Navigation aus    Navigation an
Erstelldatum: 19.05.2011

Rente, nun erst mit 69?

Wolfgang Franz, ein würdiger Nachfolger von dem Versicherungsvertreter Rürup hat mal wieder ein wenig mit der Sondermathematik der Politik gespielt. Schon Rürup hatte eine bis ins Jahr 2050 reichende Sicht, aber Franz scheint noch weiter in die Zukunft schauen zu können. Ist Franz somit noch weitsichtiger als Rürup? Aber mein Optiker behauptet, Weitsichtigkeit sei eine Fehlfunktion der Augen. Ist die Weitsichtigkeit der "Wirtschaftsweisen" in die dem normalen Sterblichen verschlossene Welt von morgen vielleicht auch nichts weiter, als eine Fehlfunktion? Da diese noch nicht näher untersucht wurde, spekuliere ich auf Fehlfunktion der grauen Zellen, möglicherweise eine Erweichung aufgrund seltener Nutzung?

Der Spiegel berichtet von der Übergabe dieses "bewegenden Werkes" mit der Bezeichnung Wirtschaftsweisenbericht und führt einige von Franz genannte Gründe für seine weitsichtige Erkenntnis". Phillip Rösler, nun gesalbter Wirtschaftsminister und mit gewohntem Reklamegrinsen (für welche Zahnpasta eigentlich?) spricht aus, was eines Nachfolgers von Guido würdig ist. Ihn begeistert die Vorstellung. Na ja, er ist noch jung und da ist man viel begeisterungsfähiger als die Leute, um die es hier geht, denn die, denke ich mir, sind weniger begeistert. Aber für einen zu großen Teil dieser Leute gibt es ja eine Art "Vorruhestand". Im Alter von so ungefähr 50 bis 55 Jahren (wenn sie Glück haben, manche schon früher) werden sie entlassen, dürfen das, was sie evtl. gespart haben, bis auf einen kleinen Teil aufbrauchen und bekommen dann das beliebte Hartz IV. Und wer weiß, vielleicht haben sie ja Glück und kommen in ein Programm mit dem Namen 50-Plus, dürfen dann für einen Euro zusätzlich zum üppigen Hartz IV-Geld arbeiten, sind befreit von den lästigen Beitragszahlungen in die Sozialsysteme und passen so ihre Rentenhöhe dank Sonder-Vorruhestand allmählich den politischen Vorstellungen an. Denn Rentner, das wissen wir ja alle, sind doch Ausbeuter der Jugend, Das berichten doch immer die Experten, die aber, das mag merkwürdig klingen, eigentlich noch nie oder nur sehr selten wirklich gearbeitet haben und ausgesprochen gut von dem leben, was man ihnen (wie z. B. Franz oder Rürup) so aus dem Topf derer gibt, die, bis sie ins Ausbeutungsalter gekommen sind, mit Steuern diese "Experten" von Kindsbeinen an durchgefüttert haben, im Kindesalter mit Krippenplatz, Kita, Schule, Hochschule, Studium und dann für einen Job im "posierenden Denken". Was, Sie wissen nicht, was das ist? Na, setzen Sie sich an einen Tisch (ein Schreibtisch wäre gut) setzen Sie den rechten oder linken Ellenbogen auf die Tischplatte, stützen dann ihren Kopf mit der Stirn in die Hand, halten mit der anderen Hand ein Schreibgerät an die Lippen und spreizen Sie den kleinen Finger der stützenden Hand ein wenig ab und jeder, der den Raum betritt, in dem Sie so am Tisch sitzen, erkennt auf Anhieb, dass Sie in tiefes Nachdenken versunken sind, Noch tiefer wirkt es, wenn Sie dabei die Augen geschlossen halten, nur Schnarchen sollten Sie vermeiden. So kann man ganze Tage zubringen und jeder Unsinn, denn Sie danach von sich geben, wird von Ihrer Umwelt als Folge ihrer tiefen Nachdenklichkeit angesehen.

Wie gesagt, Rösler ist begeistert. Ob er sich nun mit Maschmeyer anfreundet, damit dieser ihm die nächste Kanzlerkandidatur finanziert. Nein, ich glaube nicht, denn solche Ausmaße kann Größenwahn doch nicht annehmen, oder doch? Verzeihen Sie mir bitte, wenn ich die Titel der Herren nicht anführe, aber ich bin nun so unsicher, ob ich da ein c l (cum laude) anhängen muss, oder ein c p (copy paste).

