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Erstelldatum: 12.05.2011

Der Staat der Konzerne hat uns besiegt

Das ist der Kommentar zu einem in der Linke Zeitung erschienen Artikel . Nun ist es ja nicht en vogue, Artikel in der Linken Zeitung ernst zu nehmen, denn das sind ja nur linke Spinner, die sich die DDR zurückwünschen. So was liest man nicht. Solche Argumentation liest man in bestimmten Gazetten, wie BILD, WELT, Focus, Spiegel usw. oft genug. Links ist Pfui. Nun ist mein Schamgefühl im Lauf der Jahre abgestumpft, weshalb ich auch lese was eigentlich pfui ist. Wahrheit ist in diesem Land schon lange pfui. Das war schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts so, war in den Jahren von 1933 bis 1945 sogar strafbar und ist auch danach pfui geblieben.

Dieser Beitrag der Linke Zeitung ist besonders pfui, weil er noch das Element des Antiamerikanismus beinhaltet, auch wenn dieser Antiamerikanismus von einem Amerikaner, dem Journalisten Chris Hedges, geäußert wurde. Wie "pfui" dieser Artikel auch immer sein mag, meine Neigung zu solch schlüpfrigen Zeilen hat mich alle Bedenken über Bord werfen lassen. Der Link zu dem Artikel wurde mir von einem Leser zugeschickt, wofür ich mich ganz herzlich bedanken möchte. Ich habe den Artikel gelesen und hier ist mein Kommentar dazu. Teilweise beziehe ich mich auch auf einen zum Artikel veröffentlichten Kommentar von B. I. Bromsteyn.

Sie sollten meinen Beitrag nicht lesen denn er ist auch pfui und könnte sie zu subversiven Gedanken verleiten und das wollen Sie doch nicht. Wenn man mit dem Strom schwimmt, sollte man sich nicht nach jenen umdrehen, die gegen den Strom schwimmen, Das verunsichert nur. Hier nun mein Kommentar zu diesem Artikel.

Eine bessere Analyse des heutigen Amerikas habe ich bisher noch nicht gelesen. Übertragen wir die Mechanismen auf Deutschland, stellen wir fest, dass wir längst ein Vasallenstaat der USA geworden sind. Der Grundstein dazu wurde in der unmittelbaren Nachkriegsära gelegt und mit den Geldern des Marshallplanes so überzuckert, dass wir den fauligen Inhalt erst viel später, wenn überhaupt, zur Kenntnis genommen haben.

Im Kommentar von B. Bromsteyn wird der Spiegel angeführt, an dessen Beispiel er aufzeigt, dass die Wahrnehmungsmacht der Presse angefangen hätte zu bröckeln. Sicher, die Wahrnehmung heute ist eine andere, als die vor 50 Jahren. Leider aber nur in Details.

Vor einiger Zeit habe ich auf meiner Webseite, aber auch in einem Leser-Kommentar im Spiegel meine Ansicht dargelegt, was den eigentlichen Unterschied zwischen einer Diktatur und der Demokratie ausmacht. Eine Diktatur bedroht den Einzelnen sofort mit stringenten Maßnahmen, wenn er von der Konformität des Systems abweicht, selbst wenn das nur mit Worten geschieht. Die Demokratie ist da fortschrittlicher. Dort kann man sich gegen das System äußern, es infrage stellen und sich auch gegen die Elite stellen. Man wird einfach ignoriert und das klappt deshalb so gut, weil aus den Reihen der Bevölkerung eine Art Selbstzerfleischungsprozess beginnt. In der heutigen digitalen Welt ist das in den Leserkommentaren immer sehr gut zu beobachten. Wer die Ereignisse zu Fukushima und der damit angestoßenen Debatte über den Ausstieg aus der Kernenergie, die Debatte über die Tötung (oder sollte ich ruhig von Mord sprechen) von bin Laden, die Kommentare zu Griechenland in Verbindung mit der "Euro-Rettung", die Phrasen über systemische Banken zu lesen, dann wird klar, dass in den Gazetten entweder Lohnschreiber am Werke sind, die jeden lesenswerten Leserkommentar zerfleischen, oder in der Masse Mensch wirklich ein so großer Teil von jeglicher Realität so weit entfernt ist, wie in früheren, "royalen" Zeiten.

Eigentlich wissen wir alle, dass es keine Rolle spielt, wen wir wählen, denn keine der Parteien wird wirklich eine Änderung bewirken, aus meiner Sicht nicht einmal die Linke, weil sich auch dort bereits jetzt schon zu viele daran gewöhnt haben, mit dem Strom zu schwimmen. Was Chris Hedges über die USA schreibt, hat auch für unser Land volle Gültigkeit. Nur kommt bei uns noch ein weiterer Umstand hinzu, die EU.

Ich stimme Hedges auch zu, wenn er glaubt, dass die Fäulnis des "politischen Systems in den USA" bereits mit Woodrow Wilson begann. Wilson war nicht nur ein schwacher Präsident, sondern dazu auch noch ein ausgemachter Rassist. Als er 1911 zustimmte, eine Zentralbank aus privaten Banken (die FED) zu gründen, hat er den Grundstein für die Wucherung des Kapitalismus gelegt.

