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Erstelldatum: 06.05.2011

Gezielte Tötung

Die angebliche Tötung von Osama bin Laden hat eine schon länger andauernde Diskussion erneut angeheizt, die sich mit dem Begriff der gezielten Tötung (targeted killing) auseinandersetzt.

Betrachten wir zunächst die politische Seite. Die Staaten der westlichen Hemisphäre (USA, Australien, EU, Kanada, Israel) hausieren beständig mit der Betonung ihrer auf der Rechtsstaatlichkeit und dem Recht auf freie Wahlen begründeten Demokratie. Dass diese westliche Hemisphäre als Speerspitze die USA stillschweigend als Führer nicht nur anerkennt, sondern auch nahezu bedingungslos bei allen Aktionen folgt, ist aus meiner Sicht nicht nur ein Mangel an Selbstbewusstsein der einzelnen Staaten, sondern erinnert mich an ein Bandenkollektiv, bei dem ein so genannter Pate bestimmt, was gut und richtig ist und alle anderen dieser Richtlinie bedingungslos folgen. Wer nicht pariert, kann dann leicht unter die Räder kommen.

Gehen wir in der Geschichte ein wenig zurück, in die Zeit, als uns die Amerikaner, gefolgt von den anderen Alliierten vom Joch der Nazis befreit haben. Der Ausgangspunkt für den Eintritt der Amerikaner in diesen Krieg war der Anschlag der Japaner auf Pearl Harbour. Und zu diesem Ereignis tauchen auch gleich wieder Verschwörungstheorien auf, die behaupten, die US-Administration habe rechtzeitig Kenntnis von diesem Anschlag der Japaner gehabt, aber nicht reagiert, um einen Grund zu haben, in den Weltkrieg II einzugreifen. Natürlich eine unsinnige Verschwörungstheorie aber irgendwie merkwürdig ist es schon, dass die Amerikaner mit ihrer bestens ausgerüsteten Überwachungstechnik ausgerechnet hier versagt haben. Schließlich schicken die Amerikaner gerne ihre männlichen Einwohner in Kriege, wie eine Statistik aufweist. Aber Amerikaner ist hier falsch, denn die amerikanische Bevölkerung war gegen den Eintritt in diesen Krieg und änderte ihre Meinung erst, als Pearl Harbour ein Trümmerfeld war. Aber natürlich waren das Zufälle, die aufeinander trafen und keine Verschwörung, oder!?

Wie auch immer, die Amerikaner traten in den Krieg ein, die Rüstungsindustrie der Amerikaner rieb sich die Hände und dann kam der Tag, an welchem amerikanische Jeeps und LKWs durch die deutschen Straßen fuhren. Auch wenn die Geschichtsschreiber immer wieder alle Deutschen als Täter verurteilen, war eine Mehrheit der Deutschen über den Einmarsch der Amerikaner wirklich glücklich, Sie fühlten sich wirklich befreit und waren froh, dass dieser unselige Krieg endlich ein Ende fand. Ein Gefühl übrigens, dass an die Kinder weitergeleitet wurde und in vielen Familien auch heute noch Grund genug ist, das Tun der Amerikaner nur durch die rosarote Brille zu betrachten. Ich war damals ein Kind, habe bewundernd zu den Amerikaner aufgeschaut und das geschenkte Kaugummi oder Stück Schokolade war wie der Eintritt in eine neue Welt für mich. Die Amis waren auch stets freundlich zu uns Kindern und auch großzügig. Allerdings zogen sie nach einiger Zeit weiter und statt ihrer marschierten die Briten ein. Damit verflog der Zauber für uns Kinder. Nun ja, ich war damals 7 Jahre alt, kannte die Keller und Luftschutzbunker fast besser, als unsere Wohnung und hatte noch keine Ahnung, was da eigentlich alles so gelaufen war.

