 EUR 0,99 % 0,99 %
01.07.2010 27.20 EUR 24,13 EUR 0-Runde 0-Runde
01.07.2009 27.20 EUR 24,13 EUR 2,41 % 3,38 %
01.07.2008 26,56 EUR 23,34 EUR 1,1 % 1,1 %
01.07.2007 26,27 EUR 23,09 EUR 0,54 % 0,54 %
01.07.2006 26,13 EUR 22,97 EUR 0-Runde 0-Runde
01.07.2005 26,13 EUR 22,97 EUR 0-Runde 0-Runde
01.07.2004 26,13 EUR 22,97 EUR 0-Runde 0-Runde
01.07.2003 26,13 EUR 22,97 EUR 1,04 % 1,19 %
01.07.2002 25,86 EUR 22,70 EUR 2,16 % 2,89 %
01.01.2002 25,31 EUR 22,06 EUR - -
01.07.2001 49,51 DM 43,15 DM 1,91 % 2,11 %

Der Rentenwert ist der Wert, der mit den bei Renteneintritt erreichten Entgeltpunkten multipliziert wird. Der so genannte Eckrentner (das ist ein virtueller Rentner, der 45 Jahre lang in jedem Jahr einen Entgeltpunkt erreicht hat, weil sein Einkommen immer genau dem ermittelten Durchschnittsverdient entsprach) hätte also im Jahr 2001 eine Rente von 2.227,95 DM (entspricht 1.139,13 €) als Westrentner oder 1.941,75 DM (entspricht 992,80 €) als Ostrentner enthalten. Am 1.7.2010 betrugen diese Renten 1.224,00 € (Westrentner) oder 1.085,85 € (Ostrentner), in harten Euro entspricht das einer Zunahme von 84,87 € oder 7,45 % (west) bzw. 93,05 € oder 9.37 % (ost) seit dem 1.7.2001 in 10 Jahren. Als Vergleich mal die Abgeordneten-Diäten incl. der Entwicklung der steuerfreien Kostenpauschale im gleichen Zeitraum:

Zeitraum Diäten
(in der jeweiligen Währung)
Steuerfreie Aufwandspauschale
(in der jeweiligen Währung)
DM € DM €
1.1.2001 – 31.12.2001
13.200
6.749
6.558
3.353
1.1.2002 – 31.12.2002  
6.878
 
3.417
1.1.2003 – 31.12.2003  
7.009
 
3.503
1.1.2004 – 31.12.2004  
7.009
 
3.551
1.1.2005 – 31.12.2005  
7.009
 
3.589
1.1.2006 – 31.12.2006  
7.009
 
3.647
1.1.2007 – 31.12.2007  
7.009
 
3.720
1.1.2008 – 31.12.2008  
7.339
 
3.782
1.1.2009 - 31.12.2009  
7.668
 
3.868
1.1.2010 - 31.12.2010  
7.668
 
3.969

Das sind 919 € bei den Diäten und noch einmal 616 € (steuerfrei) bei der Kostenpauschale. Ich erwähne das nur deshalb, weil die Abgeordneten in Kürze erneut über eine Diätenerhöhung abstimmen wollen. Angepeilt sind ab dem 1.1. 2012 und dann noch einmal ab 1.1. 2013 jeweils 292 € (Artikel 2 Drucksache 17/6291 vom 28. 06. 2011)

2001 betrug der Krankenversicherungsbeitrag 13,5 % und der Pflegeversicherungsbeitrag 1,7 %. Davon trug der Rentner die Hälfte, also 6,75 % KV-Beitrag und 0,85% PV-Beitrag, die andere Hälfte die Rentenversicherung. Seit dem 1.7.2005 gilt, wie bei Arbeitnehmern, diese paritätische Aufteilung nicht mehr. Auch Rentner zahlen über den paritätisch gezahlten Betrag 0,9 % zusätzlich. Ab dem 1.1.2009 betrug der KV-Beitrag 15,5% (RV 7,3%, Rentner 8,2%), am 1.7. 2009 gab es dann den Wahlbonus und die KV-Beiträge wurden wieder auf 14.9 % abgesenkt, also 7% durch die RV und 7.9 % durch den Rentner. Hinzu kam, dass ab dem 1.1.2008 die PV auf 1,95 % angehoben und gleichzeitig die paritätische Aufteilung bei der PV für Rentner aufgekündigt wurde. Sie zahlen seither den Beitrag zur PV alleine.