Setzt man normale Mathematik ein, wundert man sich evtl. doch ein wenig, denn es gibt eine unumstößliche Gewissheit, dass sich jeder Zustand im Verhältnis von Alt und Jung automatisch nach einer gewissen Zeit nivelliert. Mit der Einführung der Pille zu Beginn der 70er Jahre begann der Rückgang der Geburten unter die Marke von 2%. Das bedeutet aber, dass ab dem Jahr 2035 (rein mathematisch gesehen) die ersten geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter kommen. Bis 2050 müsste, von der durchschnittlichen Lebenserwartung ausgehend, die Zahl der Alten aus den geburtenstarken Jahrgängen bis auf eine vernachlässigbare Zahl (die einfach nicht begreifen wollen, wann man politisch korrekt stirbt) weggestorben sein. Wenn das dann die Statistik immer noch anders ausweist, hat das nichts mit dem Rentensystem zu tun. Wer länger lebt, ist Politiker, Vermögender, Wirtschaftsweiser, Professor, höherer Beamter, Anwalt, Arzt, Apotheker und Experte, also die Leute, die sich so viele Gedanken über die Rente machen, obwohl sie gar keine bekommen werden. Ihre Quellen für die Altersversorgung sind andere, die aber in ihre Überlegungen zur Altersversorgung seltsamerweise nicht einfließen. Ob das daran liegt, dass sie wesentlich besser sind?

Ein paar Dinge "vergessen" die Wirtschaftsweisen offenbar immer, in ihre Berechnungen einzubeziehen. Da ist der Umstand, dass aufgrund des Jugendwahns in der Wirtschaft die Erwerbsvita der nachrückenden Rentenanwärter löchriger als ein Schweizer Käse ist, was die Rentenansprüche dieser Generationen drastisch senkt. Auch vergessen die "Wirtschaftsweisen", dass es in Deutschland eine riesige Zahl an Arbeitslosen gibt, die trotz Geburtenrückgang seit nunmehr 40 Jahren nicht kleiner, sondern beständig größer geworden ist. Sicher, darunter sind inzwischen auch viele Erwerbstätige, die aber für ihre Arbeit gar nicht oder viel zu gering bezahlt werden. Das funktioniert nur, weil wir zu viele echte Arbeitslose haben, ein Status quo, den die Wirtschaftsweisen offenbar gerne beibehalten möchten, wie sonst könnte man Menschen in Arbeitsverhältnisse pressen, deren Entgelt nicht einmal dazu reicht, den Lebensunterhalt zu sichern.

Ein Wirtschaftswachstum, das auf einem Produktionswachstum beruht, gibt es schon lange nicht mehr, denn der wachsende Kaufkraftschwund durch zu niedrige Einkommen (auch der Alten) bewirkt zwangsläufig einen Rückgang des Konsums und kein Unternehmen produziert um der Produktion willen. Aber wir sind ja eine Exportnation, deshalb müssen wird die Löhne und die sonstigen Kosten senken, damit wir mit den Exportprodukten die Viren Arbeitslosigkeit und Armut mit exportieren können.

Werfen wir einen kurzen Blick auf unser großes Vorbild, die USA. Dort ist man dicht an der gesetzlich zugelassenen Verschuldungsgrenze angelangt. Um nicht handlungsunfähig zu werden, wird jetzt bei 2 staatlichen Rentensystemen gespart, wo sonst? An die dort vorhandenen riesigen Vermögen heranzutreten, auf diese absurde Idee käme kein Mitglied der Regierung oder des Kongresses.

Die deutschen (privaten) Rentensysteme sind so ausgelegt, dass man schon mindestens 90 Jahre alt werden muss, um wenigstens die eingezahlten Beiträge wieder zurück zu bekommen. Dabei werden auch von staatlicher Seite die Riester-Renten aggressiv umworben. Das Geld für die Steuervergünstigungen und für die Werbung wurde den Rentnern durch die so genannte Riestertreppe abgeknöpft. Der immer wieder angeführte Zuschuss des Staates zur gesetzlichen Rente ist eine weitere Verschleierung der Wirklichkeit, denn dieser Zuschuss ist ein nicht einmal ausreichender Ersatz für die dem gesetzlichen Rentensystem aufgebürdeten Fremdlasten. Suchen Sie mal im Netz nach der Teufelstabelle, dort können Sie lesen, wie viele Milliarden der Staat den Rentnern bereits abgeknöpft hat.