Was den Kapitalismus so verführerisch macht, ist das Versprechen an den Einzelnen, auch er könne es zum Kapitalisten bringen. Es ist die Mär" vom Tellerwäscher zum Millionär" und dieses Märchen wird mit Lotteriesystemen noch untermauert, damit auch jeder glaubt, es mit ein wenig Glück schaffen zu können.

Die Frage muss also lauten, wie man dieser Falle des Kapitalismus entkommen kann. Durch große Netzwerke? Es gibt sie ja bereits, siehe Campact, ausgestrahlt, Greenpeace, Avaaz usw. Aber was bewirken sie wirklich? Außer gelegentlichen Empörungswellen (siehe momentan die Absicht der Politiker zur Veröffentlichung der Einkünfte aus Nebentätigkeiten) sind ihre Aktionen in der Regel publikumswirksame Shows, ein Event (wie es in Neudeutsch heißt), mehr nicht. Dann haben wir noch das Instrument der Petition. Aber wann hätten wir je gehört, dass eine Petition erfolgreich gewesen wäre, ausgenommen, es passte auch ins politische Konzept der Parteien?

Wenn wir nicht wirklich etwas unternehmen, sind wir (wie auch die Amis), dem Untergang geweiht. Der Kapitalismus ist eine Krankheit, schlimmer als der Krebs und der Liberalismus das Mittel, dass die Bildung weiterer Metastasen beschleunigt. Eine Heilung scheint unmöglich.

Falsch! Die digitale Welt hat etwas geschaffen, das der Kapitalismus sich sehr zunutze gemacht hat, das aber gleichzeitig einen Ausweg ermöglicht. Deutschland ist ein Parteienstaat, um wirklich etwas ändern zu können, müsste also erneut eine Partei her. Aber eine Partei, die neue Gepflogenheiten einführt. Eine Parteispitze, die sich der Basis unterordnen muss, Abgeordnete, die ihr Abstimmungsverhalten auf die Meinung der Basis ausrichten muss, eine Basis, die über jede anstehende politische Maßnahme über entsprechend eingerichtete Foren diskutiert und nach entsprechenden Fristen darüber abstimmt. Das Ergebnis der Abstimmung ist die zwingend umzusetzende Vorgabe für die Parteispitze oder die gewählten Abgeordneten. Gäbe es eine solche Partei, könnte sie die Voraussetzung schaffen, jedes politische Vorhaben zu einer Volksabstimmung zu machen. Es würde zwangsweise dazu führen, dass sich die Masse mit politischen Gegebenheiten auseinandersetzt und nicht resigniert die Achseln zuckt und den ewig wiederkehrenden Satz äußert: "Man kann ja doch nichts machen."

Politik ist kein Geheimnis. Jeder von uns macht Politik, wenn auch nur im kleinen Umfeld, denn was ist die Verwaltung unserer Ein- und Ausgaben anderes, als Finanzpolitik? Was unterscheidet unser mit- oder Gegeneinander zu Nachbarn von der Außenpolitik? Was ist die Verhaltensweise innerhalb einer Familie anderes als Innenpolitik, incl. Gesundheitspolitik? Jede Familie ist ein Staat im Kleinen. Also ist es auch möglich, den, wie meint B. Bromsteyn(?) Proletarier zu politisieren. Nicht nur das, wir würden auch wieder lernen, selber zu denken und das nicht mehr der Presse oder den TV-Medien zu überlassen.

Ein kleines Beispiel soll das verdeutlichen. Das, was Chris Hedges hier anführt, wird von interessierten Kreisen sehr schnell als Verschwörungstheorie ausgelegt werden und Verschwörungstheorien, das wissen wir alle, sind ja völlig unsinnig. Da gibt es die Verschwörungstheorie über den 11.9., die besagt, dass die Vorkommnisse im oder am World Trade Center ein "Inside Job" gewesen sei. War es das nun, oder nicht? Dem entgegen stehen die Aussagen der amerikanischen Behörden. Doch die Frage muss hier lauten, was sind die Aussagen der Behörden anderes als eine "Verschwörungstheorie"? Der 11.9. wurde nie aufgearbeitet, obwohl es physikalische "Besonderheiten" dabei gegeben hat, die eigentlich dazu führen müssten, die Physik ganz neu zu interpretieren. Solange die Behörden nicht mit dem Beweismaterial herausrücken, solange nicht der ganze Vorgang mit allen Einzelheiten vor einem Gericht zu einer Verurteilung des angeblichen Verantwortlichen, Osama bin Laden, führt, ist die Tötung von ihm ein von staatlicher Seite angeordneter krimineller Akt und staatliche Kriminalität ist Terrorismus. Und der 11.9. hat den USA eine scheinbare Legitimität für einen ewig andauernden Krieg geliefert, den Kampf gegen den Terrorismus, wobei die Terroristen immer die anderen sind, niemals die "friedliche Nation USA". Unter dieser Pseudo-Legitimation überfällt sie andere Länder und zwingt ihnen ihr System auf.

Unter diesem Gesichtspunkt sollte man die Ereignisse am 11.9. noch einmal neu bedenken, denn es war nicht nur gleichbedeutend mit der Bewilligung der Gelder für die Kriege in Afghanistan und dem Irak, sondern auch die immer weitergehende Legitimation, alles zu überfallen, was einem nicht in den Kram passt. Das ist ja das Schlimme, der Terrorismus kennt keine Grenzen. Nur, wer sind denn nun die Terroristen?