Anhand dieser nachprüfbaren Fakten kann sich jedermann selbst ausrechnen, dass die von der Bundesregierung angegebene durchschnittliche Steigerung der Rente von 0,82% wieder nichts anderes als statistische Schönfärberei ist. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass die durchschnittliche Steigerungsrate, die das stat. Bundesamt veröffentlicht, nichts mit den Kostensteigerungen gemein hat, die bei Menschen in den unteren Einkommensgruppen anfallen.

Wie immer bei solchen Pressemeldungen interessieren mich vor allem die Meinungen der Leser in den Kommentarforen. Mein Eindruck ist, dass die vielen Hetzkampagnen zu diesem Thema offenbar recht erfolgreich waren. Den Rentnern von heute geht es so gut wie noch nie. Das habe ich in etlichen Posts gelesen und es macht mich wütend. Entweder sind es Lohnschreiber, die diese Behauptung aufstellen, oder es sind Leute, die nicht die mindeste Ahnung vom Thema haben. Aber wenn man keine Ahnung hat, sollte man die Finger von der PC-Tastatur lassen.

Sicher, wenn ich Kohl, Schmidt, Herzog, Biedenkopf usw. als Rentner betrachte, muss ich zustimmen. Denen geht es gut wie nie und denen zahlt auch die heute arbeitende Generation die Rente.

Hier ist aber die Rede von der gesetzlichen Rentenversicherung, kurz GRV. In die zahlen nur Menschen ein, die in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis tätig sind und einige wenige Selbständige, die als freiwillig Versicherte gelten. Nicht gemeint sind Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Architekten, Konzernvorstände, Steuerberater, Beamte, Firmeninhaber, Politiker usw. Die haben entweder eigene ständische Rentenversicherungen oder werden "alimentiert", wie z. B. Beamte und Politiker. Es geht bei diesen Presseberichten jedoch immer nur ausschließlich um die Versicherten der GRV. Das gilt offenbar auch für die Frage der Demographie. Man könnte glauben, nur die GRV-Rentner werden älter. Aber ich habe schon Ärzte, Apotheker, Architekten, Politiker, Hochschulprofessoren usw. gesehen, die auch älter wurden und zwar erheblich älter. Schauen wir doch mal auf Helmut Schmidt oder Richard von Weizsäcker, beide über 90 Jahre alt und beide beziehen ihre Altersrenten nicht aus der GRV, beide haben keine Eigenleistungen für ihre Rentenansprüche erbracht, sondern werden rein aus Steuermitteln finanziert. Und deren Renten sind nicht so mickrig wie die eines GRV-Rentners. Und was für diese Beiden gilt, gilt auch für eine Unmenge anderer Leute, Politiker, Vorstände, Beamte des höheren oder gehobenen Dienstes usw. usf. Diese Leute haben Ansprüche auf eine Altersversorgung, die bei weitem über denen der GRV liegen und ein großer Teil davon hat dafür keinerlei Eigenleistung erbracht. Nur in den Presseberichten tauchen sie nicht auf, weder bei der Panikmache mit der Demographie noch bei der Höhe der Bezüge. Geht es aber um den Begriff Rentner, werden sie pauschal mit einbezogen und damit entstehen die Gerüchte, den Rentnern ginge es so gut wie nie zuvor.

Klar, die meisten Rentner findet man in der GRV, weil die meisten Menschen in einer abhängigen Beschäftigung tätig sind, ob nun als Arbeiter oder Angestellte. Angeblich haben wir lt. BA wieder über 40 Millionen Beschäftigte, aber davon sind nur ca. 27 Millionen in einem beitragspflichtigen Beschäftigungsverhältnis und mehr als 5 Millionen davon in einer prekären Beschäftigung, Aber die Zahlen sind getürkt, denn die BA hat, um die Statistiken zu schönen, einen Teil der Beschäftigten bzw. Arbeitslosen "outgesourct". Das heißt, andere Stellen sind für die Vermittlung verantwortlich und diese Leute tauchen deshalb in den Statistiken der BA nicht mehr auf. Kein Mensch scheint zu wissen, für wie viele Leute das gilt.

Ich weiß, dass ich mich wiederhole, denn ich habe es schon oft geschrieben. Aber wegen der Unwissenheit, die es zum Thema gesetzliche Rente gibt, kann man die Mechanismen des GRV-Systems nicht oft genug wiederholen.

