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Erstelldatum: 27.03.2011

Verbraucherverhalten

Liest man in den Zeitungen Berichte über das AKW-Drama in Japan und vor allem die Leserkommentare zu den Berichten, Dann scheinen immer noch eine Menge Befürworter der Kernkraft unter uns zu sein. Aber natürlich kann es auch sein, dass es sich dabei um Lohnschreiber der AKW-Betreiber und der Politik handelt.

Ein häufig angeführtes Argument ist der Hinweis, dass wir dann den Strom von anderen Ländern teuer kaufen müssten, z. B. den Atomstrom von Frankreich. Das heißt, die Befürworter der Kernkraft wollen uns da packen, wo es uns weh tut, am Portmonee.

Sieht man mal davon ab, dass Deutschland derzeit Strom exportiert und noch eine Reservekapazität von ca. 25% hat, während nur 22% des Stroms von Kernkraftwerken produziert werden, ist das zwar ein unrealistisches, aber offenbar wirkungsvolles Szenario.

Am 26.03.2011 wurden in vielen Ländern für 1 Stunde die Lichter ausgeschaltet. Man beschrieb das in der Presse pathetisch: Eine Stunde Dunkelheit, um die Welt zu erleuchten! Damit sollte die Welt gemahnt werden, dem Klimawandel mehr Beachtung zu schenken. Ob der prognostizierte Klimawandel wirklich existiert, ob er von Menschenhand gemacht wird, ob der CO2-Ausstoß etwas damit zu tun hat, wie uns Wissenschaft und Politik ständig einreden, wer weiß das schon? Ich zumindest nicht. Klimawandel auf unserem Planeten sind nun keineswegs eine Seltenheit, es gab sie schon, lange Zeit, bevor der Mensch diesen Planeten bevölkert hat. Folglich könnte ein Klimawandel auch durchaus natürlich Ursachen habe, die sich vom Menschen in keiner Weise beeinflussen lassen.

Aber Klimaschutz ohne Umweltschutz ist nicht möglich. Wer also an den Klimawandel glaubt, dazu noch ein Kernkraftgegner ist, der sollte nicht zu den anderen schielen, sondern sein Verhalten als erstes auf den Prüfstand stellen. Was tue ich, um weniger Energie zu verbrauchen? Was tue ich für die Umwelt? Wie kläre ich meine Kinder auf, was der Umwelt und dem Klimaschutz dient?

Was ich von der Politik zu diesem Thema bisher erlebt habe, war reine Geschäftemacherei und dem Deckmantel des Klimaschutzes. Solange man Lebensmitteldurch die halbe Welt hin und her karrt, um wenige Cent Lohn zu sparen, spielt der Klimagedanke in der Industrie wohl keine Rolle. Solange ganze Urwald-Regionen abgeholzt werden, um dort Monokulturen, z. B. für Palmöl oder neuerdings für Getreide-, Rüben- oder Zuckerrohrplantagen anzupflanzen, die man als "BIO" dem Kraftstoff beimengen will, geht es nur ums Geschäft und dafür ist jeglicher Raubbau mit der Natur nebensächlich. Einsicht von der globalen Wirtschaft, den globalen Finanzmärkten oder von der Politik, global oder regional, sind nicht zu erwarten. Shareholder-Value ist nicht mehr vergleichbar mit der von Langfristkalkulation von Unternehmern, die für ihr Unternehmen und für ihre Mitarbeiter bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Shareholder-Value ist das Synonym für ausschließlich auf kurzfristige Profite ausgerichtete Firmenpolitik der multinationalen Konzerne. Auch der gebetsmühlenartig beschworene Zwang zum Wachstum ist das Gegenteil von verantwortungsvoller und nachhaltiger Politik. Wachstum ist der dem Kapitalismus anhaftende Zwang, leistungslose Kapitalvermehrung zu erreichen, bis das System an die Wand fährt, immer zu Lasten derer, die an diesem Wachstum nicht partizipieren.

Es ist bei uns üblich, damit meine ich die Menschen, die die ihr Brot noch mühsam mit Arbeit verdienen müssen und auch die, die von diesem Arbeitsprozess bereits ausgegrenzt wurden, den Kopf in den Sand zu stecken und nahezu einhellig zu behaupten, dass wir daran nichts ändern können. Dabei verkennen wir, dass alles, was geschieht, seinen Ausgangspunkt bei uns selber hat. Unsere Gleichgültigkeit, unser fehlendes Interesse, nach Ursachen zu suchen und auch die in uns schlummernde Gier, wenn auch nicht so ausgeprägt, wie bei den so genannten Eliten. Ist der Keim, der letztendlich zu allen globalen Extremen menschlicher Habsucht führt.

Damit komme ich zurück zu den Argumenten der AKW-Befürworter und der Frage, woher kommt dann die benötigte Energie. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein. Sie gehen zu ALDI, REWE, EDEKA und wie sie noch so alle heißen. Dort schieben Sie den Einkaufswagen durch die Gänge, nehmen mal diesen und mal jenen schön verpackten und mit bunten Bildchen verpackten Artikel in die Hand und legen einen Teil davon in Ihren Einkaufswagen. Damit gehen Sie dann zu Kasse, holen sich unter dem Kassentisch ein oder zwei Plastiktüten heraus, bezahlen und packen dann die Waren in die Tüten. Die Getränke in den PET-Flaschen oder Dosen haben für den erleichterten Transport in der Umhüllung des Sechserpacks bequeme Tragegriffe eingebaut. Also transportieren Sie Ihren Einkauf im Einkaufswagen bis an Ihr Auto, verstauen alles im Kofferraum und fahren heim. Dort füllt sich Ihr Müllbeutel, oder, weil Sie ja verantwortungsbewusst den Müll trennen, der Müllbeutel und der Plastiksack für den Abfall, der mit dem grünen Punkt versehen ist. Am Jahresende stöhnen Sie dann über die exorbitanten Müllgebühren.

