Navigation aus
Navigation an

Gert Flegelskamp
Rhönstr. 17
63071 Offenbach

Berliner Büro
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel.: 030/227-74541
Fax: 030/227-76537
gerhard.schroeder@bundestag.de

An den Herrn Bundeskanzler

Betr.: 100.000 Demonstranten in Ostdeutschland

Eine kürzlich von Ihnen gemachte Aussage:
Mit Blick auf die heftigen Proteste gegen die Arbeitsmarkreform Hartz IV sagte Schröder: "Wenn bei den Montagsdemonstrationen 100.000 Ostdeutsche auf die Straße gehen, sind das 100.000 Menschen, deren Sorgen und Ängste man ernst nehmen muss. Aber es ist bei 15 Millionen Ostdeutschen keineswegs die Mehrheit der Bevölkerung, die da auf die Straße geht."

Ich habe natürlich gleich meinen Taschenrechner genommen, um nachzurechnen, denn alles glaube selbst ich nicht mehr. Wie groß war mein Erstaunen, als ich feststellen musste, dass Sie diesmal die Wahrheit gesagt haben. Es geht also doch noch noch. Sie sollten das mal gezielt trainieren und wer weiß, in ein paar Jahren überwiegt vielleicht sogar die Wahrheit.

Aber ich bin abgeschweift, Herr Bundeskanzler. Da ich ja nun mal gerade den Taschenrechner in der Hand hatte, habe ich weiter gerechnet und dabei eine erstaunliche Feststellung gemacht. Sie, Herr Bundeskanzler, sitzen mal gerade mit 251 Abgeordneten im Bundestag und beschließen Dinge, die Sie uns zuvor völlig anders versprochen hatten. Rechne ich jetzt die 100.000 Demonstranten in Ostdeutschland (die Zahl haben Sie sicher aus der Presse. Die Presse macht mit diesen Zahlen das Gleiche, wie Sie mit der Arbeitslosenstatistik, man schönt sie in Ihrem Interesse nach unten. Real ist dann 150.000 Demonstranten viel wahrscheinlicher) und vergleiche sie mit der Zahl derer, die in Berlin Dinge beschließen, für die sie nicht gewählt wurden, dann sind das, selbst wenn ich die 100.000 als richtig annehme, immer noch 99.749 Stimmen mehr, als Sie aufzubringen haben.

Und eines können Sie als sicher annehmen, diese 100.000 haben eine Mehrheit hinter sich, die Sie nicht einmal bekämen, wenn Sie allen Bundesbürgern bewusstseinsverändernde Mittel spritzen würden.

Betrachten Sie mal die 100.000 Demonstranten aus dieser Sicht und Sie werden feststellen, dass Ihre Position äußerst schwach ist. Deshalb, Herr Bundeskanzler, zum Schluss ein Tipp: Das, was man so direkt unter den ungefärbten (immer noch?) Haaren als graue Masse ständig mit sich rum trägt, kann man auch benutzen, ja, manchmal sollte man das sogar tun, bevor man etwas sagt.

Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp