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Erstelldatum: 16.02.2011

Reich

Wir wissen alle, dass es sie gibt, die Superreichen. Forbes präsentiert sie alljährlich in seinen Listen und das deutsche manager-magazin bringt auch gelegentlich eine Liste der reichsten Deutschen, die letzte, die ich gesehen habe, stammt aus 2008.

Ich gehe mal davon aus, dass eine Mehrzahl der Menschen mit einer Mischung aus Bewunderung und auch ein wenig Neid (dieser wird uns ja immer vorgeworfen, wenn wir Kritik an diesen Leuten üben) auf diese Leute schauen. Na ja, auf diese Leute schauen geht ohnehin nur indirekt, wenn über Einzelne mal in Illustrierten oder im Fernsehen berichtet wird. Einzelne von Ihnen begegnen uns öfter in diesen Berichten, ohne dass wir wissen, dass sie zu diesen Superreichen gehören, wie z. B. zu Guttenberg, der derzeitige Verteidigungsminister oder Roland Berger, der Unternehmensberater und INSM-Botschafter, beide mehrere 100 Millionen "schwer".

Insgeheim wünschen sich viele, auch zu diesem erlauchten Kreis zu gehören, aber durchaus nicht alle. Sicher, ein finanziell sorgenfreies Leben ist durchaus erstrebenswert, aber ein Vermögen zu haben, das für den normalen Menschen alle Vorstellungen übersteigt, das man selbst in 1.000 Leben nicht verbrauchen könnte, ist aus meiner Sicht alles andere als erstrebenswert. Bei solchen Vermögen muss man sich nämlich zunächst fragen, wie wurden sie erreicht, welche Mittel wurden angewendet, sie zu erlangen und welchem höheren Ziel sollen sie dienen? Die Summen, die als Vermögen dieser Leute angegeben werden, sind so hoch, dass sie unsere Vorstellungskraft überschreiten. Um sie mal zu relativieren, sollte man sich vorstellen, ein Mann wie der noch lebende Aldi-Bruder würde alle seine Vermögenswerte zu barem Geld machen und nur noch in Saus und Braus leben, dabei jeden Tag 100.000 verjubeln, dann müsste er 493 Jahre leben, um all sein Geld auszugeben. Dabei ist das angegebene Vermögen ein reiner Schätzwert, sein tatsächliches Vermögen dürfte noch weit darüber liegen und das gilt aus meiner Sicht für alle Leute, die in den Forbes-Listen auftauchen. Lediglich die Neureichen lassen sich in die Karten schauen und protzen mit ihrem Vermögen. Aber die meisten transferieren Teile Ihres Vermögens ins steuerbegünstigte Ausland oder haben es in Stiftungen angelegt, die sie selbst kontrollieren und mit denen sie viel Unheil im Verborgenen anrichten. Die Bertelsmannstiftung gehört dazu und spielt gerade in der politischen Einflussnahme eine wichtige Rolle.

Nun ist das Vermögen der Aldis noch ein "reell" erworbenes Vermögen, basierend auf einer umwälzenden Geschäftsidee, die sie konsequent umgesetzt und damit einen Vorsprung vor Trittbrettfahrern wie Lidl, Rewe etc. gewonnen haben. Dass zu diesem Zweck bei minimalem Personalaufwand auch noch niedrige Löhne gezahlt werden, versteht sich von selbst, obwohl der Ruf von Aldi da besser ist, als der von Lidl oder Schlecker. Bei anderen allerdings ist anzunehmen, dass die Weste nicht ganz so sauber ist. Allen scheint aber eines gemeinsam zu sein, sie können nicht mehr aufhören, sind so von Gier zerfressen, dass sie nicht einmal davor zurückschrecken, unseren Globus systematisch zu zerstören.