Ist Ihnen ein Licht aufgegangen? Ihre Müllgebühren sind so hoch, weil Sie so viele der schönen und bunten Verpackungen entsorgen müssen. Für die PET-Flaschen und teilweise auch für die Dosen bekommen Sie zwar den Pfand zurück, trotzdem landen diese Behälter auf dem Müll, denn eine Wiederverwendung ist nur im Recyclingverfahren möglich. Sie werden geschreddert und dann mit sehr viel Energieaufwand wieder zu Verpackungen umgebaut. Ihre Plastiktüten verwenden Sie evtl. als Müllbeutel. Die vielen bunt beschrifteten Kartons und die meist in den Kartons befindliche Plastik für den eigentlichen Inhalt werfen Sie in den Sack für den grünen Punkt, weil ja auch dieses Material wieder recycelt wird, natürlich mit einem ungeheuren Energieaufwand. All der Müll, den Sie solcherart täglich verursachen, wandert auf Mülldeponien, in Müllverbrennungsanlagen oder in Anlagen zum Recycling. Das, was auf dem Müll landet, wird mit viel Energieaufwand wieder aus Rohstoffen wie Öl, Bäumen (Pappe und Papier) und anderen Rohstoffen neu hergestellt, damit bei Ihrem nächsten Einkauf wieder schöne und bunte Verpackungen zum Kauf einladen.

Und nun stellen Sie sich einmal vor, sie würden ihre Cola, Ihr Wasser, ihr Bier, Ihre Milch und all die Getränke, die ich hier noch vergessen habe, nur dann in Ihren Einkaufswagen legen, wenn sie aus wiederverwendbaren Glas sind? Denn Flaschen für die nächste Füllung zu spülen, ist bei weitem nicht so energieaufwendig wie das Recyceln von PET-Flaschen oder Metalldosen. Stellen Sie sich weiter vor, sie hätten ein Einkaufsnetz, eine Tragetasche aus Leinen oder einen Einkaufskorb mitgenommen und könnten damit auf die Plastiktüte verzichten? Damit würden Sie nicht nur Geld sparen, sondern auch Energie und zusätzlich unsere Umwelt weitaus weniger belasten. Und da wir gerade beim träumen sind, stellen Sie sich vor, Sie würden Käse, Fleisch, Wurst, Kartoffeln, Zwiebeln, Gemüse, Obst, Eier usw. auf dem Markt kaufen. Dabei könnten Sie Kartoffeln in ein eigens dafür gekauftes Netz Packen lassen, ganz ohne sonstige Verpackung. Obst, Gemüse, Zwiebeln passen in jede Tragetasche, auch ohne gesondert verpackt zu werden. Für Eier könnten Sie den letzten Eierkarton mitnehmen und solange verwenden, bis er aus dem Leim geht. Das freut auch die Marktfrauen- und Männer, denn sie sparen jedes Mal bares Geld, wenn jemand seinen Eierkarton selber mitbringt. Für den Bismarck- oder Sahnehering könnten Sie Töpfchen oder Schüsseln mitnehmen (z. B. Tupperware), kurz, Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und es geht, seien Sie sicher, denn Generationen vor Ihnen haben so eingekauft. Es ist nicht einmal mehr Arbeit für Sie, denn was Sie auf der einen Seite an Mehraufwand haben, sparen Sie auf der anderen Seite durch das Auspacken der Kartons und der Plastikumhüllungen dicke wieder ein. Und Ihre Müll-Rechnung würde sinken, es sei denn, Sie wohnen in einem Hochhaus und sind der Einzige, der so handelt. Doch das sollte Sie nicht davon abhalten, denn immerhin müssen Sie nicht so oft den Müll runterbringen und haben dazu noch ein gutes Gewissen, weil Sie wirklich was für die Umwelt und die Energiebilanz tun. Atomstrom aus Frankreich kaufen? Das wäre nicht mehr nötig, wenn Sie Ihr Einkaufsverhalten umstellen. Im Gegenteil, wir könnten "sauberen Strom" an Nachbarländer verkaufen.

Die Politik wird die Energieriesen und die Konzerne nicht zum Umdenken zwingen. Das können nur wir, denn was nicht gekauft wird, wird auf kurz oder lang auch nicht mehr produziert. Der Kunde ist König, heißt es. Aber ein König, der das Regieren anderen überlässt, verliert. Holen wir uns die Regierungsmacht zurück. Auch demonstrieren alleine nutzt nichts, wenn wir der Demo nicht auch die Handlung folgen lassen. Und es liegt an uns, unseren Kindern zu vermitteln, dass es eben nicht cool, aus der Dose Cola, Fanta, Bier oder Red Bull zu saufen, dann die Kraft der Hände zu demonstrieren, indem man die leere Dose zusammendrückt, um sie anschließend wegzuschmeißen. Auch bei Ihren Kindern wird der Hinweis auf die damit verbundenen Kosten Wirkung zeigen.

Ach ja, wenn Sie meinem Ratschlag folgen, bleiben Sie auch länger gesund, vor allem dann, wenn Sie BIO-Kost aussuchen. Denn, davon bin ich überzeugt, Viele von Ihnen beachten das Kleingedruckte auf den schönen bunten Verpackungen überhaupt nicht oder wissen damit nichts anzufangen. Aber egal was draufsteht, seien Sie sicher, es ist nicht gut für Sie.