Und noch ein kleines Rechenbeispiel. Wer heute Beiträge ins System der GRV einbezahlt, zahlt nicht die Renten der Alten, sondern eine Versicherungsprämie für seine eigene spätere Rente. Die private Rentenversicherung macht das nicht anders. Auch dort bekommt man erst dann seine Beiträge zurück, wenn man in Rente geht. Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied.

Von den Beiträgen der privaten Rentenversicherungen wird ein wesentlich höherer Verwaltungsaufwand gezahlt und die Aktionäre möchten auch eine große Scheibe von diesem Kuchen haben. Deshalb ist die Wirtschaft auch so erpicht darauf, dass der Bundesbürger privat vorsorgt. Das bringt Kohle und ob der Beitragszahler bei den Privaten jemals etwas von seiner Rente zu sehen bekommt, hängt davon ab, wie viel Zeit bis zur nächsten Banken- und damit auch Versicherungskrise vergeht und ob Rettungsschirme aufgespannt werden, mit denen man die Spekulationsgeschäfte der Rentenfonds auffängt, wenn die nächste Pleitewelle kommt.

Die gesetzliche Rentenversicherung bringt dank des Umlageverfahrens die eingezahlten Beiträge sofort wieder in den Wirtschaftskreislauf ein. Mit diesem Geld wird nicht spekuliert, denn es wird in Form von Renten sofort wieder in Umlauf gebracht. Damit zahlen die Rentner durch ihren Konsum Steuern, also Umsatzsteuern und indirekte Steuern, was dem Fiskus Geld bringt (es sind immerhin über 200 Milliarden, die so in jedem Jahr direkt zurück in den Wirtschaftskreislauf gelangen). Weil die Alten aber auch nicht von Luft alleine leben, kaufen sie ein, Lebensmittel, gehen zum Friseur, zahlen GEZ-Gebühren, kaufen Kleidung, gönnen sich auch mal einen Besuch in einem Cafe, tanken oder zahlen Geld für die Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw., was im Klartext bedeutet, dass sie auch Arbeitsplätze sichern. Jeder Cent, den man ihnen kürzt, verringert nicht nur dieses Wirtschaftskapital, sondern hat Gültigkeit auch für die künftigen Generationen. Wenn die junge Generation fürchtet, später mal zu wenig Rente zu bekommen, dann hat sie recht, aber die Weichen dafür werden seit nunmehr 30 Jahren JETZT gestellt. Die Demographie ist ein reines Scheinargument, das man immer dann anwendet, wenn man der Bevölkerung verkaufen will, dass man ihr noch mehr nehmen muss. Nicht die Bevölkerung hat über ihre Verhältnisse gelebt, sondern die Politiker haben immer schon das Geld zum Fenster hinaus geschmissen. Und es war immer eine CDU-geführte Regierung, fast immer in Zusammenarbeit mit der FDP, die für die massive Steigerung der Verschuldung gesorgt hat. Das ist beim Stat. Bundesamt leicht zu überprüfen. Doch was für den Bund gilt, gilt auch für Länder und Gemeinden. Man hat Milliarden beim "Geschäft" mit "Cross Border Leasing" verbraten, derzeit klagen etliche Gemeinden gegen die Deutsche Bank, weil die ihnen risikoreiche Spekulationsgeschäfte aufgeschwätzt hat, durch die nun massive Verluste zu beklagen sind. Jedes Jahr beklagen die Rechnungshöfe und der Bund der Steuerzahler die Verschwendung von Steuergeldern in der Höhe von etlichen Milliarden. Und es war die Regierungskoalition aus SPD und Grünen, die den Spitzensteuersatz von 53% (nachdem ihn zuvor die CDU/FDP schon von 56% auf 53% gesenkt hatte) auf 45% gesenkt hat, ein Steuersatz, der erst bei einem Einkommen über 250.000 gezahlt werden muss. Aber Leute mit diesem Einkommen haben in der Regel auch ganz andere Möglichkeiten der Absetzbarkeit. Und die Vermögenssteuer wurde gänzlich abgeschafft. Einkommen aus Kapitalgewinnen (Zinsen) werden mit der Kapitalertragssteuer oder der Abgeltungssteuer aus meiner Sicht (weil leistungsloses Einkommen) viel zu niedrig versteuert. Merkwürdig ist auch, dass in den 50 Jahren mit einem Steuersatz über 50% es dem Land entschieden besser ging, als heute.

Nein, wenn der Staat Geld braucht, holt er sich das bei denen, die nichts haben und schiebt es denen zu, die mehr davon haben, als sie je verbrauchen können. Das ist eben "moderne soziale Marktwirtschaft" .