Die GRV ist gedeckelt. Das bedeutet, man zahlt von seinem Einkommen bis zur so genannten Beitragsbemessungsgrenze (derzeit 66.000 € west bzw. 57.600 € ost), kurz Bmg, einen prozentualen Beitrag in die Rentenversicherung ein. Der derzeitige Beitragssatz beträgt 19,9 %, davon zahlt die Hälfte der Arbeitgeber. Bei einem Einkommen oberhalb der Bmg hat das über die Bmg hinausgehende Einkommen keinen Einfluss auf die Beitragszahlung, die nur bis zur Bmg berechnet wird und damit auch keinen Einfluss auf die Rentenanwartschaft. Zumindest wird das so dargestellt. Aber ob beim jährlich ermittelten Durchschnittsverdienst auch das Einkommen der Leute mit einem Gehalt über der Bmg auch nur bis zur Bmg einbezogen wird, ist für mich eine offene Frage. Wenn nicht oder nun unvollständig, dann haben die Verdienste oberhalb der Bmg einen negativen Einfluss auf alle Rentner, weil damit die Berechnung der Entgeltpunkte nicht mehr ordnungsgemäß erfolgt.

Zwar ist das Einkommen monatlich der entscheidende Faktor für die Berechnung der Beitragsleistung, wird aber letztendlich am Jahresende addiert. Das bedeutet, dass auch Sonderzahlungen wie Prämien, Weihnachts- und Urlaubsgeld voll oder zusammen mit dem Normalgehalt bis zur Bmg beitragspflichtig sind. Erst im neuen Jahr werden die Beitragsleistungen der Arbeitnehmer aller Monate zu einem Jahresbeitrag ermittelt. Hat es aber im Laufe des Jahres eine oder mehrere gesetzliche Änderungen gegeben, fallen für dieses Jahr dann 2 oder mehr Berechnungen an. Einmal jährlich wird ein so genanntes Durchschnittseinkommen (die Einkommen aller Beitragszahler, geteilt durch die Zahl der Beitragszahler) ermittelt. Dann wird das rentenversicherungspflichtige Einkommen des Arbeitnehmers durch dieses Durchschnittsgehalt geteilt und das Ergebnis wird als Entgeltpunkte für das entsprechende Jahr dem Arbeitnehmer gutgeschrieben. Das für 2011 geltende Durchschnittseinkommen beträgt 32.268 €. Das bedeutet, ein Arbeitnehmer mit einem beitragspflichtigen Jahreseinkommen von 32.268 € bekommt einen Entgeltpunkt für die spätere Rente gutgeschrieben, während der Gutverdiener, der dann Ende 2011 mehr als 66.000 € verdient hat, es auf stolze 2,0453 Entgeltpunkte gebracht hat.

Es gibt das Gerücht, dass die letzten Jahre vor dem Rentenbeginn die wichtigsten für die Höhe der Rente seien. Das ist Unsinn, das ist zwar für Beamtenpensionen richtig, aber der GRV Rentner bekommt seine Altersrente ausschließlich aufgrund der Addition der Entgeltpunkte, die er in der Zeit seines Arbeitslebens erworben hat. Und diese Entgeltpunkte wurden immer auf die gleiche Art, nur mit unterschiedlichen Werten ermittelt. Die unterschiedlichen Werte hängen mit dem ermittelten Durchschnittseinkommen, der Bmg und dem selbst erreichten beitragspflichtigen Einkommen zusammen. So war es erstmalig 2003 möglich, mehr als 2 Entgeltpunkte im Jahr zu bekommen, weil die Bmg hoch (61.200 €) und das Durchschnittseinkommen relativ niedrig (28.931 €) waren.

Es gibt noch ein Gerücht, das gezielt verbreitet wird, weil es so schön in die Story mit der zu geringen Geburtenzahl und der Vergreisung der Gesellschaft passt. Das Gerücht besagt, dass Kinderlose Vorteile mit ihrer Rente auf Kosten derer hätten, die Kinder haben, weil diese Kinder dann später die Renten der Kinderlosen bezahlen. Das Gegenteil ist der Fall. Eltern mit Kindern bekommen Kindergeld, die Mütter bekommen Entgeltpunkte für Kindererziehungszeiten angerechnet und die gesamte Gesellschaft zahlt über ihr Steueraufkommen für die gesamte für Kinder geschaffene Infrastruktur. Davon profitieren die Eltern der Kinder, nicht die Kinderlosen. Die Kinder, wenn sie dann später mal ins Arbeitsleben wechseln, zahlen nicht die Renten der Kinderlosen. Zunächst ist die Frage, ob sie überhaupt in einen versicherungspflichtigen Job einsteigen und damit überhaupt Beiträge in die Rentenversicherung einbezahlen. Werden sie Freiberufler wie Arzt, Anwalt, Architekt, Steuerberater oder Beamter, zahlen sie nicht in die GRV ein. Tun sie es aber, dann zahlen sie nicht die Renten der derzeitigen Rentner, sondern zahlen für ihre ureigene spätere Rente. Das Märchen, sie würden die Renten der derzeitigen Rentner zahlen, ist eine Verdrehung der Tatsachen.

