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Erstelldatum: 31.03.2011

In eigener Sache

Ich wähle diesen Weg, auf den Zuspruch zu antworten, den meine Überlegung, warum ich das eigentlich alles mache, ausgelöst hat. Ich mache es hier als generelle Antwort, weil ich ansonsten einige Zeit damit beschäftigt wäre, individuell zu antworten und wer meine Beiträge kennt, weiß, dass ich Probleme damit habe, mich kurz zu fassen.

Die Ergebnisse der Landtagswahlen haben mich einmal mehr wütend gemacht und dann kommen schon Überlegungen auf, warum ich eigentlich den Don Quichote mache. Das sind Momente der Resignation, die aber meist schnell vorübergehen. Hinzu kommt, dass die Sonne scheint und ich mich natürlich frage, warum ich mich nicht stattdessen auf das Motorrad schwinge und einfach die Gegend unsicher mache. Das sind nämlich die Momente, in denen ich mich frei fühle, zumindest solange, bis ich mal wieder eine Tankstelle anfahren muss. Dort holt mich die Wirklichkeit in Form von Benzinpreisen und nun mit E10 wieder ein.

Gedankengänge, einfach die Brocken hinzuschmeißen, habe ich nicht zum ersten Mal. Von Zeit zu Zeit packt einen einfach der Frust. Das ist ungefähr so, als wenn man sagt: "Ich könnte ihn/sie umbringen", obwohl man das ja meist auch nicht macht. Ich habe in der Vergangenheit weiter gemacht und werde das auch in Zukunft wohl machen, zumindest solange, wie mein etwas überalteter PC noch mitspielt. Wenn ich aufhöre, hat irgendwas seinen Geist aufgegeben und da gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder mein PC oder ich. Bei Letzterem gibt es wieder zwei Möglichkeiten, entweder vollständig oder im wörtlichen Sinne.

Mir ist auch bewusst, dass ich wohl einige Menschen mit meiner Verallgemeinerung vor den Kopf gestoßen habe. Aber ab und zu ein wenig Provokation gehört auch dazu, denn ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die eigentliche Schuld am herrschenden System bei uns selbst liegt und nicht auf unser Wahlverhalten beschränkt ist. Ich weiß auch, dass es die DDD ja bereits gibt, von denen zumindest 5 sich zwar anders nennen (CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP), aber offenbar den Zuspruch bekommen, der sozial denkenden Menschen unbegreiflich ist.

Bei den Reaktionen auf meinen Beitrag wurde auch die Frage aufgeworfen, ob denn die "kleineren Parteien" überhaupt Leute mit der fachlichen Qualifikation hätten, um ein politisches Amt auszufüllen. Hmmm? Ich habe mich gefragt, wer von denen, die ein solches Amt derzeit innehaben, hat denn die fachliche und auch ethisch-moralische Kompetenz? Können Sie mir Namen nennen?

So ein wenig konnte ich ja als ehemaliges WASG-Mitglied in die Parteienstrukturen Einblick nehmen. Wenn es dann vor Wahlen darum geht, die Listen zusammenzustellen, die als Liste für die Zweitstimme (wo es die Erststimme auch noch gibt) dann entscheidend in Abhängigkeit vom Wahlergebnis zu einem Mandat führen oder zumindest führen könnten, findet man in vorderster Front vor allem die Leute, denen man eine "Redebegabung" nachsagt. Mein Eindruck war dann allerdings oft, dass einige dieser Leute vor jedem Treffen einen Schluck ihrer Duschlotion trinken, weil das beim Sprechen so schöne Sprechblasen gibt. Zumeist haben sie auch in den Orts- oder Kreisverbänden bereits die Funktion des Vorstandes und Schriftführers inne. Das hängt damit zusammen, dass sie oft in einer Funktion tätig sind, die es ihnen erlaubt, während der Arbeitszeit Parteiarbeit zu verrichten. Ihre Aufopferung hat zur Folge, dass sie es sind, die man zum Vorstand wählt und aufopferungsvoll stellen sie sich auch zur Verfügung, wenn es darum geht, zu kandidieren. Damit nehmen sie in den Listen die ersten Plätze ein, während die Macher erst weiter hinten folgen. Aus diesen Vorschlägen der kleinen Verbände werden dann auf Parteitagen die Leute ausgewählt, die die meisten Stimmen bekommen und wen wundert es, dass die Duschlotion-Trinker aus den verschiedenen Ortsverbänden auch hier die ersten Plätze einnehmen. Der Vorstand des Landes- oder Bundesverbandes, soweit er kandidiert, nimmt dann natürlich einen der vorderen Plätze ein.

Was ich damit sagen will, ist, dass die eigentlichen Macher selten auf aussichtsreichen Listenplätzen im Parteienspektrum zu finden sind. Natürlich gibt es darunter häufig Leute, die studiert haben, sozusagen ein Extra-Bonus für die Basis-Wähler, doch nicht zwangsweise auch ein Zeichen für Qualifikation. Die Politiker sind in der Regel nur Galionsfiguren. Einige von ihnen haben durchaus Potential und Fähigkeiten, aber sind zumeist auch mit einem gewissen Dünkel und einer gehörigen Portion Egoismus behaftet. Die eigentliche politische Arbeit wird ohnehin von den unsichtbaren Geistern der zweiten und dritten Reihe durchgeführt, dort, wo die Industrie und Finanzwelt auch ihre Leute, teils offen, teils verdeckt sitzen hat. Die Kunst dieser Leute ist es vor allem, einzuflüstern und zwar auf eine Art und Weise, dass die Galionsfiguren es nicht nur an den Mann bringen können, sondern oft genug glauben, die Idee stamme wirklich von ihnen.