Wie wohl alle Kinder dieser Zeit verfielen wir einige Zeit später der Wildwest-Romantik und eines unserer Lieblingsspiele war Cowboy und Indianer. Ich habe am liebsten den Indianer gespielt, aber das hing damit zusammen, dass mein Vater mir aus Schirmstangen einen Bogen gebastelt hat, mit dem man erstaunlich treffsicher und auch weit schießen konnte. Da kam kein Bogen meiner Kumpels mit und natürlich erhob ich damit stets Anspruch auf die Häuptlingswürde. Das ging nicht immer gut und so kam es, dass ich gelegentlich ohne Farben zu einer Kriegsbemalung kam, so um die Augen herum. Aber wir waren damals ziemlich harte Jungs und wenn wir uns heute geprügelt hatten, waren wir morgen wieder dicke Freunde. Unsere Eltern mischten sich da nicht ein, sondern versorgten lediglich unsere "Wunden". Und unser Kriegsgebiet war so 2 bis 3 Quadratkilometer groß. Unseren ständigen Hunger vergaßen wir beim Spiel und wir waren ständig in Bewegung. Spielzeug war uns weitgehend unbekannt, aber uns fiel immer etwas ein. Seltsam, meine Kindheit war eine Zeit der Entbehrung und dennoch war es eine wunderbare Zeit.

Aber natürlich war es auch eine Zeit der "großen Politik". So wurde in Deutschland 1949 John Jay McCloy als Hochkommissar eingesetzt und wenn man bei Wikipedia dessen Biographie liest, mag man nicht so recht glauben, dass er ein echter Gegner der Nazis gewesen ist. Und auch die Kirche war wohl nicht so gegen die Nazis, wie sie heute gerne behauptet. Zahlreiche Nazi-Kriegsverbrecher wurden über die zuerst als Klosterroute und später als rat-lines (Rattenlinie, siehe Wikipedia) bezeichneten Wege auf den amerikanischen Kontinent geschmuggelt.

    Am 31. Januar 1951 gab er die endgültigen Entscheidungen für die Gnadengesuche der in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher bekannt. Nach Beratungen mit dem Advisory Board on Clemency, dem sogenannten "Peck Panel", entschied sich McCloy in mehreren Fällen für eine drastische Verkürzung der Haftstrafen der Kriegsverbrecher, was sogar Eleanor Roosevelt dazu hinriss, ihn zu fragen "wieso wir so viele Nazis befreien". Die bekanntesten Begnadigungen sind wohl die von Friedrich Flick, einem der größten finanziellen Unterstützer der NSDAP, und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Darüber hinaus erhielten Flick und Krupp von Bohlen und Halbach auf McCloys Betreiben hin das gesamte, 1945 konfiszierte, Vermögen ihrer Firmen zurückerstattet. Dies war vor allem vor dem Hintergrund fraglich, da sie vornehmlich mit der Produktion von Rüstungsgütern und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern und KZ-Insassen, die daraufhin vielfach ausgezehrt in den Tod geschickt wurden, erwirtschaftet wurden.

    In anderen Fällen versuchte McCloy eine juristische Verfolgung von Kriegsverbrechern gänzlich zu verhindern. Das prominenteste Beispiel hierfür ist wohl der gegen Ende des Krieges untergetauchte Klaus Barbie, der 1947 auf Grund seiner als Chef der Gestapo in Lyon durchgeführten Deportationen und Massenfolterungen in Abwesenheit von französischen Gerichten zum Tode verurteilt wurde. Auch im Zuge der Aufklärung weiterer Verbrechen, bei denen Barbie möglicherweise als Zeuge auftreten könnte, wurden an die Bundesrepublik Auslieferungsgesuche gestellt, welche allerdings von McCloy persönlich im Jahre 1950 unter dem Hinweis darauf zurückgewiesen wurden, dass "kontinuierliche Anstrengungen unternommen würden, ihn zu lokalisieren". In Wirklichkeit jedoch stand er seit 1947 auf der Gehaltsliste des amerikanischen Geheimdienstes CIC, der McCloy über Aufenthaltsorte und Betätigungen - offiziell gesuchter - Kriegsverbrecher regelmäßig Bericht erstattete. So auch über Barbie, der vom CIC für spezielle, frankreichgerichtete Spionageaktivitäten eingesetzt wurde und dem schließlich, von McCloy befürwortet, ebenso wie anderen SS-Männern wie Josef Mengele und Adolf Eichmann über die Rattenlinie zur Flucht nach Südamerika verholfen wurde.
    Quelle: Wikipedia