Ein Beispiel: Wer einen Riestervertrag abschließt, verpflichtet sich, über eine bestimmte Zeit Beiträge einzubezahlen, an die er nicht mehr herankommt. Er oder sie weiß nicht, was mit dem Geld geschieht. Im letzten Jahr wurde bekannt, dass die Rentenfonds, in die solche Beiträge fließen, teilweise in die Rüstungsindustrie, z. B. zum Bau von Minen oder Streubomben fließen. Da könnte man doch sagen, die Riester-Beitragszahler sind die Verantwortlichen für die ständigen Kriege. Tatsache ist, dass sie nicht wissen, was mit den eingezahlten Geldern wirklich passiert, denn es verschwindet in die dunklen Kanäle der Finanzwirtschaft. Schließlich sind die später zu zahlenden Renten aus diesen Verträgen nur ein unangenehmer Nebeneffekt, weil das Hauptinteresse der Finanzwirtschaft darauf basiert, dass die anfallenden Kosten und möglichst satte Renditen für die Aktionäre erwirtschaftet werden. Dass dabei auch in schmutzige Geschäfte investiert wird, interessiert den Riester-Beitragszahler nicht wirklich, Hauptsache die Kohle stimmt.

Bei den GRV-Beiträgen ist eigentlich nur ein Umstand anders als bei der privaten Riester-Rentenversicherung und anderen, ähnlichen privaten Rentenversicherungen. Der GRV-Versicherte weiß (oder sollte es zumindest wissen), dass seine Beiträge im Umlageverfahren nicht in mehr oder minder dubiose Geschäftstransaktionen fließen, sondern in Form von Renten an die derzeitige Rentnergeneration. Eigentlich muss ihn das auch nicht wirklich interessieren, denn wie der Riester-Beitragszahler zahlt er Beiträge für seine spätere Rente ein und kann an dieses Beitragsvolumen erst heran, wenn er ins Rentenalter gekommen ist. Aber seine Beiträge werden nicht in den Bau von militärischem Gerät investiert, sondern in die Renten der derzeitigen Rentner. Und weil diese Rentner das Geld dafür verwenden, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, also Miete zu zahlen, Lebensmittel und Getränke zu kaufen, auch neue Wäsche oder Kleider, damit ihre Telefon- und Stromrechnungen begleichen, fließt dieses Geld sofort wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück und fast ausschließlich in den Binnenmarkt, den die Politik seit langer Zeit sträflich vernachlässigt. So mancher Arbeitsplatz ginge verloren, wenn die Rentner ihr Geld horten würden und es sind immerhin fast 20 Milliarden € monatlich, mit denen die Binnenwirtschaft so gefördert wird. Auch der Finanzminister bekommt seinen Teil davon, in Form von Mehrwertsteuer und indirekten Steuern.

Weil die Finanzlobby scharf auf die ungeheure Summe ist, die da jeden Monat eingezahlt wird und weil sie nur sehr begrenzt davon profitiert, werden von ihren Schergen wie Rürup, Raffelhüschen, Riester, Miegel, Maschke, Biedenkopf und vielen anderen die Märchen in die Welt gesetzt, die wir fast täglich vorgesetzt bekommen, Demographie, zu wenig Kinder usw. Wie kann es bei den vielen Arbeitslosen sein dass die Geburtenrate zu niedrig ist? Sie ist noch zu hoch, denn noch immer finden nicht alle Schulabgänger auch eine Lehrstelle oder einen Job! Und die Gesellschaft vergreist auch nicht. Die Alten sterben nach wie vor und wenn Anfang bis Mitte der 30er Jahre dieses Jahrhunderts die ersten geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter kommen, nivelliert sich das Ungleichgewicht von jung und alt wieder. Dabei ist die durchschnittliche Lebenserwartung der GRV-Versicherten überhaupt nicht bekannt, denn die wird immer nur von der gesamten Gesellschaft gerechnet und dazu gehören auch die Leute, denen es wirtschaftlich bestens geht, die nie wirtschaftliche Probleme hatten und nie harte Arbeit verrichten mussten und deshalb älter werden, als die Leute in stressigen oder gefährlichen Berufen. Die Daten für eine nur auf die GRV-Versicherten bezogene Lebenserwartung sind vorhanden, aber dass sie nicht genutzt werden, ist Absicht, denn dann könnte man das Märchen von der Demographie bei den Rentnern der GRV nicht mehr aufrecht erhalten. Dann könnte auch ein Lobby-Vertreter der privaten Versicherungswirtschaft wie Bernd Raffelhüschen bei seinen Veranstaltungen für die private Versicherungswirtschaft nicht mehr die Rentner mit Diffamierungen wie "demografische Zombies" und "nicht sterben- wollende Hundertjährige" diskriminieren (so geschehen bei einer Veranstaltung vor Vertretern der Volksbanken in Jever/Ostfiesland), weil dann bekannt wäre, dass diese "demografischen Zombies" und "nicht sterben- wollenden Hundertjährige" in anderen Gesellschaftsschichten zu suchen sind.