Ich greife dieses Thema deshalb auf, weil am 13.02.2011 auf 3SAT mal wieder ein Film gelaufen ist, der nicht nur anhand eines Beispiels aufzeigt, wie die Welt der Reichen wirklich ist, sondern auch, welchen Anteil wir alle daran haben, jeder Einzelne von uns. Ich habe ja nun keinen Fernseher, aber weil mich das Thema brennend interessierte, habe ich im Internet gesucht und wurde fündig. Der Film war betitelt: Food Inc. Was essen wir wirklich? Er dauert 88 Minuten und man ist wirklich manchmal geneigt, abzuschalten, so eklig ist das, was man mitunter zu sehen bekommt. Aber man sollte sich diese Zeit wirklich nehmen und auch nicht wegsehen, denn wir alle haben auch die Verantwortung dafür, dass es soweit kommen konnte. Wir sind durch unser Verhalten mitschuldig an dieser seelenlosen Industrie. und es ist höchste Zeit, unser Verhalten zu ändern und diesem globalen Tun ein Ende zu bereiten. Tun wir es nicht, weil wir ja kein Geld haben, zumindest nicht genug zum Essen (fürs Handy und alle mehr oder weniger überflüssigen Telefonate reicht es ja noch so eben), dann hinterlassen wir unseren Kindern eine Erbschaft, die viel negativer ist, als das vergangene Nazi-Regime. Denn dann hinterlassen wir unseren Kindern eine zerstörte Welt, die vom Menschen nicht mehr rekultiviert werden kann.

Hier der Film: Was essen wir wirklich

In diesem Film wird deutlich, dass nur wenige Industriebetriebe für all den Schmutz und das Gift in den Regalen der Supermärkte und den Theken der Fast Food-Ketten verantwortlich sind. Im Dunkel bleibt allerdings, welche Leute dahinter stecken. Sicher, einige Namen sind bekannt, z. B. die Wal Mart Kette, ähnlich zu sehen wie Aldi oder Lidl, McDonald, Cargill und einige mehr. Aber wer die Großaktionäre von Unternehmen wie Monsanto, Kraft, Thyson, Unilever und den meisten anderen Konzernen sind, deren Umsatz das Bruttosozialprodukt der meisten Staaten übersteigt, das bleibt verborgen, so wie auch meist verborgen bleibt, wie das Organisationsgeflecht der multinationalen Konzerne sich aufteilt., Wir kennen allenfalls die Manager, die diese Konzerne führen, erfahren auch gelegentlich einmal, wie diese Manager in die Politik einsteigen und wiederum eine Politik betreiben, die diesen Konzernen zugutekommt, aber wer die Leute im Hintergrund sind, die Eigentümer, das bleibt im Dunkel. Das erfährt man auch nicht bei Forbes oder im manager-magazin. Dass die gleichen Leute vermutlich auch die eigentlichen Besitzer der Banken sind, ist stark anzunehmen.

Mir ist eigentlich egal, ob jemand Millionär oder Milliardär ist. Aber dort, wo die großen Kapitalansammlungen zu finden sind, ist auch eine Machtansammlung entstanden, die Einzelpersonen nicht zukommt. Der Kapitalismus ist längst nur noch eine neue Variante des Feudalismus. Regierungen sind Marionetten dieser Großkapitalisten und ihr Menschbild weicht nicht von dem früherer Feudalherren ab. Die für die Lebensmittelindustrie Verantwortlichen werden ganz sicher nicht selbst verkonsumieren, was sie herstellen. Aber sie verhindern, dass gesetzliche Maßnahmen ergriffen werden, die dem ganzen Dreck Einhalt gebieten, indem Sie IHRE Leute in die Politik, aber auch in die Justiz schicken. In Europa ist das inzwischen nicht anders. Die EU wird mit kleinen Abweichungen nach dem Muster der USA aufgebaut und wer sich die Landwirtschaftspolitik der EU ansieht, wird keine Unterschiede mehr zur US-Landwirtschaftspolitik finden. Wir machen das gleiche dreckige Spiel wie es in den USA läuft. Wir subventionieren z. B. die Geflügelzucht und Schweinemast, produzieren zu viel und verkaufen es billig nach Afrika. Damit haben wir die kleinbäuerliche Struktur in Afrika zerstört, die eigentliche Ursache der Armut und des Hungers in Afrika. Was bekommen wir im Supermarkt z. B. an Geflügel? Hähnchen- oder Putenschenkel, Hähnchen oder Putenbrust zu absoluten Billigstpreisen. Wer macht sich noch Gedanken darüber, wo eigentlich der Rest dieser Tiere landet? Er wird tonnenweise tiefgefroren nach Afrika verkauft und zerstört dort den Geflügelmarkt, wie er früher üblich war. Mehr noch, dieser Export ist auch verantwortlich für zahlreiche Krankheiten, weil das Zeug auftaut, wieder eingefroren wird, wieder auftaut usw., so wie das auch mit Schweinefleisch gemacht wird.