Dass McCloy vor seiner Übernahme öffentlicher Ämter eine Anwaltskanzlei betrieb, die nahezu ausschließlich für Rockefeller tätig und nach dem Krieg in den Jahren 1947 bis 1949 Präsident der 1946 gegründeten Weltbank, von 1949 bis 1952 Hoher Kommissar der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland und danach von 1953 bis 1960 Vorstandsvorsitzender der Chase Manhattan Bank (Rockefeller) war. Danach war er in der Zeit von 1954 bis 1970 Vorstandsmitglied des Council on Foreign Relations in New York. Das erwähne ich nur der Ordnung halber. Einen Zusammenhang zwischen diesen Tätigkeiten und bestimmten Verschwörungstheorien möchte ich damit nicht herstellen. Oder vielleicht doch??

Am 11.09.2001 war wieder so ein Tag, an dem die amerikanischen Überwachungssysteme so völlig überraschend ausfielen. Die hochgelobte US-Luftwaffe, versagte, auf US-Flughäfen konnten Terroristen sich offenbar völlig unbemerkt in den Besitz von Flugzeugen (Passagiermaschinen) bringen und unbehelligt von der Luftwaffe oder irgendwelchen Bodenstationen damit verschiedene Ziele ansteuern und physikalisch für unmöglich gehaltene Ergebnisse erzielen. Es kommt mir so vor, als wenn die Weigerung der Amerikaner sich an diversen Kriegshandlungen zu beteiligen bzw. sie einzuleiten, immer einen merkwürdigen Zauber auslösen, bei dem in entscheidenden Momenten die Abwehrmechanismen der USA für kurze Zeit von einer Art Lähmung befallen werden, ausreichend lange, um eine Katastrophe nicht mehr verhindern zu können. Merkwürdig fand ich auch, dass die Familie von Osama bin Laden, die offenbar mit dem Bush-Clan durchaus eine ganz gute Verbindung hatte, unmittelbar nach dem Anschlag auf Veranlassung von Bush aus dem Land ausgeflogen wurde. Es muss wohl an meiner einfach strukturierten Logik liegen, dass ich stattdessen erst mal versucht hätte, aus der Familie ein wenig über Osama herauszubekommen, bevor ich ihnen ein Ticket in die Freiheit verschaffe, Freundschaft hin oder her.

Ja, und nun hat man, 9,5 Jahre nach dem 11.9. diesen verhärmt aussehenden Krüppel Osama bin Laden endlich aufgespürt. Merkwürdig war auch die Berichterstattung über diesen Vorfall . Die ddp hat da mal die verschiedenen Stationen der Berichterstattung in den einzelnen Medien kommentiert und das Geschehen mit der Satire "Wag The Dog" von 1997 verglichen. Ein treffender Vergleich, wenn man mich fragt (aber wer tut das schon?). Aber da ist wieder dieser merkwürdige Blackout. Da war die Spezialeinheit extra mit Kameras ausgerüstet, die den Einsatz in voller Länge filmen sollten. Doch wieder schlug der mysteriöse Zauber zu. Ausgerechnet im Moment der Hinrichtung fielen die Kameras aus. Wen wundert es da noch, wenn Gläubige da zu der Überzeugung kommen, dass hier Satan direkt eingegriffen hat.