Hat ein Arbeitnehmer das Rentenalter erreicht, werden alle Entgeltpunkte addiert, die er im Laufe seines Arbeitslebens durch seine Beitragszahlungen erzielt hat und mit dem aktuellen Rentenwert (aktuell seit dem 1.7.2011 = 27,47 €) multipliziert. Das Ergebnis ist dann die Monatsrente.

Allerdings ist die letzte Aussage nur bedingt richtig, denn in bestimmten Bereichen bekommt man auch Entgeltpunkte zugestanden, für die man nicht gearbeitet hat (Kindererziehungszeiten) oder einen leicht aufgepäppelten Wert (Ausbildungszeiten).

Rein theoretisch könnte also ein Bestandsrentner, der 2011 in Rente gegangen ist und seit 1961 ohne Ausfallzeiten (Krankheit, arbeitslos) gearbeitet hat (50 Jahre), eine Rente von 2.646,30 € bekommen, vorausgesetzt, er hat schon im Alter von 15 Jahren mit einem Gehalt auf oder oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze begonnen. Unter der gleichen Voraussetzung würde er, wenn er erst mit 20 in den Arbeitsprozess eingetreten ist, 2.392,01 € bekommen.

Aber um ein Einkommen auf oder über der Bmg zu bekommen, muss man sich erst hocharbeiten und das dauert viele Jahre. Folglich gibt es keine Rentner, die solch eine Rente bekommen. Es gibt einige wenige, die Renten um die 1.700 bis 1.800 € (brutto) bekommen, dafür gibt es aber auch eine Menge Leute, die unter dem Rentendurchschnitt von derzeit 1.236,15 liegen. Dieser Durchschnitt setzt 45 Jahre Lebensarbeitszeit mit einem Gehalt, das immer genau mit dem staatlich ermittelten Durchschnittsgehalt übereinstimmt, voraus.

Wenn also von steigender Rentnerarmut die Rede ist, hat das seine Richtigkeit. Der Grund ist nicht im System zu suchen, sondern in dem Freibrief für die Politiker, sich nahezu nach Belieben an den Beiträgen zu bedienen. Das BVerfG hat den Politikern diesen Freibrief erteilt und den Begriff Gestaltungsfreiheit dafür verwendet. Komisch dabei ist, dass das gleiche Gericht diese Gestaltungsfreiheit bei Eingriffen in das Alimentierungssystem der Beamten jedesmal verneint. Der Grund ist ferner, dass seit Jahren Lohndumping betrieben wird, dass Menschen in prekäre Arbeitsplätze gepresst werden, mit denen sie nicht einmal den eigenen Lebensunterhalt bestreiten können. Und die hohe Arbeitslosigkeit ist ein Grund, ich meine die echte Arbeitslosigkeit, nicht die in den getürkten BA-Statistiken.

Wenn sich heute Arbeitnehmer in den Foren (wie hier im Spiegelforum) darüber mokieren, dass die Renten zu hoch seien oder die eingezahlten Beiträge keinen Anspruch begründen, sind das Narren, die an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Denn heutige Kürzungen treffen sie, einmal ins Rentenalter gekommen, in gleichem Maße. Hinzu kommt, dass sie aufgrund ihrer löchrigen Erwerbsbiographie ohnehin schon schlechter gestellt sein werden. Das aber liegt nicht an den heutigen Rentnern, sondern an ihrer eigenen Dummheit, denn sie machen sich nicht die Mühe, das System zu verstehen, sondern plappern nach, was BILD und andere Gazetten so verbreiten. Und sie wählen die Leute, die unsere Sozialsysteme seit Jahren zerstören, weil sie nicht für das Volk arbeiten, sondern für die Finanzlobby, deren oberste Gremien die Weltbank, der IWF und die WTO sind. Doch auch das sind nur Handlanger, die von dunklen Hintermännern gesteuert werden. Einige kennt man mit Namen, weil sie Mitglieder in elitären Zirkeln sind. Elitär ist dabei ein Wort, das rücksichtslose Gier und unstillbaren Machthunger und den Mangel an jeglicher Ethik und Moral zusammenfasst.