Monsanto lässt Gene patentieren und dieser Film zeigt auch, mit welchen rigiden Methoden Monsanto arbeitet, weil sie vor amerikanischen Gerichten immer Recht bekommen. In den USA ist es bereits so, dass ca. 90% des Nahrungsmittel-Marktes von ganz wenigen Konzernen beherrscht werden. Es gibt da im Zusammenhang mit den Georgia Stonehenge eine Verschwörungstheorie, die davon ausgeht, dass das, was auf den Steinen als Ideal-Vorstellung geäußert wird, eigentlich eine Absichtserklärung ist, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zwangsweise erfolgen soll. Natürlich ist das absurd, wie Verschwörungstheorien allgemein. Aber irgendwie ist es beklemmend, wenn man weiß, dass ein solches Szenario durchaus zu verwirklichen wäre, weil die Nahrungsmittelproduktion in der Hand ganz weniger Leute liegt, weil Patente auf das Leben vergeben wurden, von allzu dienstfertigen Politikern und Juristen. Und machen wir uns nichts vor. Wir haben hier in Deutschland tausende Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche, aber wenn wir ein wenig bohren, kommen wir dahinter dass sie alle keine eigenständigen Unternehmen mehr sind, sondern zu den ganz großen Konzernen gehören. Natürlich ist das mit den Georgia Stonehenge nur eine Verschwörungstheorie. Aber theoretisch ist es machbar, dank unserer Ess-Gewohnheiten und das macht mir Kopfzerbrechen, denn wann hätten die Mensch je darauf verzichtet, etwas auszuprobieren, was machbar ist? Und für die Menschen auf den Forbes-Listen zählen wir nicht. Da sind wir nur nützliche Arbeitstiere. Insofern unterscheiden wir uns nicht sonderlich von Ameisen, Bienen oder ähnlichen Insekten.

Wir sollten auf den Abspann des Films hören und unsere Ess-Gewohnheiten umstellen. Auf Zeit gesehen ist das billiger, denn wir werden nicht mehr so oft krank, wir schonen die Ressourcen (was diese auch billiger werden lässt), Wir können unseren Kindern und Enkel wieder in die Augen sehen und sagen, dass wir es erkannt und uns dann umgestellt haben und können unsere Kinder auch entsprechend erziehen. Ich gebe Ihnen einen Tipp. Kaufen Sie mal ein Bio-Ei und ein nicht Bio-Freiland-Ei und schlagen sie beide in eine Schüssel. Dann sehen Sie sich die Dotter an. Der Dotter des Bio-Eis ist gelb, der des Freiland-Eis ist rötlich-gelb bis orange. Was glauben Sie wohl, macht den Unterschied aus? Und glauben Sie auch nicht immer, was auf den Etiketten steht. Da lohnt ein Blick auf einen ARD-Beitrag. Muslime sollte bei Geflügelwurst skeptisch sein, denn in der Industriefertigung wird meistens Schweinefleisch untergemischt. Ich drücke es mal ganz krass aus. Wenn wir Fast-Food oder Industrienahrung essen, haben wir meist gesundheitsgefährdende Scheiße auf dem Teller. Bevor es die Nahrungsmittelindustrie gab, gab es kaum Allergien, nur wenig Diabetes und weit weniger Krebs, Herzinfarkte etc. Heute lassen wir uns einreden, selber schuld an unseren Erkrankungen zu haben. Haben wir auch, weil wir die verlockend aussehende Scheiße aus den Regalen der Supermärkte fressen. Sicher, Bio ist etwas teurer, auch für mich. Aber ich brauche auch nicht täglich Fleisch auf dem Teller. Dafür kaufe ich auf dem Wochenmarkt, vornehmlich regionale Produkte in den Mengen, die ich als Single brauche, bei Händlern, die mich beraten und denen ich vertraue. Ich kaufe meine Eier dort am Stand und bringe meinen Eierkarton mit, denn warum muss ich jedes Mal einen neuen Eierkarton bekommen, während ich den alten auf den Müll schmeiße? Und sicher, die Bio-Eier sind teurer, aber dafür schmecken sie besser. Und Gemüse kann verdammt lecker sein und ist ohne großen Aufwand zuzubereiten. Ich werde nach wie vor noch bei Aldi kaufen, z. B. Klopapier, Küchen- und Tempotücher, Waschmittel und Mittel für den Geschirrspüler, gelegentlich auch mal was an Industrienahrung, z. B. eine Büchse Erbsen- oder Linsensuppe, eine Dose Kidney-Bohnen, Tomatenmark, auch Bio-Milch, weil ich die bei uns auf dem Markt noch nicht gefunden habe. Nein, ich bin kein Krösus, der das locker aus der Westentasche bezahlt. Ich koche selbst, das spart Geld. Ich habe kein Handy und vermeide es schon aus Prinzip, zu telefonieren (ich bin ein ausgesprochener Telefonmuffel). Mein PC ist 8 Jahre alt und ächzt mindestens 10 Mal am Tag (nicht genügend virtueller Speicher), aber aufzurüsten ist er nicht mehr und ein Neuer ist nicht drin. Anders gesagt, ich spare dort, wo wir alle sparen könnten, wären wir nicht so närrisch zu glauben, wir müssten überall erreichbar sein. Und nein, es ist keine Angst vor der Technik, denn ich hatte schon früh ein dienstliches Autotelefon, welches später durch ein Handy ersetzt wurde. Ich habe es gehasst, weil ich zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten angerufen wurde. Heute würde ich mir schon alleine kein Handy mehr anschaffen, weil der Staat oder die Staatorgane nicht wissen müssen, wo ich bin, was er von jedem Handybesitzer (mit wenigen Ausnahmen) immer wissen kann, sodenn er will. Gleiches gilt für Navigationsgeräte.