Ich habe das nun wirklich ein wenig(?) überspitzt formuliert. Eigentlich ist die fachliche Spezifikation im ersten Go sekundär. Wichtig ist die persönliche Einstellung und das Stehvermögen, seiner persönlichen Einstellung treu zu bleiben. Keine neu gewählte Partei wird auf Anhieb Regierungspartei und damit quasi gezwungen, gleich ein oder mehrere Ministerämter zu besetzen. Wenn Merkel, von der Leyen und Konsorten von lebenslangem Lernen sprechen, meinen sie damit, dass selbst ein guter Sklave noch lernen kann, ein noch besserer Sklave zu werden. Ich hingegen meine, jeder kann sich in jedes Fachthema einarbeiten. Es ist eine Frage der Einstellung und des Engagements, aber auch eine Frage, wie man denkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Dinge, die im ersten Moment logisch und vernünftig klingen, ihr Gesicht verändern, wenn man sie durch die eigenen Gehirnwindungen laufen lässt. Es ist ein Ablauf, wie er auch in einem Computer nicht anders verläuft, das Abwägen von pro und contra. Was spricht dafür, was dagegen. Das Schwerste wird sein, den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. Dabei meine ich nicht die Parteibasis, sondern die, die für oder gegen ihn gestimmt haben, die Menschen draußen. Das ist nicht einfach, denn man verbringt, einmal gewählt, die meiste Zeit in einer regelrecht abgehobenen Gesellschaft, Leuten, die längst jeglichen Bezug zur Realität verloren haben.

Ich erinnere mich da an Gesine Lötsch, die vor einiger Zeit meinte, man müsse den Weg zum Kommunismus finden (so ungefähr habe ich es in Erinnerung). Es gab einen regelrechten Tsunami der Empörung. Eine Reaktion, die ich bis heute nicht verstanden habe. Kommunismus und Sozialismus sind reine Ideologien und wurden noch nie wirklich praktiziert. Ob UDSSR, ob DDR oder andere, so genannte kommunistische oder sozialistische Systeme wurden nur als solche bezeichnet. Sie hatten nichts mit der dahinter stehen Ideologie zu tun. Der Begriff Kommunismus oder Sozialismus wurde als reines Aushängeschild verwendet, der Schafspelz, den sich der Wolf übergezogen hat. Es war ein Versprechen an die Bevölkerung dieser Länder, das gebrochen wurde. Die reine Ideologie des Kommunismus oder des verwandten Systems des Sozialismus beruht auf Idealen, deren wirkliche Gegner der Mensch an sich ist. Es ist nicht die Gleichmacherei, die diese Ideologien scheinbar fordern, sondern die Gerechtigkeit gegen jedermann, das Auffangen der Schwachen durch die Starken, eine gerechte Güterverteilung aus dem Blickwinkel, dass auch der einfachste Arbeiter einen ebenso wertvollen Beitrag zum Ganzen leistet, wie der Studierte, eben nur jeder an seinem Platz. Es sind theoretische Überlegungen, die eine Gesellschaft fordern, in der Gier, Macht, Neid, Missgunst, Überheblichkeit, Arroganz usw. keinen Platz haben. Wenn Sie so wollen, eine Art Bibel, die an das Gute im Menschen glaubt. Betrachten wir doch mal den Kapitalismus in seiner Form der "sozialen Marktwirtschaft". Haben wir eine soziale Marktwirtschaft? Ganz sicher nicht. Wir haben den Prototyp des Kapitalismus, eine Ellenbogengesellschaft und die an der Spitze dieser Gesellschaft haben auch die spitzesten Ellenbogen. Das war in der UDSSR oder der DDR nicht anders. Die an der Spitze haben Kommunismus oder Sozialismus gepredigt, aber Kapitalismus für sich gelebt.

Das war aus meiner Sicht die eigentliche Aussage, die Gesine Lötsch gemacht hat, ein politisches Statement, das aber angesichts gelebter Realität zu diesem Aufschrei der Empörung geführt hat. Im Prinzip hat sie lediglich gesagt, wir müssen den Weg zu einer gerechteren Gesellschaft finden. Die größte Aufregung hat sie damit bei denen erzeugt, die sich noch nie mit der Ideologie als solche auseinandergesetzt haben, sie im Gegenteil lediglich aus der Sicht der Propaganda kennen und das Homeland der antikommunistischen Propaganda sind die USA und wir sind schließlich auch nur ein noch nicht offiziell anerkannter Bundesstaat der USA.

So viel zur fachlichen Qualifikation neuer Parteien. Ob und wie sie sich entwickeln, wird erst sichtbar, wenn man sie wählt und sie damit ins Rampenlicht stellt.