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Erstelldatum: 07.03.2011

Biotreibstoff E10?

Was ist Ethanol? Die Antwort ist noch einfach. Es ist reiner Alkohol und unterliegt in Deutschland der Branntweinsteuer. Will man die Steuern bei technischer Verwendung umgehen, wird Ethanol vergällt, also mit anderen Stoffen vermischt, die Ethanol als Alkohol ungenießbar für den menschlichen Verzehr machen. Die Vergällung erfolgt unter Zollaufsicht Die Vergällung erfolgt unter Zollaufsicht und damit entfällt dann auch die Branntweinsteuer.

Woraus wird Ethanol gewonnen?

Nun, ich könnte guttenbergisch jetzt die Copy-Taste bemühen, mache es mir aber einfacher und stelle einfach den Link auf Wikipedia ein, woher ich meine "Weisheit" bezogen habe: Zu beachten ist dabei der Absatz "Nebenprodukte", nach dem die verbleibenden restlichen Pflanzenbestandteile (Schlempe) zum Teil Verwendung in der Nahrungsmittel- und Futtermittelindustrie finden. Und wer weiß, vielleicht finden wir ja demnächst "Schlempe" in getrockneter und anschließend geröteter Form bald in den Regalen der Supermärkte als Brotersatz wieder.

Eine Frage bewegt mich dabei besonders. Ist es richtig, dass die CO2-Abgabe deshalb gemindert wird, weil man nun Pflanzen verbrennt, die zuvor CO2 in ihrem Lebenszyklus aufgenommen haben? Es sind ja keine Brachböden, auf denen die Grundstoffe für Ethanol angepflanzt werden, sondern haben auch zuvor schon durch Pflanzenbewuchs CO2 aufgenommen und dafür Sauerstoff abgegeben. Gehe ich von dieser Argumentation aus, dann haben auch fossile Brennstoffe mal CO2 aufgenommen, wenn auch vor Millionen von Jahren. Verbrennt man nun das aus stärke- oder zuckerhaltigen Pflanzen gewonnene Ethanol, wird damit wieder CO2 abgegeben, welches nicht in die Atmosphäre gelangen würde, wenn die Pflanzen ihrer ursprünglichen Verwendung zugeführt würden. Ich glaube, wir werden hier einmal mehr mit einem Scheinargument konfrontiert, welches nur auf den ersten Blick logisch erscheint.

Mir ging es aber hauptsächlich um die in Leserkommentaren immer wieder auftauchenden Hinweise, dass in den USA und in Brasilien sogar Fahrzeuge mit einem Ethanolanteil von 85% (E85) oder gar mit reinem Ethanol (E100) betrieben werden. Das ist richtig, aber es sind speziell dafür eingerichtete Motoren. Auch das kann man bei Wikipedia leicht nachverfolgen. Sogar in Deutschland gibt es ca. 300 Tankstellen, die E85 bzw. E100 anbieten. Das aber ändert nichts daran, dass

  1. Ethanol aus so genannten nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird
  2. Die Motoren älterer Modelle in Deutschland nicht auf einen höheren Ethanolanteil im Sprit ausgerichtet sind.

Nachwachsende Rohstoffe, das bedeutet, Anbauflächen, ursprünglich für den Anbau von Grundnahrungsmitteln vorgesehen, werden dann für den Anbau von Benzinersatz verwendet. Die unausweichliche Folge ist, dass die Lebensmittel, die man als solche auch bezeichnen kann (nicht der in Deutschland so gerne verkaufte Industrieabfall), knapper und damit teurer werden. Das bedeutet auch, dass ein Industrieland wie Deutschland niemals den gesamten Bedarf selbst decken kann, also die Grundstoffe und/oder das Ethanol importieren muss. Da bietet sich natürlich Brasilien an, das die billigsten Exportprodukte in Form von Rohrzucker anbietet. Ein Blick in den Spiegel Nr. 16 von 1981 lohnt, zeigt er doch die Folgen auf, die die Einführung von Schnaps-Motoren in Brasilien hatten. Kommen nun Anforderungen aus Europa hinzu, dann wird das die arme Bevölkerung in Brasilien noch weitaus stärker zu spüren bekommen, die Großgrundbesitzer und US-Investoren dort aber noch wesentlich reicher machen. Nun denkt ja so mancher einfältige Tropf, dass Brasilien schließlich weit weg ist. Doch das ist eine dümmliche Sichtweise, denn von den Regenwäldern, die für die Zuckerrohr-Monokulturen gerodet werden, haben bisher alle Staaten dieser Welt profitiert und damit wird die politische Absicht (wie behauptet) für einen geringeren CO2-Ausstoß massiv ins Gegenteil verkehrt. Die Urwälder am Amazonas sind nicht nur die grüne Lunge des Planeten, sie beherbergen auch eine Vielzahl von Arten (tierisch und pflanzlich), die als Grundlage medizinischer Präparate unentbehrlich sind und von der unsere Medizin stärker profitiert, als die in Brasilien.