Wir Menschen haben in den letzten 100 Jahren technisch ungeheure Fortschritte gemacht und dabei nicht bemerkt, dass die Technik längst begonnen hat, uns zu beherrschen. Ja, es gibt viele technische Dinge, die sehr nützlich sind, aber wir erkennen nicht mehr, welche Technik unser Leben zerstört. Wir haben keine Ahnung, welche technischen Neuerungen in geheimen Labors und geheimen Fabriken entstehen, die ausschließlich militärischen Erfordernissen dienen, wir bekommen gar nicht oder kaum noch mit, welche Substanzen in unserem täglichen Essen inzwischen enthalten sind, die unsere Gesundheit und unser Leben zerstören. Manche von uns sind begeistere Anhänger der Gentechnik und begreifen nicht, dass ein einziger Fehler bzw. eine einzige Fehleinschätzung schon ausreichen kann, unsere gesamten Lebensgrundlagen zu zerstören. Wir wollen nun Grundnahrungsmittel zu Biosprit verarbeiten, obwohl der Begriff Bio in diesem Zusammenhang absoluter Hohn ist. Gleichzeitig bekommen wir erklärt, dass Rinder und Schafe Schuld sind, dass die Anbauflächen für Getreide, Raps oder Mais knapp werden. Wir lassen uns abspeisen mit politischen Aussagen, dass Entscheidungen in Brüssel getroffen werden und unsere Politiker deshalb nichts machen können und verkennen dabei, dass es unsere Politiker sind, die diese Entscheidungen in Brüssel treffen, weil sie sie regional nicht durchsetzen könnten.

Weniger Staat, wie es die Neoliberalen wünschen, ist schon richtig. Aber weniger Staat in der Privatsphäre der Bürger und mehr Staat in der Kontrolle der Industrie und Banken, aber das sehen leider die Parteien spiegelverkehrt. Und Staat sollte Deutschland sein und nicht Brüssel, denn die EU ist kein Staat und von dort ist bisher kaum etwas entschieden worden, was den Menschen in der EU nützen würde. Dort wird nur entschieden, was der Wirtschaft nutzt und Wirtschaft ist in der EU nur die Wirtschaft der multinationalen Konzerne, nicht die mittelständische Wirtschaft, das eigentliche Herz jeden Nationalstaates. Für diese multinationalen Konzerne zählt aber nur der Profit. Menschen gibt es dort in den Vorstandsetagen nicht, nur Humankapital und dafür eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wenn sich dieses Humankapital nicht mehr rechnet? Weg damit! Wollen wir wirklich warten, bis dieses "Weg damit" nicht mehr bloße Arbeitslosigkeit bedeutet, sondern endgültigen Charakter bekommt?