Tja, und hier bin ich wieder bei der demonstrativ hervorgehobenen Monstranz der angeblichen Rechtsstaatlichkeit der Länder der westlichen Hemisphäre angelangt. Auf german-foreign-policy beschwert sich der auf internationales Strafrecht spezialisierte Juraprofessor Kai Ambos über die immer unverfrorener ausgeübten und geduldeten Rechtsbrüche staatlicher Stellen, die sich demokratisch und rechtsstaatlich schimpfen, aber glatten Mord gut heißen oder, wie bei Merkel und Westerwelle sich befriedigt zu einem solchen Mord äußern. Was diese Spezialeinheit nach eigenen Angaben dort geleistet hat, war glatter Mord und keine Heldentat. Hätten sie bin Laden festgenommen und in die USA überführt, wäre das zwar auch ein Rechtsbruch nach dem Völkerrecht gewesen, aber verzeihlich. Als Beispiel aus vergangenen Tagen mag da die "Entführung" von Eichmann dienen, der aber dann in einem öffentlichen Prozess regulär verurteilt wurde. Ihm wurde zumindest die Gelegenheit gegeben, sich zu den Gräuel zu äußern, die auf seine Veranlassung hin geschehen sind und sicherlich haben die Ermittler aus seinen Aussagen auch noch weitere Kenntnisse über die Vorgänge erhalten, die ihnen sonst verborgen geblieben wären.

Aber das ist Vergangenheit. Heute üben sich Staaten wie Israel, die USA und auch weitere als demokratische bezeichnete Staaten immer dreister im Targeted Killing, also der gezielten Tötung. Was unterscheidet sie eigentlich noch von den Nazis? Die Menge der Getöteten?

Machen wir uns nichts vor. Hollywood verwöhnt uns seit 50 Jahren mit Filmen über den "Wilden Westen". Betrachtet man diese Zeit genauer, dann war es eine Zeit, in der die Amerikaner ihren Holocaust begangen haben, egal, ob sie nun versuchten die Indianer auszurotten, oder die schwarzen Sklaven oft bestialisch umzubringen. Es war eine Zeit der Selbstjustiz und der tolerierten Verbrechen. Es gab nichts Romantisches daran und das Problem ist, dass dieser "wilde Westen" jetzt offenbar weltweit etabliert werden soll. Gezielte Tötung ist nichts anderes als Mord in staatlichem Auftrag und jeder Staat, der das praktiziert oder auch nur duldet, hat keinen Anspruch darauf, sich als Rechtsstaat zu bezeichnen oder seine demokratische Legitimation hervorzuheben.

Hätte man bin Laden festgenommen und ihm den Prozess gemacht, dann wären vermutlich die seltsamen Umstände des 11.9. in aller Öffentlichkeit ein wenig näher beleuchtet worden. So aber muss ich sagen, dass ich Regierungen, die gezielte Tötung betreiben, losgelöst von der Frage, welche Unschuldigen sie zusätzlich damit ins Verderben reißen, auch zutraue, aus politischer und vor allem wirtschaftlicher Motivation heraus einen Anschlag auf die eigene Bevölkerung zu inszenieren, wie es die weit verbreitete Verschwörungstheorie vom 11.9. behauptet.

Eine Wiki der Uni Hamburg setzt sich mit der gezielten Tötung kritisch auseinander.

Dieser (mein) Beitrag geht natürlich davon aus, dass die Tötung von bin Laden wirklich so stattgefunden hat, wie berichtet wurde. Aber er entspricht nur der theoretischen Annahme, denn in Wahrheit halte ich die bin Laden-Videos für primitive Fälschungen und stelle mir lediglich die Frage, ob bin Laden nicht schon vor dem 11.9. tot war, oder ob er heute als Person im Zeugenschutzprogramm irgendwo in der Welt völlig frei und unbehelligt herumläuft. Wirklich halte ich die Berichte über seinen jetzigen Tod für eine Inszenierung nach dem Motto der Satire "Wag The Dog", wie es die ddp anklingen ließ.