Exportmodelle aus deutscher Produktion werden mit Motoren ausgestattet, die den Erfordernissen und/oder Ansprüchen des Landes angepasst sind, in die exportiert wird. Umgekehrt ist es so, dass die im Ausland produzierten Autos deutscher Hersteller mit Motoren ausgestattet sind, wie sie in Deutschland nach deutschen Normen und gesetzlichen Bestimmungen üblich sind. Es ist also müßig, darüber zu spekulieren, dass in Brasilien deutsche Autos mit E85 gefahren werden. In Deutschland haben sich E100 und E85 nicht durchgesetzt, weil die geringere Energiedichte von Ethanol gegenüber Benzin einen erheblich höheren Verbrauch erforderlich macht (bis zu 43%).

Die Resonanz unserer Regierung zeigt allerdings, dass die Weigerung in der Bevölkerung, diesen Sprit zu tanken, nicht als Mahnung an die Politiker gesehen wird, sondern als "Kommunikationsproblem". Einmal mehr zeigt die Politik, dass ihr schnurz ist, was die Bevölkerung meint. Es wird Zeit, dass wir als Wähler den Politikern klarmachen, dass das scheinbare "Kommunikationsproblem" eine politische Meinung einer Bevölkerung ist, die nicht mehr bereit ist, die Arroganz der Damen und Herren in Berlin hinzunehmen. Aber diese bevölkerungspolitische Meinung ist nur durchsetzbar, wenn sie sich auf den Wahlzetteln artikuliert. Mit Wahlverweigerung protestiert man nicht, sondern unterstützt die Parteien, denn keine Stimmabgabe ist für diese Politiker viel besser und wesentlich erfreulicher, als die Stimme für eine andere Partei. Wahlverweigerung ist gleich Zustimmung FÜR Kernkraftwerke, FÜR E10, FÜR Stuttgart 21, FÜR Hartz IV und FÜR so manche andere politische Aktivität wie z. B. EU oder die Rettungsschirme.

Per Mail wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass E10 für die Preisgestaltung der Mineralölgesellschaften offenbar genutzt wird, für herkömmliche Benzinsorten wesentlich höhere Preise zu verlangen. Ich war noch nicht tanken und habe auch noch nicht auf die Preise geachtet. Das sollte aus meiner Sicht aber jeder machen, der jetzt tanken geht, denn die Einführung von E10 ist ja auch eine politische Steilvorlage für die Mineralölwirtschaft, ihrer Selbstbedienungsmentalität zu frönen. E10 müsste eigentlich teurer als die normalen Benzinsorten sein, aber ich meine schon Ende 2010 in der Presse gelesen zu haben, dass beabsichtigt ist, die Preise der normalen Benzinsorten anzuheben, um das teurere E10 zu gleichen Konditionen anbieten zu können.

Ich bleibe bei meiner Meinung. E10 werde ich nicht tanken. Die bereits seit 2002 Anwendung von E5 ist, das muss ich gestehen, damals total an mir vorbei gegangen. Ich hatte keine Ahnung davon. Jetzt aber weiß ich davon und ich werde mich auch über den Preis nicht ködern lassen. E10 ist nicht BIO, E10 ist EURO, harte Währung in die Taschen der ewig gleichen Kassierer. E10 ist auch nicht gut, wie es wohl einige "Experten" künftig formulieren werden. E10 ist Raffgier pur, von den Mineralölkonzernen, den Ethanol-Herstellern, manchen Agrarbetrieben und manchen Politikern. Ich denke, E10 zu tanken, ist mehr als die Frage, wie die Motoren es verkraften. Es ist eine Frage der Ethik und Moral. Die Klima-Politik ist dabei nur einmal mehr ein vorgeschobenes Argument, sorgsam aufgebaut, um weitere Geschäftsfelder zu entwickeln oder aufzubauen. Denn echte Klima-Politik wird nicht betrieben, sondern eher verhindert. Tempo 130 auf den Autobahnen würde mir zwar nicht gefallen, aber ich würde es als sinnvoll ansehen und akzeptieren, denn das wäre ehrliche Klima-Politik. So gäbe es manche Möglichkeiten, wirkliche Klimapolitik zu betreiben, die wirklich sinnvoll wäre, aber politisch wegen der Auswirkungen auf Aktionärsprofite ausgeschlossen werden.

Noch eine Frage beschäftigt mich. Was kommt hinten aus dem Auspuff raus, wenn ein hoher Anteil von vergälltem Ethanol in dem Benzin vorhanden ist? Haben die Gällstoffe bei der Verbrennung Nebenwirkungen? Nehmen wir bei hoher Ethanol-Beimischung dann vielleicht Alkohol über die Atemwege auf? In den USA wird ja teilweise mit E100 oder E85 gefahren und das könnte erklären, wie es zu manchen dort produzierten "Komödien" kommen konnte.